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15.09.12 / Ein Haus für die Zukunft / Bildungsministerin will einen Ort für Innovationen schaffen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-12 vom 15. September 2012

Ein Haus für die Zukunft
Bildungsministerin will einen Ort für Innovationen schaffen

Da sage keiner, die Politik würde nicht langfristig planen und in die Zukunft blicken. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will den Deutschen sogar ab 2016 die Zukunft vereint unter einem Dach präsentieren. „Haus der Zukunft“ soll der Ort heißen, der kein Museum sei, sondern in dem nach vorn geblickt werde. „Es fragt, wie unsere Welt in 20, 30 Jahren aussehen könnte“, erklärt Schavan ihr Projekt, das im Herzen der Hauptstadt unweit vom Bundeskanzleramt, in unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Neubau des Bundesbildungsministeriums und des Forschungscampus’ Charité entstehen soll.

Die Ministerin ist zweifellos von der Idee entflammt: „Ob es nun um unsere Gesundheit geht, das Klima oder den demografischen Wandel. Das ,Haus der Zukunft‘ soll zeigen: Woran arbeiten Wissenschaft und forschende Unternehmen gerade? Wer bringt in Deutschland Forschung voran? Was sind die Chancen und Risiken unterschiedlicher Lösungsansätze? Vor allem aber: Wie werden wir künftig leben? Kurzum: Das ,Haus der Zukunft‘ soll neugierig machen auf die Welt von morgen.“

Allerdings fragt man sich, warum der Staat das „Haus der Zukunft“ dann überwiegend finanzieren muss, wo es doch der Wissenschaft und der Wirtschaft Möglichkeiten gibt, sich zu präsentieren. Zwar sollen Wirtschaft und Wissenschaft das Projekt begleiten, aber bisher scheint noch nicht viel passiert zu sein. Und das, obwohl Schavan doch wünscht, dass das „Haus der Zukunft“ 2016 eröffnet wird und betont, dass man sich bereits im Koalitionsvertrag 2009 auf den Bau des „Schaufensters für den Innovationsstandort Deutschland“ geeinigt habe.

Im Haushaltsentwurf 2016 sollen schon Miete und Betriebskosten für den „lebendigen Ort der Zukunftsvergegenwärtigung“ – zumindest verbal weiß das Bildungsministerium sein „Haus der Zukunft“ anzupreisen“ – vermerkt worden sein. Schavan rechnet mit insgesamt elf bis 13 Millionen Euro pro Jahr, davon sollen 7,6 Millionen Euro für den laufenden Betrieb gedacht sein. Miete soll gezahlt werden, da Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb des Gebäudes an einen privaten Partner vergeben werden. Dieser dürfte nach den bisherigen Annahmen rund 40 Millionen Euro für den Bau des Gebäudes zahlen und dafür 30 Jahre lang Miete erhalten. Die „Financial Times Deutschland“ hatte vor einigen Wochen darauf hingewiesen, dass bei 13 Millionen pro Jahr, die das Ministerium als Gesamtkosten veranschlagt, abzüglich der Betriebskosten innerhalb der Vertragslaufzeit von 30 Jahren eine Gesamtsumme in Höhe von über 160 Millionen Euro an den Bauherrn des Gebäudes gezahlt werden müsste, also das Vierfache der angenommenen Baukosten. Die Hälfte der jährlichen Kosten, so das Ministerium, sollen jedoch über Spenden aus der Wirtschaft und Eintrittsgelder wieder eingenommen werden.

Da diese Zahlen aus einer eigenen Machbarkeitsstudie kommen, kann man nicht behaupten, die Politik wäre von der Wirtschaft über den Tisch gezogen worden. „Das ,Haus der Zukunft‘ wird kein Monumentalbau sein, sondern ein flexibler, architektonisch und technisch erstklassiger Ort der Begegnung für jeden Bürger, ein Zukunftsort im wahrsten Sinne des Wortes“, so die Macher. Kritiker hingegen entgegnen, das Geld für das „Haus der Zukunft“ sei im Bildunssystem besser angelegt. Rebecca Bellano


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