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08.09.12 / Der Herr ist mein Hirte / Ursula Karge sammelt Konfirmationsurkunden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-12 vom 08. September 2012

Der Herr ist mein Hirte
Ursula Karge sammelt Konfirmationsurkunden

Heute komme ich mit einer Bitte, die wohl noch nie gestellt wurde“, schreibt Frau Ursula Karge aus Norden. Und damit hat sie Recht, denn der Wunsch nach alten Konfirmationsurkunden ist noch nie an uns gerichtet worden. Wohl schon nach Aufnahmen von der Einsegnung des oder der Suchenden, aber dann ging es immer um ein bestimmtes Bild, mit dem man eine wichtige Lebensstation dokumentieren wollte. Manchmal war es auch umgekehrt: Da wurde uns ein altes Konfirmationsbild mit der Bitte um Veröffentlichung übersandt, um ehemalige Mitkonfirmanden zu finden. Nach der Urkunde mit dem Konfirmationsspruch als Sammlerobjekt wurde aber bisher nicht gesucht, da dürfte die Ostfriesin die Erste sein. Auch in der Aufgabe, die sie sich selber gestellt hat: Sie will noch vorhandene alte Konfirmationsurkunden sammeln, um sie vor dem Vergessen zu retten. Denn nirgendwo werden diese in Form einer Sammlung aufgehoben, wie Frau Karge festgestellt hat. Auch die Kirchen haben noch nie etwas in dieser Hinsicht unternommen. Hier und da findet man einige Exemplare in Museen, Gemeindehäusern oder Heimatstuben als Unikate. Das soll nun anders werden, und da ihr Vorhaben bereits im Kirchenkreis ihres Heimatortes zu einem überraschenden Erfolg geführt hat, will sie ihr Projekt ausweiten und besonders Ostdeutschland mit einbeziehen.

Es begann im vergangenen Jahr mit der Feier ihrer Diamantenen Konfirmation in der Ludgerikirche in Norden. Ursula Karge hatte ihre Urkunde von 1951 mitgenommen, die ein Stich des Gotteshauses schmückte. „Und ich dachte, es wäre doch schön und etwas Besonderes, alle Urkunden unserer Gemeinde zu haben“, erzählt die Ostfriesin. So wurde die Idee geboren, die Konfirmationsurkunden von Ludgeri zu sammeln. Zuerst in der Familie und dann weiter im Bekanntenkreis. In erstaunlich kurzer Zeit kamen 80 Urkunden aus den verschiedensten Zeitabschnitten zusammen. Das älteste Dokument stammt aus dem Jahr 1857! Es ist interessant zu sehen, wie sich im Laufe der Zeit die Gestaltung der Urkunden geändert hat. Um 1900 kamen mit dem Jugendstil viele Verzierungen. Die während der Kriege gestalteten Blätter spiegeln in ihrer Schlichtheit die Not der Zeit wider. Spätere Urkunden sind oft künstlerisch gestaltet, es befinden sich Abbildungen von Gemälden Albrecht Dürers darunter wie auch von Paula Modersohn-Becker. Seit 1995 wird eine Klappkarte überreicht, die eine Grafik der Ludgerikirche und des Glockenturmes zeigt. Eine solche Sammlung ist einzigartig und wertvoll. Sie erregte das Interesse der Öffentlichkeit, weil auch die Medien von diesem ersten Sammelband berichteten, so dass Ursula Karge beschloss, die Aktion auszuweiten. Für einen zweiten Band sammelt sie Urkunden aus ganz Deutschland, die ersten aus Norderney, Oldenburg und Dortmund liegen bereits vor.

Da Frau Karge bereits fünf Konfirmationsurkunden aus Ostdeutschland erhielt, kam sie auf den Gedanken, einen geplanten dritten Sammelband den Dokumenten aus den Vertriebenengebieten zu widmen. Hier hat jede erhalten gebliebene und sorgsam bewahrte Einsegnungsurkunde noch einen besonderen dokumentarischen Wert, weil die betreffenden Kirchen zerstört, zweckentfremdet oder dem Verfall preisgegeben wurden. Wenn Urkunden durch alle Kriegswirren gerettet werden konnten, dürften sie noch vorhanden und der Familienchronik einverleibt worden sein. Anders in den Fällen, wo es kein Interesse mehr vonseiten der heutigen Generation durch fehlende familiäre Bindungen gibt und die Gefahr besteht, dass diese Urkunden unbeachtet bleiben und irgendwann vernichtet werden. Davor bleiben sie in der Sammlung bewahrt und erhalten hier ihren dokumentarischen Stellenwert. Für die geplante Sammlung genügt Ursula Karge eine gute Kopie. Von überlassenen Originalen sollen die Abgeber eine Ablichtung erhalten, so sieht es jedenfalls das von Ursula Karge geplante Sammelprojekt vor, auch das später die Kopien der Urkunden aus den Vertriebenengebieten den betreffenden Museen übergeben werden. Ob und wie weit das verwirklicht werden kann, ist noch nicht ausgelotet. Nach den schnellen Anfangserfolgen steht es jedenfalls für Ursula Karge fest: Es soll gerettet werden, was noch zu retten geht!

Helfen wir ihr dabei. (Ursula Karge, Hollweg 20 b in 26506 Norden, Telefon 04931/3166.)            R.G.


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