23.01.2022

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15.09.12 / Volkspädagoge

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-12 vom 15. September 2012

Volkspädagoge
von Jan Heitmann

Es käme wohl niemand auf die Idee, einem Volljuristen den kleinen Rechtsratgeber für Hausfrauen zu schenken. Dafür kommt es gelegentlich vor, dass Historiker ein Buch von Guido Knopp auf dem Gabentisch finden. Schließlich gilt der umtriebige Fernsehmann als Deutschlands bekanntester Historiker. Von so einer Koryphäe sollten sogar Fachleute noch etwas lernen können, scheint sich mancher zu denken. Immerhin verdanken ihm Millionen die Erkenntnis, dass ihre Eltern und Großeltern entweder leicht verführbare Trottel oder pathologische Strolche und Mordbuben waren. In jedem Fall, so die Quint­essenz der Knoppschen TV-Gehirnwäsche, waren sie irgendwie alle verachtenswerte Gestalten, allein deshalb, weil sie als Deutsche in Deutschland lebten, als vor den Rathäusern die falsche Fahne wehte, nämlich die mit dem Hakenkreuz. Und der sind sie, so kann man bei Knopp lernen, doch alle so willfährig gefolgt.

Seit nunmehr 28 Jahren verkündet der Leiter des Ressorts Zeitgeschichte des zwangsgebührenfinanzierten ZDF in der ihm eigenen selbstgefälligen Art die reine historische Wahrheit. An der so langen und reichen deutschen Geschichte haben es ihm besonders die bestimmten zwölf Jahre angetan. Kein noch so marginaler Aspekt jener unglückseligen Epoche, der er sich nicht mit Hingabe gewidmet hätte. Dabei ist Knopp noch nicht einmal ein wissenschaftlich besonders ausgewiesener Vertreter seiner Zunft. Seinen Professorentitel verdankt er einer „philosophischen Privatuniversität“, an der er nicht etwa Geschichte, sondern Journalistik lehrt. Was er dort tatsächlich treibt, bleibt indes unklar, denn das aktuelle Vorlesungsverzeichnis weist keine Lehrveranstaltungen seines Fachbereiches aus. Kein Wunder also, dass Knopps Sendungen geschichtsdidaktisch nicht viel zu bieten haben. Statt auf eine fundierte und seriöse Geschichtsdarstellung setzt er auf emotionalisierende Elemente wie Zeitzeugeninterviews und nachgestellte Szenen sowie in pastoralem Ton vorgetragene volkspädagogische Belehrung. Dabei stammen die meisten seiner Dokumentationen und Bücher noch nicht einmal allein aus seiner eigenen Feder, sondern aus der seiner Mitarbeiter. Auf einem Fachgebiet hat er es aber in jedem Fall zu wahrer Meisterschaft gebracht: dem der Selbstinszenierung.

Damit ist jedoch demnächst Schluss. Der mittlerweile Ergraute wird Anfang des kommenden Jahres 65 und hört dann auf. Doch bei allem berechtigten Jubel ob dieser lange herbeigesehnten Nachricht gibt es noch einen Wermutstropfen. Vorher will er uns noch mit seinem letzten Projekt traktieren: einer „Gesamtschau der Jahre 1914 bis 1945“. Endlich, will man dankbar ausrufen, haben doch Generationen unfähiger Geschichtsprofessoren den vergeblichen Versuch unternommen, uns die „Urka­tastrophe des 20. Jahrhunderts“ und ihre fatalen Folgen zu erklären. Hätten sie doch Guido Knopp gefragt! Sein Ruhestand ist für alle Geschichtsinteressierten ein herber Verlust. Welcher leuchtende Stern am Fernsehhimmel soll ihnen künftig den Weg durch die dunkle deutsche Geschichte weisen? Eines ist jedenfalls sicher. Hätte es in der Zeit, die er zu seinem Lieblingsthema gemacht hat, bereits das Massenmedium Fernsehen gegeben, wären die Propagandaschaffenden wohl glücklich gewesen, hätten sie auf eine solche volkspädagogische Begabung wie Guido Knopp zurückgreifen können.


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