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28.07.12 / Für das deutsche Volk? / Ex-Bundestagsabgeordneter verarbeitet Berufserfahrung

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30-12 vom 28. Juli 2012

Für das deutsche Volk?
Ex-Bundestagsabgeordneter verarbeitet Berufserfahrung

Wer eine gehobene Position innehatte und in den Ruhestand getreten ist, verspürt manchmal den dringenden Wunsch, die Fülle des Erlebten und Gehörten, darunter viel Brisantes, zu Papier zu bringen, um es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Vilshofener Historiker und Publizist Klaus Rose war von 1977 bis 2005 Bundestagsabgeordneter der CSU und kurzzeitig Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Was er erlebt hat und was ihm an Erfahrungsberichten aus aller Welt zugetragen wurde, hat er im literarischen Genre eines Romans verarbeitet. In „Diplomatenpass und Penicillin“ treten neben-, nach- und miteinander eine Handvoll fiktiver Bundestagsabgeordneter als Hauptfiguren auf. Mit seinem Erstlingswerk, das zeitlich die letzten 30 Jahre umspannt, schuf Klaus Rose eine tragikomische Mahnung an Politiker, ihre Parlamentsaufgabe solide und prinzipientreu auszuführen. „Es müssten die Besten an die Schaltstellen kommen und nicht die Blender und Schwätzer.“ Diese Worte legt er dem Mitglied des Bundestags Alfred Behrens in den Mund. Jedoch sah und sieht die Wirklichkeit anders aus: „Schon in der Bibel werden diese und jene Figuren beschrieben.“ Und so teilen sich im Roman Theo Güll und Alfred Behrens das Feld der ehrenwerten Volksvertreter, während die Abgeordneten Gabriel Moss und Andreas Schwörer mit ihrem persönlichen Ehrgeiz und ihrer Umtriebigkeit einander überbieten. Darüber kommen sie früher oder später zu Fall. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären rein zufällig, betont der Autor.

Im ersten Teil begleitet der Leser Theo Güll und Gabriel Moss auf mehreren Reisen nach Afrika und Saudi-Arabien, an denen sie als Mitglieder von Delegationen des Deutschen Bundestags teilnehmen. Deutschland lieferte Anfang der 1980er Jahre technische und medizinische Geräte an afrikanische Länder, von denen zumindest einige reich an Rohstoffen sind. Als „Freunde der Ausrüstungshilfe“ – womit vielleicht auch „Aufrüstungshilfe“ gemeint ist – reist eine Delegation 1982 nach Kamerun und andere Länder Schwarzafrikas. Stets laufen die Reisen nach einem ähnlichen Muster ab. Nachdem die Gastgeber Bericht erstattet und ihre weiteren Wünsche geäußert haben, werden von beiden Seiten höfliche, recht unverbindliche Erklärungen abgegeben, bei denen das Schlagwort „kultureller Austausch“ oft gehört wird. Für die deutschen Volksvertreter scheint indessen das Begleitprogramm ihrer Gastgeber durchaus ebenso wichtig zu sein wie ihr eigentlicher Auftrag. Geboten werden ihnen exzellente Kulturereignisse, kulinarische Genüsse und manches rauschende Fest. Überhaupt wird das Wort „genießen“ in dem Buch inflationär verwendet, was wohl kein Zufall ist.

Fazit: Das Lesen dieses Buches macht Spaß. Es hat viele Leser verdient, da es einen Blick hinter die Kulissen erlaubt, und zwar auf anregende und ziemlich burleske Art.   Dagmar Jestrzemski

Klaus Rose: „Diplomatenpass und Penicillin“, Bod, Norderstedt 2011, gebunden, 240 Seiten, 26 Euro


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