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29.09.12 / Prometheus lässt grüßen / Fusionsforscher wollen das Feuer der Sonne auf die Erde holen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-12 vom 29. September 2012

Prometheus lässt grüßen
Fusionsforscher wollen das Feuer der Sonne auf die Erde holen

Als Prometheus einst das Feuer der Sonne auf die Erde brachte, zog er den Zorn der olympischen Götter auf sich. Auf ewige Zeiten kettete Zeus den Titanensohn an einen Felsen und ließ ihn auf höchst unkulinarische Weise von einem unersättlichen Adler traktieren.

Solch trauriges Schicksal kann heutige Fusionsforscher nicht abschrecken: Auf Prometheus’ Spuren wollen sie erneut das Feuer der Sonne auf Erden entfachen. Sollte ihnen das tatsächlich gelingen, stünde der Menschheit eine auf Jahrmillionen nicht versiegende saubere, sichere und billige Energiequelle zur Verfügung – die Verschmelzung von reichlich vorhandenem Wasserstoff- zu Heliumatomen. Solche Fusionen heizen seit Milliarden von Jahren Sonne und Sterne auf.

Vor dem Schritt in ein Energieparadies steht zwar nicht der Zorn olympischer Götter, wohl aber ein massives rot-grünes Verhinderungspotenzial. Mangels physikalisch haltbarer Sachargumente setzen die – bei der Subventionierung von Solarkollektoren gar nicht bescheidenen – Umwelt- und Klimaschützer auf Sparsamkeit und fordern, aus dem „Milliardengrab“ Kernfusionsforschung auszusteigen.

Zum Vergleich: Der Versuchs-reaktor ITER, der zur Zeit im südfranzösischen Cadarache gebaut wird, dürfte nach heutigem Kenntnisstand über 16 Milliarden Euro kosten; der EU-Anteil ist auf 6,6 Milliarden begrenzt, wovon Deutschland 1,3 Milliarden trägt. Die gesetzlich festgeschriebene Förderung von Solarstrom aus Fotovoltaik hingegen wird die deutschen Steuerzahler und Stromkunden in den nächsten 20 Jahren 100 Milliarden kosten.

Iter soll ab 2020 demonstrieren, dass die gewaltige Energie, die bei der Fusion von schweren Wasserstoffatomen (Deuterium/Tritium) zu Helium freigesetzt wird, kontrolliert genutzt werden kann. Unkontrolliert geht das seit 60 Jahren: Am 1. November 1952 zündeten die USA die erste Wasserstoffbombe, vielfach stärker als die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki, die auf dem Prinzip der Kernspaltung aufgebaut waren.

Die größte – und bis heute nicht überwundene – Hürde bei der friedlichen Nutzung der Fusionsenergie: Wie kann man ein weit über 100 Millionen Grad heißes, unter extremem Druck stehendes Plasma stabil halten? Herkömmliche Materie scheidet aus, nur starke Magnetfelder können die innere Wand des Fusionsreaktors bilden. Die Forscher verfolgen zwei Konfigurationslinien: Tokamak und Stellarator. Deutschland ist an beiden Entwicklungen maßgeblich beteiligt. Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik leistet in Garching/München wichtige Zuarbeit zum Tokamak-Reaktor ITER, zugleich wird in Greifswald der fast 400 Millionen Euro teure Stellarator „Wendelstein 7-X“ gebaut.

Die Illusion, das gigantische Projekt werde auch die Einheit Europas befördern, kann man sich inzwischen abschminken. Paris nutzt ITER vor allem zur Förderung der eigenen Industrie. Von Aufträgen in Milliardenhöhe gingen die meisten an französische Firmen; deutsche Unternehmen waren nur mit 31,1 Millionen dabei. Tief enttäuscht ist daher das Bundesforschungsministerium vor wenigen Tagen aus der Projektförderung ausgestiegen. Die bisher gezahlten 34,3 Millionen sind in den Sand der Provence gesetzt. Hans-Jürgen Mahlitz


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