23.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
08.09.12 / Patriotismus muss gelebt werden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-12 vom 08. September 2012

Moment mal!
Patriotismus muss gelebt werden
von Klaus Rainer Röhl

Was ist die Gemeinsamkeit zwischen einem Wolgadeutschen, dem es zur Zeit Stalins verboten war, Deutsch zu sprechen, und dessen Muttersprache auch noch 50 Jahre danach verpönt war, was dazu führte, dass er bei seiner Ausreise nach Deutschland kaum ein Wort Deutsch konnte, und dem Fußballstar Mesut Özil? Oder auch dem Grünen-Politiker Cem Özdemir? Alle sind Deutsche. Aber warum machen weder Özil noch ein paar andere Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft den Mund auf, wenn die deutsche Nationalhymne gespielt wird? Das ist zumindest befremdlich. Liebe zum Vaterland kann man nicht in den Pass schreiben, die hat man wie alle Franzosen, Spanier und Portugiesen, Polen, Engländer und Griechen. Oder man hat sie nicht. Liebe zu seinem eigenen Land kann man nicht verordnen, aber zum Glück auch nicht verbieten. Patriotismus ist, zum Leidwesen aller grün-roten Linken, noch nicht verboten. Die Väter und Mütter des Grundgesetzes, die 1949 eine Verfassung für das durch Krieg und Diktatur zerstörte Deutschland verabschiedeten, waren nicht nur makellose Demokraten, sondern auch Patrioten, als sie am 23. Mai 1949 befanden:

„Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, seine nationale und staatliche Einheit zu wahren und als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat das deutsche Volk, … um dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine neue Ordnung zu geben, kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz beschlossen .“

Sie hatten auch keine Bedenken, als sie in Paragraf 116 festschrieben, wer Deutscher ist: Neben den Bewohnern Deutschlands in den Grenzen von 1937 auch „Volkszugehörige“, also Menschen deutscher Abstammung.

Dieser Begriff der Volkszugehörigkeit wurde später auch auf Deutsche im Ausland angewandt, die zum Beispiel in Russland jahrhundertelang ihre deutsche Sprache gepflegt hatten, trotz Verboten und Terror. Seit dem 1. Januar 1993 werden sie Spätaussiedler genannt. Gegen diesen Zuwachs an vielen hunderttausend deutschstämmigen Staatsbürgern lief die gesamte Linkspresse vergeblich Sturm und forderte im Gegenzug die Einbürgerung immer neuer nichtdeutscher Personengruppen. Das Grundgesetz wurde in der Folgezeit häufig geändert. Dabei galt nicht mehr die Zugehörigkeit zum deutschen Volk, sondern Beliebigkeit.

Zu den wenigen Voraussetzungen, die für die Erteilung der deutschen Staatsbürgerschaft noch geblieben sind, gehört theoretisch die deutsche Sprache. Zum Glück kann man die auch jedem ehemaligen Bewohner Anatoliens beibringen, wenn er nicht ganz auf den Kopf gefallen ist. Kinder lernen ja schnell, fast spielend. Deshalb sprechen dann die Nachkommen der Türken manchmal flüssiger und eleganter als manche deutsche Unterschicht-Kinder, denen trotz vielen guten Willens und sogar Schüler-Bafögs der Besuch guter Schulen versagt blieb.

Eene meene muh, und deutsch bist du! Eigentlich können alle Bewohner unseres Planeten, zurzeit rund sieben Milliarden, Deutsche werden, wenn sie neben dem Wunsch, in die großzügigste Kranken- und Sozialfürsorge der Welt einzusteigen, noch ein paar Brocken Basisdeutsch lernen, lange genug in Deutschland leben oder hier als Kinder Illegaler geboren sind. Brauchen wir eigentlich die zahllosen Pass-Deutschen wirklich so sehr, wie uns dauernd eingeredet wird? Die Programm-Kommission der CDU hatte schon 2009 unter Vorsitz des CDU-Generalsekretärs Ronald Pofalla ein Papier ausgearbeitet, das nichts Gutes hoffen ließ. So wurde der frühere Ansatz, Deutschland sei „kein Einwanderungsland“ gestrichen, zugunsten des bewusst unscharf formulierten „Deutschland ist ein Integrationsland“. Integration? Bisher gab es nur das millionenfach missbrauchte Asylrecht, und die schließlich hingenommene Ansiedlung von mindestens einer Million für den deutschen Arbeitsmarkt gänzlich unqualifizierter Wirtschaftsflüchtlinge und ihrer Großfamilien. Diese „Einwanderung“ ist das Gegenteil einer möglicherweise nötigen Anwerbung von qualifizierten Arbeitskräften in einigen Branchen. Die Ermutigung junger Familien, mit wirklich großzügiger finanzieller Unterstützung mehr als ein Einzelkind aufzuziehen, wäre der bessere Weg. Auch dazu gehört Liebe.

