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28.07.12 / Flucht aus Frankreich / »Hexenjagd auf Reiche«: Wohlhabende wandern in Scharen aus

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30-12 vom 28. Juli 2012

Flucht aus Frankreich
»Hexenjagd auf Reiche«: Wohlhabende wandern in Scharen aus

Wer die Kampfansagen gegen „Reiche“, mit denen Frankreichs frischgewählter Präsident Fran­çois Hollande seinen Wahlkampf würzte, für bloße Parolen hielt, wurde am 18. Juli eines Besseren belehrt. An jenem Mittwoch begann die französische Nationalversammlung mit der Debatte über drastische Steuererhöhungen.

Damit dürfte die sozialistische Mehrheit im Parlament einen Trend befeuern, der bereits im Frühjahr anlief, als ein Sieg der Sozialisten immer wahrscheinlicher wurde: Reiche Franzosen kehren ihrem Land den Rücken oder spielen ernsthaft mit dem Gedanken daran.

Was sie verscheucht: Hollande will nicht nur den Spitzensteuersatz ab einem Jahreseinkommen von einer Millionen Euro auf 75 Prozent anheben. Auch soll die Vermögensteuer mehr als verdoppelt werden und nicht erst wie bisher ab einem Vermögen von 1,3 Millionen, sondern bereits ab 800000 Euro greifen. Der Eingangssteuersatz soll 0,55 Prozent jährlich betragen, bei einem Vermögen von vier Millionen Euro steigt sie indes bereits auf rund 2,4 Prozent oder 95500 Euro. Zusammen mit dem höheren Spitzensteuersatz und der Sozialsteuer CSG droht im Einzelfall ein Steuersatz von über 100 Prozent des Jahresbrutto-Einkommens.

Das verfehlt nicht seine Wirkung: Agenturen, die wohlhabende Bürger Frankreichs bei der Auswanderung beraten, berichten über eine dramatische Zunahme von Anfragen. Die „Frankfurter Allgemeine“ zitiert einen Pariser Vermögensverwalter, der sonst rund 50 derartige Fälle im Jahr verzeichnete. Allein bis zum Juli sei er nun aber schon bei 90 Anfragen angekommen.

Hauptziele der Exilanten sind Genf, Brüssel, Luxemburg und vor allem London. Erst danach rangiert unter anderem Deutschland. Gegen Deutschland spricht, dass hierzulande seit Jahren über Vermögensteuern debattiert wird. Zudem bezeichnete gar das CDU-geführte Finanzministerium schlecht kaschierte Enteignungsvorschläge gegen Vermögen von mehr als 250000 Euro unlängst  als „interessant“ (siehe PAZ von vergangener Woche).

Großbritanniens Premier David Cameron wirbt dem gegenüber ganz offen um reiche Franzosen, was unter Frankreichs Sozialisten bereits für böses Blut sorgte. Cameron spekuliert auf den enormen Nutzen, den kapital- und kaufkräftige Franzosen seinem Land und seiner Steuerkasse bringen würden. Für London spricht auch, dass sich hier bereits eine französische Gemeinde von rund 400000 Menschen fest etabliert hat. Die britische Metropole feiert sich selbst als „sechstgrößte Stadt Frankreichs“.

Auswanderungswillige Franzosen geben indes an, dass es weniger die höheren Steuern seien, die sie außer Landes trieben. Vielmehr hätten die Sozialisten eine „Hexenjagd auf Reiche“ ausgelöst.  Die Entwicklung macht selbst altgedienten Parteifreunden Hollandes Sorgen. Der frühere Berater von Präsident François Mitterand, Jacques Attali, mahnt, Wohlhabende seien die „mobilste Bevölkerungsgruppe“, deren Steueraufkommen und Kaufkraft man noch vermissen werde, wenn sie erst einmal außer Landes gegangen seien.                      Hans Heckel


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