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20.10.12 / Geld im Überfluss / Fluglinien vom Arabischen Golf wollen Drehkreuze verlagern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-12 vom 20. Oktober 2012

Geld im Überfluss
Fluglinien vom Arabischen Golf wollen Drehkreuze verlagern

Unerwartete Wege geht die Fluggesellschaft Air Berlin unter ihrem neuen Mehrheitsaktionär, der arabischen Fluggesellschaft Ethihad. Auf Druck der staatlichen Fluggesellschaft aus Abu Dhabi, die inzwischen 29 Prozent der Anteile bei Air Berlin hält, wird Deutschlands zweitgrößte Fluglinie eine Kooperation mit dem niederländisch-französischen Konzern Air France/KLM eingehen. Die Araber können neben dem Streckennetz von Air Berlin nun auch auf die Verbindungen von Air France/KLM in Europa zurückgreifen, um von europäischen Flughäfen Zubringerflüge für eigene Verbindungen zum Golf zu organisieren. Start und Lande­rechte für rein innereuropäische Verbindungen werden bisher nur an europäische Fluggesellschaften vergeben.

Bestens geeignet, um trotzdem innerhalb Europas agieren zu können, sind angeschlagene Fluglinien wie Air Berlin, die als Stellvertreter fungieren. Allerdings birgt die Zusammenarbeit von Air Berlin und Air France/KLM einiges an Brisanz. Beide Fluggesellschaften gehören verschiedenen konkurrierenden Luftfahrtbündnissen an. Air France/KLM ist mit „Sky Team“ (Alitalia, Delta, Aeroflot) verbandelt, Air Berlin ist erst im März dem Bündnis „One Word“ (British Airways, Iberia) beigetreten. Branchenvertreter halten es nun sogar für möglich, dass Air Berlin auf Druck seines arabischen Großaktionärs das Bündnis wieder verlässt. Die Spekulation hat einen handfesten Hintergrund: Quatar Airways, ein erbitterter Konkurrent von Ethidad, wird „One World“ beitreten. Quasi durch die Hintertür würde sich Quatar Airways damit eine Kooperationsverpflichtung von Air Berlin sichern.

Die Schritte von Quatar Airways und Ethihad kommen nicht von ungefähr: Europas Luftfahrtbranche gilt als angeschlagen, Fluglinien vom Arabischen Golf nutzen nun die Situation, um in Europa ihre Positionen auszubauen. Mit gutem Recht kommt dabei von europäischen Fluglinien der Vorwurf ungleicher Chancen. Rentabilität spielt bei den Fluglinien vom Arabischen Golf bisher kaum eine Rolle, sie können sich auf die sprudelnden Öleinnahmen ihrer Heimatstaaten stützen. Das Geld, das bei den Fluglinien zugeschossen wird, gilt als Zukunftsinvestition für die Zeit nach dem Öl. Ziel ist es, die eigenen gigantischen Luftfahrtdrehkreuze, die am Golf aus dem Boden gestampft wurden, mit Passagieren aus Europa zu füttern. Auf interkontinentalen Langstreckenflügen soll künftig nicht mehr in London, Paris, Frankfurt oder Amsterdam umgestiegen werden, sondern in Doha, Abu Dhabi und Dubai.

Noch unklar ist, welchen Weg bei diesem Vorhaben die größte der drei Golf-Fluglinien, Emirates, gehen wird. Statt auf Kooperationen hat Emirates bisher auf eine eigene große Flugzeugflotte und zahlreiche Direktverbindungen nach Europa gesetzt. Die jüngsten Schachzüge der Konkurrenten Ethihad und Quatar Airways könnten für Emirates nun der Anlass sein, selbst einen Verbündeten in Europa zu suchen. Eine Fluglinie, die als potenzieller Kandidat dafür genannt wird, kommt selbst unter immer stärkeren wirtschaftlichen Druck: die deutsche Lufthansa. Norman Hanert


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