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15.09.12 / Loslassen in mineralhaltiger Umgebung / Salzoasen laden in eine Welt der Entspannung ein − Lindernder Effekt bei vielen Erkrankungen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-12 vom 15. September 2012

Loslassen in mineralhaltiger Umgebung
Salzoasen laden in eine Welt der Entspannung ein − Lindernder Effekt bei vielen Erkrankungen

Romantik und Entspannung verspricht der Prospekt der Salzoase. 250 Millionen Jahre altes Salz bedeckt den Boden eines Raumes, den man nur mit Strümpfen oder Plastiküberziehern betreten darf, damit kein Schmutz in das Natursalz gelangt, ansonsten ist Straßenkleidung erlaubt. Wände und Decken sind ebenfalls aus Salz geformt und gleichen denen einer unterirdischen Höhle. Über einen der künstlichen Felsen rinnt Wasser, dessen Plätschern beim Besucher den Eindruck entstehen lässt, sich in einer echten Höhle zu befinden. Wechselnde Beleuchtung sorgt für ein wohliges, romantisches Ambiente.

Schon beim Betreten des Salzbodens beginnt das Entspannungs-Abenteuer: Die großen Körner massieren angenehm die Fußsohlen. Haben es sich alle auf den bereitstehenden Wellness-Liegestühlen bequem gemacht, kann das Programm beginnen. „In den kommenden 45 Minuten werden Sie ruhig liegen. Atmen Sie tief durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus. So können die durch Soleverneblung entstehenden Mikropartikel ihre Wirkung am besten entfalten“, erklärt eine freundliche Mitarbeiterin. Um auch wirklich völlig ungestört ausruhen zu können, werden Kopfhörer gereicht − falls der Nachbar einschläft und zu laut schnarchen sollte − über die wohlige Klangeffekte wie Meeresrauschen und Vogelgezwitscher zu beruhigenden Melodien zu hören sind. Zuzätzlich soll eine Lichttherapie, bei der Deckenstrahler von rot über orange, grün, blau und gelb ihre Farbe wechseln, die wohltuenden Effekte unterstützen. „Wenn das Licht nach zirka zehn Minuten auf orange geht, atmen Sie besonders tief ein. Dann entfalten die Salze erst ihre allerbeste Wirkung“, heißt es bei der Einführung.

Das für Salzoasen verwendete Salz stammt aus dem Mittelmeer, dem Himalaya, Pakistan und dem Toten Meer. In einer Salzoase oder -grotte werden mehrere Tonnen von diesem Salz verbaut. Aufgrund seiner hohen Löslichkeit entfaltet es ein besonderes Mikroklima, das sich positiv auf den menschlichen Geist und Körper auswirken soll. Zwar steht der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit einer Halotherapie, das ist die Behandlung mit dem Mikroklima einer natürlichen Salzhöhle, bislang aus, aber die heilende Wirkung wurde bereits im 19. Jahrhundert festgestellt: So fiel auf, dass die Arbeiter in polnischen Salzbergwerken seltener an Atemwegserkrankungen litten als Angehörige anderer Berufe. Erstmals dokumentierte 1843 der polnische Arzt Feliks Boczkowski dieses Phänomen. Er betreute das Salzbergwerk Wieliczka (Groß Salze), in dem schon im 13. Jahrhundert Salz gefördert wurde.

In den 50er Jahren entstanden in mittelosteuropäischen Regionen, in denen es neben natürlichen Karsthöhlen (bestehend aus Kalk-, Karbonat- und Salzsteinen) auch Salzbergwerke gab, erste Therapiezentren für Asthmatiker. Zwar erkannte um 1950 auch der deutsche Arzt Karl-Hermann Spannagel die gesundheitsfördernde Wirkung der Kluterthöhle im Bergischen Land, doch die Halotherapie setzt sich erst seit einigen Jahren in Kurbädern, Thermen und Wellness-Anlagen durch.

Während des 45-minütigen Aufenthalts in salziger Umgebung im Liegestuhl, eingepackt in eine kuschelige Decke, inhalieren bis zu acht Personen gleichzeitig Salz, begleitende Mineralien und Spurenelemente wie Jod, Kalzium, Magnesium und Brom. Die Salze wirken sich nicht nur positiv auf die Atemwege, sondern auch auf die Haut aus. So können Menschen mit Asthma, chronischer Bronchitis, Allergien, Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, Neurodermitis und Akne, Migräne und Kopfschmerzen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Rheuma auf Linderung ihrer Beschwerden hoffen. Doch auch, wer einfach Stress abbauen will oder sein Immunsystem stärken möchte, kommt auf seine Kosten. Vielleicht, weil man eine Dreiviertelstunde ruhig daliegen muss und die Zeit nutzen kann, in sich hineinzuhorchen, setzt bereits nach zehn Minuten eine Art Tiefenentspannung ein. Ganz allmählich lässt einen der Alltag los, der Körper drückt sich schwer in den Liegestuhl, die Muskeln entkrampfen. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 55 Prozent und einer angenehmen Temperatur von 19 Grad fühlt man sich wohl. Nach der dreiviertelstündigen Behandlung ist man leicht und vollkommen entspannt.

Inzwischen gibt es vielerorts in Deutschland Salzoasen, die neben der Halotherapie auch klassische Massagen oder Klangschalen-Massagen in der Höhle anbieten und ein Vortragsprogramm bereithalten. Es gibt auch die Möglichkeit, sich eine Salzkammer zu Hause einzurichten. Voraussetzung ist aber, dass die Deckenhöhe mindestens 2,70 Meter beträgt. Manuela Rosenthal-Kappi


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