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15.09.12 / Erinnerungen und zwei Koffer / Witwe erzählt, wie sie ihren Mann kennenlernte, der auch Kriegswaise war

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-12 vom 15. September 2012

Erinnerungen und zwei Koffer
Witwe erzählt, wie sie ihren Mann kennenlernte, der auch Kriegswaise war

In „Leben und Liebe zweier Kriegskinder“ schildert Renate Berger, wie sie bereits in der Jugend ihren zukünftigen Ehemann erst kennen- und später als junge Frau auch lieben lernte. Als Kriegswaisen verschlug es den aus Ostpreußen stammenden Klaus Berger und die in Pommern beheimatete Renate Ulrich zwischen 1945 und 1947 ins Oldenburger Münsterland. Renate Berger kam bei ihrer Pflegemutter auf einem Bauernhof unter, während Klaus Berger bei den Großeltern der Inhaber eines Bäckereibetriebes ein neues Zuhause fand.

„Tante Anna holte den kleinen Jungen in die Wärme des Bäckerladens, gab ihm Zuckerkuchen. Er war verstört, reagierte kaum – wie elendig das Kind aussah, Ränder unter den dunklen Augen, die unter einer zotteligen Pelzmütze ausdruckslos vor sich hin starrten. Viel zu große Soldatenstiefel an den Kinderfüßen – verkommen, ausgehungert, verlaust … Das ganze Kriegselend spiegelte sich in dem mageren Kindergesicht.“

Etliche Jahre später sollten sich Renate und Klaus bei seinen Pflegeeltern bei Rum-Cola näher kommen. Während Klaus Berger in der Zeit 1959 bis 1965 zur See fuhr, herrschte reger Briefwechsel zwischen dem jungen Seemann und der im Café Schircks in Hamburg- Blankenese arbeitenden Renate. Im Oktober 1965 läuteten dann die Hochzeitsglocken. Freimütig gibt Renate Berger zu, dass die Hochzeit auch rationalen Zwecken diente und sich Braut und Bräutigam nach der Hochzeit erst noch zusammenraufen mussten.

Anlass, dieses Buch zu schreiben, war für die Autorin der Tod ihres Ehemannes. Sehr bewegend sind die einleitenden Worte Renate Bergers. „Mein Mann ist tot: Zwei Reisetaschen bleiben mir. Zwei Reisetaschen habe ich aus dem Krankenhaus mitgebracht, sie enthalten alles, was im Schrank war, übrig geblieben von den Sachen meines Mannes. Vor vier Stunden hat er mich verlassen, still gestorben beim Gebet des Pfarrers, erlöst von der schweren Krankheit, bis zur letzten Minute bei mir, seine Hand in meiner.“

Doch so traurig Renate Berger ihr Buch auch beginnt, so zeigt sich doch, dass die heute 71-Jährige weiterhin voller Lebensmut in die Zukunft blickt. Und so widmet sie ihre abschließenden Worte nicht nur dem Kummer, den sie verspürt, seit ihr Mann von ihr gegangen ist, sondern ihre Worte sind auch von einer lebensbejahenden Einstellung geprägt. „Doch schreite ich in die Zukunft, es kommt noch viel in meinem Leben, ich spüre es. Mein Mann begleitet mich wie ein Schutzengel, ist mir nah. Neue Dinge kommen auf mich zu … Nun entscheide ich allein, jeden Tag neu, entdecke neue Dinge, sehe mit eigenen Augen, staune – die Welt steht mir offen. Wer weiß, wohin mich die Reise des Lebens führt?“

Renate Bergers Buch „Leben und Liebe zweier Kriegskinder“ ist nicht nur eine Liebeserklärung an ihren verstorbenen Ehemann, sondern auch an das Leben selbst und die Möglichkeiten, die es uns jeden Tag aufs Neue bietet. V. Ney

Renate Berger: „Leben und Liebe zweier Kriegskinder“, Mariprosa Verlag, Berlin 2012, broschiert, 144 Seiten, 14,50 Euro


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