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04.08.12 / Ostseebäder im 20. Jahrhundert / Ausstellung im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen zur Geschichte der Strände

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-12 vom 04. August 2012

Ostseebäder im 20. Jahrhundert
Ausstellung im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen zur Geschichte der Strände

Die Geschichte der Ostseebäder Zoppot, Cranz und Rigascher Strand im 19. und 20. Jahrhundert beschreibt die neue Sonderausstellung im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen. Im Einführungsvortrag gab Olga Kurilo einen Abriss über die Entstehung der Badekultur. Ein Weißenburger erkannte auf dem Ausstellungsplakat seinen Vater.

Auf dem Ausstellungsplakat erkannte ein in Weißenburg lebender gebürtiger Ostpreuße seinen Vater. „Das Foto haben wir nicht, es zeigt meinen Vater am Ostseestrand. Er ist, als ich vier Jahre alt war, im Krieg gefallen.“ sagte der im Ostseebad Zoppot geboren Ausstellungsbesucher gerührt.

„Die Seebäder an der Ostsee sind ein transnationales Phänomen“, erläuterte Dr. Olga Kurilo von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Die ersten Bäderzentren entstanden unabhängig von den politischen Grenzen in der gesamten Ostseeregion um das Jahr 1800. Bereits 1793 schlug der Arzt Samuel Gottlieb Vogel dem damaligen meck-lenburgischen Herzog Friedrich Franz die Gründung von Heiligendamm vor, 1816 folgte Cranz durch Friedrich Christian Kessel und 1821 Zoppot durch Johann Georg Haffner. Im gleichen Zeitraum entstanden auch die Bäder Duppeln, Edinburg und rund ein Dutzend weitere am Rigastrand (heute: Jurmala) im heutigen Lettland.

Neben der heilenden Kraft des Meerwassers, so die aus Moskau stammende wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Geschichte Osteuropas, waren auch die Präsentation der Mode in den Badeorten oder der Besuch der dortigen Spielbanken ein Ziel der Erholungssuchenden. Kurhäuser und Seebrücken bildeten den gesellschaftlichen Mittelpunkt.

Mit der Erschließung der Bäder durch die Eisenbahnstrecken in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Anreise kürzer, bequemer und preiswerter, zudem konnten viele Personen in kurzer Zeit an das Meer gebracht werden. Seit der Eröffnung der Königsberg-Cranzer Eisenbahn 1885 hatte die Großstadt eine direkte Verbindung zu den Ostseestränden. Neben der Eisenbahn brachte die Lage mancher Badeorte in der Nähe von großen Städten einen Wandel der Identität, erläuterte Olga Kurilo. Waren es früher Fischerdörfer, so entstanden nun praktisch „Vororte“ der Städte. Cranz wurde die „Badewanne“ von Königsberg und Zoppot die von Danzig.

Der Anteil ausländischer Gäste war anfangs nicht sehr groß, aber man legte wegen des internationalen Rufes sehr viel Wert auf ihre Anwesenheit. Das Kulturangebot nahm zu, wie man der damals aufgelegten „Cranzer Badezeitung“ entnehmen kann.

Um 1900 jedoch lief die Entwicklung der Badeorte auseinander. Während sich im Westen, also in Preußen, die Infrastruktur sehr viel schneller als im Russischen Reich entwickelte, blieb es dort beschaulicher. Dies kann man im Osten auch heute noch an vielen lieblich gestalteten Holzbauten in den Orten sehen, die im Westen oft schon früher verschwunden sind.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand ein schmerzlicher Niedergang statt, erläuterte die Verfasserin des im letzten Jahr erschienen Buches „Zoppot, Cranz, Rigaer Strand. Ostseebäder im 19. und 20. Jahrhundert“. Viele Orte lagen am Meer im militärischen Sperrgebiet und wurden aus ideologischen und politischen Gründen aus der Gedankenwelt getilgt. Wo noch Badebetrieb herrschte, errichtete man Plattenbauten zur Unterbringung der Erholungssuchenden. Erst in den Jahren nach der politischen Wende begann das Umdenken, die alte Baustruktur wird hergerichtet und der Badeurlaub in den Orten an der Ostsee in allen Ländern beworben.

Zur Eröffnung der Sonderschau im Kulturzentrum Ostpreußen konnte Direktor Wolfgang Freyberg unter anderen Landrat Gerhard Wägemann, die Landtagsabgeordnete Christa Naaß, Dekan Konrad Bayerle und das Mitglied im Landesvorstand der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen in Bayern, Rainer Claaßen, begrüßen. Er ermutigte alle Anwesenden, die die Region noch nie persönlich besucht haben, zu einer Reise an die Ostsee.

Die nötigen Informationen gibt es dazu in der Ausstellung, in der aktuelle Reiseprospekte angesehen und mitgenommen werden können. Die Hintergrundinformationen aus der Geschichte der Bäder liefern die historischen Fotos, Bildtafeln und Ausstellungstücke, die vom Herder-Institut in Marburg, dem Deutschen Kulturforum östliches Europa Potsdam und dem Lehrstuhl für Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt zusammengestellt wurden. In den Vitrinen sind dazu zahlreiche Originalgegenstände aus dem Archiv des Kulturzentrums in Ellingen zu sehen, die aus der Blütezeit der Badeorte zwischen den Weltkriegen stammen.

Die musikalische Begleitung zur Eröffnung der Sonderschau hatte Zdenek Ehrenberger aus Roth mit seiner Gitarre übernommen. Manfred E. Frische

Die Ausstellung „Zoppot, Cranz, Rigaer Strand, Ostseebäder im 19. und 20. Jahrhundert“ im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen ist bis zum 2. Dezember 2012 zu sehen. Die Öffnungszeiten im Barockschloss in der Schloßstraße 9, 91792 Ellingen sind bis Ende September Dienstag–Sonntag von 10–12 und 13–17 Uhr, ab Oktober von 10–12 und 13–16 Uhr. Zu erreichen ist das Museum unter Telefon (09141) 86440, Fax (09141) 864414, www.kultur-zentrum-ostpreussen.de und info@kulturzentrum-ostpreussen.de.


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