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08.09.12 / Kopftuch kehrt zurück / Ägypten: Staatsfernsehen setzt auf verhüllte Nachrichtensprecherin

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-12 vom 08. September 2012

Kopftuch kehrt zurück
Ägypten: Staatsfernsehen setzt auf verhüllte Nachrichtensprecherin

Einen Monat nach Amtsantritt des neuen Informationsministers Salah Abd al Maqsud präsentierte Fatma Nabil mit einem cremefarbenen Kopftuch die Mittagsnachrichten im ägyptischen Staatssender Kanal 1. Maqsud gehört wie der Staatspräsident Muhammad Mursi vor seiner Wahl der Muslimbruderschaft an. Seit seinem Amtsantritt setzt er in den  staatlich kontrollierten Medien immer mehr Islamisten auf verantwortungsreiche Posten. Der Auftritt von Fatma Nabil war der erste Auftritt einer verhüllten Ansagerin seit Gründung des Staatsfernsehens in Ägypten 1960. Da die bisherigen Nachrichtensprecherinnen des Staatsfernsehens kein Kopftuch tragen wollten, wurden neue eingestellt, eine davon war Fatma Nabil. Vorher hatte Nabil beim Fernsehsender der Muslimbruderschaft „Misr 25“, gearbeitet, wo das Kopftuch der Frauen Pflicht ist. Nabil bestritt gegenüber der Tageszeitung „Al Masri al Youm“, dass ihr Auftritt die Folge einer Islamisierung des ägyptischen Medienwesens sei. Der Schleier sei ihre persönliche Entscheidung, sagte sie. Während der Sendung war ihr Gesicht frei zu sehen; das islamische Kopftuch Hidschab bedeckte lediglich Haare, Ohren und den Hals. 

Bis zum Sturz von Präsident Hosni Mubarak im Februar 2011 konnten verschleierte Frauen im Staatsfernsehen nur hinter der Kamera arbeiten. Mubarak und seine Vorgänger  hatten versucht, über das Fernsehen ein säkulareres Bild Ägyptens zu vermitteln. Auch die Frau des neuen ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi trägt Kopftuch, während Mubaraks Frau Suzanne kein Kopftuch trug.

Aus dem Informationsministerium verlautete, dass künftig noch mehr Kopftuch tragende Frauen die Nachrichten verlesen würden. Auch Wettermoderatorinnen würde das Tragen des Hidschab erlaubt. Die Neuerung diente der „Stärkung des Gerechtigkeitsprinzips auf dem Gebiet der Medien“, so die staatliche Nachrichtenagentur Mena.

In privaten ägyptischen Sendern war das Tragen des Kopftuchs schon seit langem Usus, weil auch im Lande die Mehrheit der Frauen ihr Kopfhaar bedeckt. Jetzt tauchten zu Beginn der Fastenzeit die ersten Fernsehsprecherinnen auf, die den Vollschleier Niqab tragen, der nur einen kleinen Sehschlitz für die Augen offen lässt. Der Sender mit Namen „Maria TV“, wurde von Salafisten ins Leben gerufen, er beschäftigt ausschließlich vollverschleierte Frauen. Die Moderatorinnen unterweisen Musliminnen in religiösen Lehren, geben Unterweisung in Ehe-, Hauswirtschafts- oder sogar Kosmetikfragen.

Weltweit galt bislang, dass TV-Moderatorinnen adrett und ansehnlich daherkommen sollen. In der Welt der Salafisten ist Letzteres nicht mehr gewünscht, denn die ausschließlich weiblichen Mitarbeiter sind alle vollverschleiert. „Maria TV“ gehört zum ägyptischen Kanal „El-Ummah“. Die Betreiber sind streng muslimische Salafisten. Der Name des Senders „Maria TV“ soll bewusst christliche Assoziationen wecken, denn auch die christlichen Kopten verfügen in Ägypten und weltweit über eigene gut aufgestellte und auch unter Muslimen beliebte Fernsehkanäle. Maria soll der Name einer ägyptischen, christlichen Sklavin gewesen sein, die der Prophet Mohammed geheiratet und damit befreit habe. Nach Auskunft der Sendermacher soll der Name beweisen, dass mit dem Aufkommen des Islams die Stellung der Frau sich gebessert habe, der Schleier sozusagen zur Befreiung der Frau beigetragen habe.    Bodo Bost


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