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20.10.12 / Aktenzeichen XY Leipzig

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-12 vom 20. Oktober 2012

Aktenzeichen XY Leipzig

Am 21. Juni 1821 erstach der Sohn eines Perückenmachers die Witwe Johanna Christiane Woost. Tatort war die Leipziger Sandgasse. Tatmotiv war Eifersucht. Und der Täter war Johann Christian Woyzeck. Der Dichter Georg Büchner machte den Fall in seinem Bühnenfragment „Woyzeck“ zum berühmten Kriminalfall. Diesem und 20 anderen spektakulären Verbrechen, welche die Leipziger im Lauf der Jahrhunderte in Atem gehalten haben, spürt die Ausstellung „Gangster, Gauner und Ganoven“ nach. Vom 17. Oktober bis 27. Januar 2013 sind im Stadtgeschichtlichen Museum, Böttcherstraße 3, die großen Leipziger Kriminalfälle vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart zu sehen. Krimifreunde dürften hier voll auf ihre Kos­ten kommen, werden doch originale Gerichtsakten und Dokumente erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Überhaupt gilt die Thomanerstadt seit dem Mittelalter als Zentrum der Rechtsprechung. Eine Tradition, die sich bis heute hält, da hier das Bundesverwaltungsgericht angesiedelt ist. Ein Pech für Woyzeck, dass es ein Berufungsgericht zu seiner Zeit nicht gab. In letzter Instanz wäre sonst wohl ein milderes Urteil ergangen. Denn trotz mehrerer Gutachten über seinen labilen Geisteszustand wurde er nach einem dreijährigen Prozess auf dem Marktplatz vor Tausenden Schaulustigen enthauptet. Es war die letzte öffentliche Hinrichtungen in Leipzig und eine der letzten in Deutschland überhaupt. Die letzten fanden vor einem Publikum 1864 in Marburg und im thüringischen Greiz statt. tws


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