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08.09.12 / Nicht jedes Jahr ein Fernseher / Neue Berechnungen der Inflation offenbaren ernüchternde Entwicklung der Realeinkommen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-12 vom 08. September 2012

Nicht jedes Jahr ein Fernseher
Neue Berechnungen der Inflation offenbaren ernüchternde Entwicklung der Realeinkommen

Deutschland ist der große Profiteur des Euro – kaum eine öffentliche Debatte vergeht, in der nicht diese Behauptung aufgestellt wird. Die Forderung, die Deutschen sollten nun im Gegenzug Solidarität zeigen, folgt meist auf dem Fuße. Die Schweizer Bank UBS hat nun untersucht, wo tatsächlich die größten Gewinner und Verlierer seit der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung zu finden sind.

Unter die Lupe genommen hatten die Analysten der UBS die Entwicklung der Realeinkommen, also dem, was nach dem Abzug von Steuern und unter Berück-sichtigung der Inflationsraten übrigbleibt. Das Resultat der Untersuchung lässt von der mittlerweile immer häufiger aufgestellten Behauptung, die Südeuropäer seien die Verlierer der Währungsunion, nicht viel übrig – zumindest nicht, was den Zeitraum von 2000 bis 2010 angeht. Ausgerechnet die ärmsten zehn Prozent der Österreicher waren es, die mit einem Minus von 35 Prozent die größten Realeinkommensverluste unter dem Euro schultern mussten. Massive Einbußen hatte der UBS zufolge aber auch die Mittelschicht in Österreich, Deutschland, Frankreich, Irland und sogar in Italien zu erleiden.

Die großen Gewinner der Währungsunion waren noch bis zum Jahr 2010 in traditionellen Weichwährungsländern im Süden Europas zu finden: in Griechenland, Spanien und Portugal. Dort fielen auch nach Einführungen des Euro die Lohnzuwächse so massiv aus, wie dies in der Vergangenheit aufgrund hoher Inflationszahlen üblich war. Gleichzeitig sorgte der Euro – zumindest aus Sicht dieser Länder – aber für sinkende Inflationszahlen. Das Resultat waren reale Einkommenszuwächse für breite Bevölkerungsteile, die selbst bei den untersten Einkommensschichten einen steigenden Lebensstandard zur Folge hatten.

Dass die UBS zu Befunden kommt, die so gänzlich anders lauten als das, was üblicherweise über die Vorteile des Euro verbreitet wird, hat einen einfachen Grund. Statt der offiziellen Teuerungsraten wurden für die Analyse eigene Berechnungen angestellt, die näher am Lebensalltag der Normalbürger liegen. Statt eines statistischen Standard-„Warenkorbs“ wurde das Kaufverhalten verschiedener Einkommensschichten separat untersucht. Mit gutem Grund: Tatsächlich sind viele technische Güter wie etwa Computer oder TV-Geräte in den letzten Jahren oft beträchtlich im Preis gefallen – nur sie werden von Normal- und Geringverdienern bei weitem nicht so häufig angeschafft, wie dies üblicherweise in die Inflationsstatistiken einfließt. Untergewichtet ist dagegen häufig alles, was für die Masse der Normalbürger lebensnotwendig ist und vor allem von beträchtlichen Preissteigerungen betroffen war. Während viele Österreicher und Bundesdeutsche die gesunkenen Realeinkommen und die nachlassende Kaufkraft nach Einführung des Euro im Alltag durch einen sinkenden Lebensstandard zu spüren bekommen haben, sieht dies bei den Verlusten, die von der Inflation beim Vermögensaufbau verursacht werden, häufig noch anders aus. Dass mit klassischen Anlageformen wie Sparbuch oder Festgeld mittlerweile weder Vermögen geschützt noch gar aufgebaut, sondern schleichend vernichtet werden, ist der breiten Masse der Bevölkerung noch immer nicht bewusst. Wenig beachtet wird, dass die Realzinsen – das heißt die nominale Verzinsung abzüglich der Inflationsraten – mittlerweile im Normalfall im negativen Bereich liegen. Die Opfer, die  so ungefragt von Verbrauchern über hohe Preise oder von Sparern über negative Zinsen abverlangt werden, drohen allerdings auf lange Sicht noch wesentlich größer zu werden. Von EZB-Präsident Mario Draghi sind inzwischen „außergewöhnliche Maßnahmen“ angekündigt. Letztendlich geht es dabei um nichts anderes, als dass die EZB noch stärker als bisher in den Ankauf von Anleihen von Staaten wie Italien oder Spanien einsteigt. Langfristig drohen damit die Steuerzahler auf Verlusten sitzen zu bleiben, wenn sich die angekauften Anleihen in der Bilanz der EZB als wertlos herausstellen sollten.

Noch viel schneller könnte allerdings ein anderes Risiko zur Realität werden. „Wenn Zentralbanken Staatsanleihen kaufen, geraten die Staatshaushalte zwangsläufig außer Kontrolle, weil es keine Begrenzungen mehr gibt. Eine Umkehr ist auf diesem Weg so gut wie ausgeschlossen. Die Schulden wachsen in den Himmel und am Ende steht die große Inflation“, so der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler gegenüber der PAZ. Dabei besteht die Gefahr, dass es nicht  nur bei einer steigenden Inflation bleiben wird. Auf ein Phänomen, das sich ziemlich regelmäßig im Zusammenhang mit der Finanzierung von Staatsschulden per Druckerpresse einstellt, hat Felix Zulauf, einer der weltweit renommiertesten Vermögensverwalter, in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ aufmerksam gemacht: Finanziert eine Notenbank über ein Drittel des Staatshaushaltes, kommt es im Schnitt nach fünf Jahren zu einer Währungsreform, so Zulauf. Norman Hanert


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