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29.09.12 / Staatsverbrechen aufgegriffen / Thriller thematisiert ein hässliches Kapitel dänischer Geschichte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-12 vom 29. September 2012

Staatsverbrechen aufgegriffen
Thriller thematisiert ein hässliches Kapitel dänischer Geschichte

Zwangssterilisation in Dänemark? Es ist wieder harte Kost, die Jussi Adler-Olsen seinem Lesepublikum zumutet. Auf einem Empfang wird die kinderlose Arztfrau Nete Rosen als ehemalige Prostituierte beschuldigt, die aufgrund ihrer mangelnden Intelligenz und ihrer wilden Triebe in ihrer Jugend interniert und zwangssterilisiert wurde. Das löst einen Strudel von Gewalt aus, und Carl Morck und sein Team vom Sonderdezernat Q sind wieder in ihrem Element.

Auch wer die drei vorherigen Bände „Erbarmen“, „Schändung“ und „Erlösung“ nicht gelesen hat, kann der Geschichte problemlos folgen. Die Feinheiten in den Beziehungen zwischen Carl, seinen Mitarbeitern und seiner Familie weiß jedoch besonders der Leser zu schätzen, der die vorherigen Bände gelesen hat. Adler-Olsen gibt viele Andeutungen, die den Leser die zukünftigen Bücher mit Spannung erwarten lassen. In jedem Band sind die Charaktere von seinem Assistenten Assad und seiner Sekretärin Rose intensiver gezeichnet worden. Dabei geht es aber nicht nur um das Privatleben, sondern es wird wieder eine dramatische Handlung mit vielschichten Persönlichkeiten geboten. Es gelingt ihm wieder, eine Vielzahl von Erzählsträngen miteinander zu verweben und so immer einen hohen Spannungsbogen zu halten. Obwohl der „Böse“ von Anfang an bekannt ist, fiebert der Leser gespannt bis zur unerwarteten Auflösung mit. Einziger Kritikpunkt ist, dass die Frauen, trotz all des geschilderten Leids, das ihnen zugefügt wurde, in ihrer Persönlichkeit etwas farblos bleiben. Doch gerade in dieser Oberflächlichkeit spiegelt sich die Haltung der Gesellschaft, die die jungen Frauen, als sie Hilfe und Anerkennung suchten, nicht wahrgenommen und vorverurteilt hat.

Die Thematik der Geschichte geht unter die Haut, zumal sich die Internierung vermeintlich „lasterhafter“ Frauen und Zwangssterilisation nicht mit dem Bild vom demokratischen Staat Dänemark bis in die 60er Jahre verbinden lässt. Erschreckend ist auch, dass bis heute von staatlicher Seite keine Anerkennung von Unrecht oder Wiedergutmachung für die Frauen erfolgte.

Jussi-Adler Olsen ist mit „Verachtung“ als viertem Band der auf zehn Bände angelegten Serie die würdige Fortsetzung der Reihe um Carl Morck und sein Team gelungen. Er hält den Leser bis zum Schluss in atemloser Spannung. Man mag das Buch kaum aus der Hand legen und ist am Ende in froher Erwartung auf den nächsten Band, um zu erfahren, welcher neue bizarre Fall Carl Morck und sein Team beschäftigt. Britta Heitmann

Jussi Adler-Olsen: „Verachtung“, dtv-Verlag, München 2012, gebunden, 542 Seiten, 19,90 Euro


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