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29.09.12 / Vielleicht die letzte Chance / Das heruntergekommene Haus Nummer 2 an Allensteins Kopernikusplatz hat einen neuen Besitzer

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-12 vom 29. September 2012

Vielleicht die letzte Chance
Das heruntergekommene Haus Nummer 2 an Allensteins Kopernikusplatz hat einen neuen Besitzer

Das Haus Nummer 2 am Allensteiner Kopernikusplatz ist für zweieinhalb Millionen Zloty (rund 60000 Euro) in den Besitz von Fortlofty übergegangen. Dieses in Pruszków in der Woiwodschaft Masowien sitzenden Unternehmens hat viel Erfahrung beim Umwandeln renovierungsbedürftiger Bausubstanz in Wohn- und Büroflächen, arbeitet in Allenstein bereits an einem ähnlichen Bauprojekt und hat den Willen bekundet, in seinem neuen Besitz nach einer sorgfältigen Restaurierung Büros einzurichten.

Der Kopernikus-Platz in Allenstein gehörte einst zu den schönsten Flecken in der Stadt. Umrahmt von beeindruckenden Jugendstilhäusern und mit einer Grünanlage in seiner Mitte bildete er einen der beliebtesten Orte der Kreisstadt. Nach dem Krieg behielt er seinen Charakter, obwohl eine seiner Zeilen mit einem einfachen Wohnblock ohne jeglichen künstlerischen Wert ausgefüllt und eine andere mit einem tristen Gewerbegebäude bebaut wurde. Wenigstens blieben dort zwei weitere Gebäude relativ unversehrt und bestachen durch ihre prunkvollen und zum Teil geheimnisvoll wirkenden Verzierungen.

Eines dieser Häuser, das ursprünglich die Nummer 2 trug und heute mit einer Fünf beschildert ist, hielt man lange Zeit durch seine Stattlichkeit für besonders widerstandsfähig. Mit der Zeit erwies sich aber, dass es ebenfalls seinem Ruin entgegenzugehen scheint.

Der Hauptverantwortliche ist der Vorgänger des jetzigen Besitzers, ein bekannter örtlicher Unternehmer, dem es gelang, durch eine Allenstein mit Warschau verbindende Buslinie ziemlich vermögend zu werden. Die auf diese Art und Weise erwirtschafteten Einkünfte investierte er dann in Immobilien, so dass er 2006 unter anderem dieses Gebäude erwerben konnte. Dabei wurde er von der Kommunalbehörde verpflichtet, dessen bevorstehende Sanierung unter Einhaltung aller Vorschriften der Denkmalpflege durchzuführen. Anfangs gingen entsprechende Umbau- und Restaurationsarbeiten auch tatsächlich rasch voran, aber dann gerieten sie ins Stocken. Schwierigkeiten ergaben sich aus zweierlei Gründen: Zum einen wurden einige Räume unsachgemäß restauriert. Zum anderen wurde bei der Sanierung in unverantwortlicher Weise gespart, da dem Besitzer die Gelder ausgingen. An dem unbewohnten Haus wurde kaum noch etwas gemacht, im Winter blieb es unbeheizt und über die Jahre verwandelte es sich in ein Dornröschenschloss mitten im Stadtzentrum. Unter dem Druck vieler durch diesen Sachverhalt beunruhigter Stadtbewohner beschlossen die Stadtväter und –mütter, das Gebäude von seinem offenkundig überforderten Besitzer zurückzukaufen. Allerdings forderte der Besitzer mehr, als die Stadt bereit beziehungsweise in der Lage war zu zahlen. Die ganze Sache glich dem Gordischen Knoten.

Anfang dieses Jahres kam dann wieder Bewegung in die Sache. Der Syndikus verordnete nämlich einen Zwangsverkauf. Als einziger Kaufinteressierter meldete sich wider jedes Erwarten der gerade mündig gewordene Sohn des bisherigen Besitzers. Da ernsthafte Zweifel an der Seriosität der Motive dieses Mannes aufkamen, wurde die Transaktion gestoppt und eine neue öffentliche Versteigerung angekündigt. Im März dieses Jahres wurde sie durchgeführt. Ein Unternehmer aus dem pommerschen Stolp erhielt mit von ihm gebotenen dreieinhalb Millionen Zloty (etwa 85000 Euro) den Zuschlag. Plötzlich verzichtete er jedoch auf den Kauf, wodurch er folglich die Kaution in Höhe von 100000 Zloty (zirka 2400 Euro) verlor. Somit war das von vielen so ersehnte Geschäft wiederum auf einem toten Gleis. Vergangenen Monat bekam das Jugendstilmiethaus nun endlich mit Fortlofty seinen aktuellen Besitzer.

Die Geschichte des Hauses reicht bis in die Anfänge des vorigen Jahrhunderts zurück. Nach seiner Errichtung im Jahr 1905 diente es zunächst als Mietwohnhaus für wohlhabende Stadtbürger Allensteins, darunter Richard Fuchs, der große Gärtnereien um Allenstein betrieb, sowie der Regierungspräsident Wilhelm von Hegel, Urenkel des großen deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Nach Flucht und Vertreibung zog die kommunistische Polnische Arbeiterpartei ein. Dann übernahmen es verschiedene staatliche Unternehmen, später eine Mittelschule für Krankenschwester, bis es 1962 zum Sitz des Ermländischen Priesterseminars Hosianum wurde. Nach der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Hosianum außerhalb des Stadtkerns wurde das Gebäude an die aus Lodz stammende Versicherungsanstalt Westa-Life veräußert, die kurz da­rauf ganz unerwartet zahlungsunfähig und liquidiert wurde. Nach einer Warschauer Bank, die das Haus mit der Absicht kaufte, Büroflächen für den Eigenbedarf zu gewinnen, landete das Haus schließlich in den Händen des besagten Busunternehmens, bevor es nun hoffentlich im Besitz von Fortlofty einen zweiten Frühling erleben wird. Grzegorz Supady


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