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28.07.12 / Digitale Visitenkarten geplant / Kommission für Zeitgeschichte will Biogramme heimatvertriebener Priester erstellen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30-12 vom 28. Juli 2012

Digitale Visitenkarten geplant
Kommission für Zeitgeschichte will Biogramme heimatvertriebener Priester erstellen

Bis Ende dieses Jahres will Andreas Burtscheidt von der bischöflichen „Kommission für Zeitgeschichte“ im Bonner Albertinum sozusagen digitale Visitenkarten von rund 2200 heimatvertriebenen Priestern und Laien erstellt haben. Diese semantisch vernetzten Rohbiogramme sollen die Basis für biographisch-bibliographische Lexikonartikel sein, die eines Tages in das von der Kommission geplante Online-Lexikon über das katholische Deutschland seit 1800 eingestellt werden. Ermöglicht wird die Arbeit auf der Grundlage des Paragraphen 96 des Bundesvertriebenengesetztes (BVFG) durch bis Ende 2012 bereitgestellte Drittmittel aus dem Etat des Staatsministers für Kultur und Medien.

Beteiligt an dem bedeutenden Unternehmen ist der Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Erfurt.

Grundlage für die digitalen Visitenkarten sind die 89 laufenden Meter Akten der 1996 aufgelösten  „Königsteiner Anstalten“ mit dem „Haus der Begegnung“, Hochschule und Priesterseminar sowie seinen Instituten und des Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für die Heimatvertriebenen und Spätaussiedler, des Hildesheimer Bischofs Heinrich Maria Janssen (1907-1988)

Trotz wiederholter Bitten des  „Katholischen Flüchtlingsrats in Deutschland“ war es nicht möglich, die Akten von Janssens Nachfolger als Vertriebenenbischof, Weihbischof Gerhard Pieschl von Limburg (geboren 1934, zuständig für die Vertriebenenseelsorge von 1983–2009), ebenfalls den Königsteiner Akten in Bonn hinzuzufügen. Es hätte der Forschung genutzt, alles an einem Ort zu haben.

Obwohl das von der Deutschen Bischofskonferenz 1968 und 1998 beschlossene Prinzip – die Akten bleiben in dem Bistum  in dem sie entstanden sind – durch die Übergabe der in der Diözese Limburg entstandenen Königsteiner Aktenbestände schon durchbrochen worden war, mussten die Unterlagen von Weihbischof Pieschl ins Limburger Diözesanarchiv verbracht werden, wo sie nun der üblichen 40-Jahressperrfrist unterliegen. Dazu kommen Aktenbestände, die sich zum Teil auch auf Königstein beziehen, des Instituts für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien e.V. unter Leitung von Professor Dr. Rudolf Grulich in Geiß-Nidda. Jetzt entstehen bis zum Ende der offiziellen katholischen Vertriebenenseelsorge im Jahre 2016 neue Akten beim derzeitigen Vertriebenenbischof Weihbischof Dr. Reinhard Hauke in Erfurt. Zusätzlich gibt es Akten bei den Geschäftsstellen der ehemaligen und heutigen Visitatoren beziehungsweise Vereinen (Ackermanngemeinde) und andere in München, Fulda, Brandenburg, Münster und Bonn (Deutsche aus Russland).

Wer künftig Themen der katholischen Vertriebenenseelsorge bearbeiten will, muss also von Fall zu Fall nach Bonn und zu anderen Archivbeständen reisen.

Die Kommission für Zeitgeschichte wurde am 17. September 1962 in der Katholischen Akademie Bayerns ins Leben gerufen. Am letzten Oktoberwochenende wird nun am selben Ort mit einer Tagung „Katholizismus in Deutschland − Zeitgeschichte und Gegenwart“ an den 50 Jahre zurückliegenden Gründungstag erinnert.     Norbert Matern 


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