Die Liebe zu seinem Volk, seiner Sprache und seiner Geschichte ist nicht im Schnellkurs zu erwerben. Patriotismus steht nicht im Einbürgerungsgesetz. Die Griechen, schon 1453 unter die Herrschaft der Türken geraten, erkämpften ihre Sprache und damit ihre Identität unter der unvorstellbar langen 400-jährigen Herrschaft der Türken – Sprache als Bestandteil ihrer Identität. So konnten sie nach 400 Jahren in blutigen Kämpfen die Türkenherrschaft abschütteln. Als Nation.

Die deutsche Sprache ist älter als das erste Reich unter Heinrich I. Die Vorfahren der Deutschen benannten sich nach der gemeinsam gesprochenen Sprache, dem „tiudisk“, der von der Kirche missbilligten „Volkssprache“, einer Weiterentwicklung mittelgermanischer Dialekte in Franken, Sachsen, Thüringen, Bayern und Böhmen mit erstaunlicher Bindungskraft durch die Jahrhunderte. Der erste große Dichter der Deutschen, Walther von der Vogelweide, benennt seine Landsleute nach der Sprache, die sie sprechen, „tiutsche zunge“ und preist das Land zwischen Elbe und Rhein, vom Meer bis nach Ungarn als besser und schöner als alle anderen Länder. Zur gleichen Zeit entstand, fußend auf mündlich überlieferten Gesängen über Armin den Cherusker und den Drachentöter Siegfried mit dem „Nibelungenlied“ ein den großen Werken der Antike ebenbürtiges Versepos. Parteienhader und politische Kämpfe der Deutschen untereinander verhinderten nicht die breite Entfaltung und Blüte unserer Muttersprache. Als man im 19. Jahrhundert begann, ihre Zeugnisse liebevoll zu sammeln und zu veröffentlichen, kam eine erstaunliche Vielfalt zum Vorschein. Doch der reiche deutsche Wortschatz, in Grimms Wörterbuch gute 40000, verkümmert. Verkümmert wie eine aussterbende Tier- und Pflanzenart in der Klimakatastrophe. Artensterben der Sprache. Kiezdeutsch, nachäffendes Englisch („Denglisch“) und Gender-Deutsch mit seinen grotesken Erfindungen beherrschen die Sprache. Keine guten Zeiten für Patrioten.

Und doch – hier schließen wir jede Wette ab – kurz vor der nächsten Wahl wird von Angela Merkel und ihren RatgeberInnen der Patriotismus zum Wählerfang wieder zur Diskussion gestellt werden. Zugleich  mahnen dann wieder die falschen Freunde die Kanzlerin, alles zu meiden, was auch nur entfernt nach „rechts“ aussieht. Das aber ist praktisch die ganze Partei. Es gibt rechte und konservative Grundstimmungen, jede Befragung zeigt das. Nicht nur in Schützengilden, Heimatvereinen, bei Millionen Fußballfans und den Millionen der von den Linken besonders gehassten „Stammtischbrüder“. Die Liebe zur deutschen Sprache gehört übrigens dazu. Der Verein Deutsche Sprache (VDS), der gegen die Sprachverwilderung kämpft, steigerte seine Mitgliederzahlen in den letzten Jahren um 200 Prozent. „Denglish“ ist seitdem bei Deutschen, die ihre Muttersprache lieben, auf dem Rückzug. Immerhin etwas, und auch dieses Etwas sollte zu denken geben.

Der Trend geht zur Nation. Überall in Europa. „Mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen!“ So wird Europa gedeihen. Ein Europa der Vaterländer. Nicht der Banken und Währungen.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabobestellen Registrieren