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15.09.12 / Chinas Traum vom schnellen Geld / Bei chinesischen Aktien und Wachstumszahlen ist Vorsicht geboten, sie werden für Investoren geschönt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-12 vom 15. September 2012

Chinas Traum vom schnellen Geld
Bei chinesischen Aktien und Wachstumszahlen ist Vorsicht geboten, sie werden für Investoren geschönt

Dreistes Kopieren geistigen Eigentums und staatlich verordnete Benachteiligungen werden bis heute von vielen westlichen Firmen beklagt, die in China aktiv sind. Inzwischen machen aber auch Privatpersonen im Westen bittere Erfahrungen mit chinesischen Geschäftsmethoden.

Es ist ein bitteres Resumee, das der Brite Mark Kitto nach jahrzehntelangem Aufenthalt im Reich der Mitte zieht. 26 Jahre nachdem er zum ersten Mal nach China kam und dort erfolgreich ein Unternehmen aufbaute, verlässt Kitto desillusioniert das Land. Anders als viele andere Ausländer, die sich still und resigniert zurückziehen, hat Kitto die Gründe für seinen endgültigen Weggang aus China öffentlich gemacht. Korruption und Immoralität sind es, welche die chinesische Gesellschaft immer tiefer prägen, so Kitto. China ist nur noch auf ein Ziel fokussiert: die Vemehrung von Geld und das mit allen Mitteln.

Dankenswerterweise hat Kitto noch auf eine andere Tatsache aufmerksam gemacht, die in Zeiten der Political Correctness in den Medien selten erwähnt wird: Westlichen Unternehmern und Ausländern generell gelingt es nur sehr selten, den Status von Außenseitern in der chinesischen Gesellschaft zu überwinden – selbst nach Jahrzehnten im Land, selbst bei besten Sprachkenntnissen. Sie stoßen auf eine kulturell tief verwurzelte Ausgrenzung all derjenigen, die von außen kommen, der Nichtchinesen. Im Fall Kittos hat sich dieser quasi rassistische Reflex problemlos bis zur Enteignung seines Unternehmens in China mobilisieren lassen.

Die Erfahrung völlig anderer Geschäftsgebaren machen inzwischen auch immer öfter westliche Anleger, die versuchen, über den Kauf von chinesischen Aktien am Wirtschaftsboom im Reich der Mitte teilzuhaben. Der Traum vom Reichtum per China-Aktien endet recht häufig mit massiven Verlusten. Die Aussicht, an westliches Kapital zu gelangen, hat mittlerweile hunderte chinesische Unternehmen veranlasst, den Gang an die Börsen in den USA, Kanada, Deutschland und Großbritannien zu wagen. Allein an der Frankfurter Börse kamen drei der vier Neuemissionen im regulierten Markt 2012 von Firmen aus China.

Inzwischen eilt den chinesischen Aktiengesellschaften fast regelmäßig ein zweifelhafter Ruf voraus. Viele der Aktien haben sich statt als solide Anlage als Verlustbringer, wenn nicht gar als betrügerische Abzocke entpuppt. Da die chinesische Regierung ausländischen Forschungsunternehmen den Zugang zu Finanzdaten und Bilanzen von Unternehmen bewusst erschwert, ist abseits der bunten Prospekte selbst für Experten kaum auszumachen, wie es um die Unternehmen in der Realität bestellt ist. Die Versuchung, per Bilanzfälschung den Aktienkursen Auftrieb zu verschaffen oder sogar von vornhereine reine Betrugsmasche aufzuziehen, ist entsprechend hoch.

Wie undurchschaubar die Bilanzen chinesischer Unternehmen sein können, wurde am Fall der Sino-Forest Corporation deutlich. Nach Vorwürfen, das Unternehmen sei lediglich auf reinen Betrug angelegt, lösten sich an der Börse Toronto im vergangenen Jahr innerhalb weniger Tage fünf Milliarden Kanadischer Dollar an Börsenwert in Luft auf. Mit Hilfe gefälschter Bilanzen soll unter anderem umfangreicher Waldbesitz in China vorgetäuscht worden sein, der in der Realität nie existiert habe, lautete einer der Vorwürfe an das Unternehmen. Bis heute wird darüber gestritten, wie stichhaltig die Anschuldigungen waren und was tatsächlich an Werten hinter der lange Zeit eindrucksvollen Bilanz von Sino Forest gestanden hat. Um das Aufspüren von „Schwarzen Schafen“ unter den chinesischen Aktiengesellschaften hat sich in den USA inzwischen ein regelrechtes Geschäftsmodell entwickelt – betrieben von Analyseunternehmen und Hedgefonds.

Wird eine Überbewertung der Aktien erkannt, dann lässt sich über entsprechende Papiere ein hoher Gewinn daraus ziehen, dass die Bilanzmanipulation vor anderen Marktteilnehmern erkannt wird. Selbst ohne dass unlautere Absichten zum Frisieren der Bilanzen vorliegen, steigt die Wahrscheinlichkeit für künftige drastische Kurseinbrüche bei chinesischen Aktien durch die immer fragiler werdende wirtschaftliche Lage in China immer mehr an. Der gesamte chinesische Stahlmarkt stand nach Angaben des Branchenverbandes China Iron & Steel Association (CISA) im August kurz vor dem Zusammenbruch. In China – dem größten Stahlmarkt der Welt – ist der Branchenindex fast auf seinen Ausgangswert im Jahr 1994 gefallen. Ursache sind massive Überkapazitäten, die vor allem durch das im Jahr 2008 verabschiedete Konjunkturpaket in Höhe von umgerechnet 500 Milliarden Euro aufgebaut wurden. Die nächste „Aufputschspritze“, die den notwendigen Abbau der gigantischen Überkapazitäten noch ein weiteres Mal herauszögert, ist bereits auf dem Weg: Rund 55 Verkehrs- und Infrastrukturprojekte im Wert von 250 Milliarden Euro sollen nach dem Willen Pekings noch einmal die Wirtschaft ankurbeln. Nicht nur der zeitliche Abstand der Konjunkturpakete scheint immer kürzer zu werden, erstaunlich ist auch, wer die Summe für das neuerliche wirtschaftliche Strohfeuer aufbringen soll: nicht Peking selbst, sondern die ohnehin schon stark überschuldeten chinesischen Provinzen. N. Hanert


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