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20.10.12 / Der letzte, entscheidende Sieg / Vor 250 Jahren hielten die Preußen bei Freiberg Sachsen und sicherten sich damit Schlesien

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-12 vom 20. Oktober 2012

Der letzte, entscheidende Sieg
Vor 250 Jahren hielten die Preußen bei Freiberg Sachsen und sicherten sich damit Schlesien

Durch den Sieg in der Schlacht bei Freiberg gelang es Friedrich dem Großen, das von ihm eroberte Faustpfand Sachsen zu halten und seine Gegner im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) zu desillusionieren. So kam es bereits wenige Monate später zum Frieden von Hubertusburg, in dem der Preußenkönig Sachsen räumte und dafür im Gegenzug Österreich auf Schlesien verzichtete. Schlacht- und damit indirekt auch kriegsentscheidend war dabei wohl der Fehler eines kaiserlichen Feldmarschall-Lieutenants.

Im Siebenjährigen Krieg kämpfte Preußen sowohl um den Besitz Schlesiens als auch um seine Existenz. Zu groß schien die Übermacht der Gegner: Österreich, Russland, Frankreich, Schweden und zahlreiche Reichsfürsten. Dann jedoch starb Zarin Elisabeth I. im Januar 1762, wo­raufhin Russland und Schweden binnen Kurzem aus der antipreußischen Phalanx ausscherten. Die hierdurch freiwerdenden militärischen Kapazitäten nutzte Friedrich II. für den Versuch, die österreichischen Truppen aus Sachsen und Schlesien zu verdrängen. Der Besitz Sachsens war für Preußen deshalb so wichtig, weil das Kurfürstentum ein hervorragendes Faustpfand für spätere Austauschverhandlungen darstellte. Allerdings wechselte das Schlachtenglück im Verlaufe des Jahres 1762 mehrmals, weshalb das vereinte kaiserliche und Reichsheer im Oktober immer noch in Sachsen stand – und auf die baldige Ankunft von Verstärkungen hoffen konnte. Letzterer Umstand wie­der­um bewog den zunächst noch zögerlichen preußischen Oberkommandierenden vor Ort, Friedrichs Bruder Heinrich, nicht mehr länger auf das Herannahen weiterer eigener Kontingente zu warten, sondern unverzüglich anzugreifen, obwohl der Feind über rund 10000 Soldaten mehr verfügte.

Die Österreicher und die Reichstruppen unter dem Kommando von Reichsgeneralfeldzeugmeister Prinz Christian Karl von Stollberg hatten sich derweil auf den Anhöhen vor Freiberg und im naheliegenden Spittelwald versammelt, mit dem Befehl des Wiener Hofes, „den Preußen ohne den geringsten Zeitverlust allen nur möglichen Abbruch zu thun“. Deshalb stießen Heinrichs Grenadiere sofort zu Schlachtbeginn am Morgen des 29. Oktober 1762 auf ungewöhnlich heftigen Widerstand, wodurch eine Patt-Situation entstand. Dann aber meldeten sich 300 preußische Freiwillige unter dem Kommando von Hauptmann Georg Dietrich von Pfuhl zu dem Himmelfahrtskommando, den Verhau vor den Verschanzungen Stollbergs beiseite zu räumen, um die nachfolgende Erstürmung zu erleichtern, was im dritten Anlauf schließlich auch gelang. Parallel zu diesem aufopferungsvollen Einsatz auf preußischer Seite, welcher von Pfuhl den „Pour le Mérite“ eintrug, beging der kaiserliche Feldmarschall-

Lieutenant Johann Friedrich Graf von Mayern einen kapitalen und letztlich wohl schlachtentscheidenden Fehler: Statt Fühlung mit dem Hauptheer zu halten, kommandierte er seine 6000 Mann ohne Not in Richtung des abseits liegenden Fleckens Brand ab, was Prinz Heinrich Gelegenheit gab, Mayerns Abteilung derart zu isolieren, dass sie in die weiteren Kämpfe nicht mehr eingreifen konnte. Dem folgte ein entschlossener preußischer Vorstoß unter der Führung des bewährten Kavalleriegenerals Friedrich Wilhelm Freiherr von Seydlitz-Kurzbach, der das Treffen nach nur zwei Stunden beendete. Stollberg gab sich geschlagen und trat den Rückzug Richtung Erzgebirge an.

Prinz Heinrich, der sonst eher behutsam agierte und versuchte, die ihm anvertrauten Truppen so weit als möglich zu schonen, hatte aufgrund des Einsatzes seiner Männer einen glänzenden Sieg errungen: Die Verluste des Gegners waren mit ungefähr 3000 Toten und Verwundeten doppelt so hoch wie die eigenen – dazu kam die Gefangennahme von 4400 feindlichen Soldaten, darunter der kaiserliche Generallieutenant Anton Franz Freiherr von Roth. Allerdings berichtet eine offizielle zeitgenössische Quelle davon, dass Heinrich der Erfolg bei Freiberg dadurch vergällt wurde, dass die „ausgearteten Krieger“ des herannahenden preußischen Verstärkungskorps von Generalleutnant Franz Karl Ludwig Graf von Wied zu Neuwied auf ihrem Zug nur „Blut und Verheerung“ hinterlassen hätten. Aber wie dem auch sei: Aus der Sicht Friedrichs II. konnte sein Bruder „den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, der österreichischen Hartnäckigkeit den letzten Stoß versetzt zu haben“. Und tatsächlich sollte die Schlacht von Freiberg das Finale des Siebenjährigen Krieges einläuten, da die Lage der antipreußischen Koalition nunmehr unhaltbar geworden war, was am 24. November 1762 zu einem Waffenstillstand zwischen Preußen und Österreich führte. Dieser wiederum erlaubte Fried­rich Druck auf die deutschen Reichsfürsten auszuüben und für 1763 neue große Feldzüge in Sachsen, Schlesien und anderswo zu planen. Da die österreichische Herrscherin Maria Theresia kein Interesse an einer Fortsetzung des Krieges mehr hatte, kam es bereits am 15. Februar 1763 zum Abschluss des Friedens von Hubertusburg, der Preußen den ersehnten status quo ante bellum, den Zustand vor dem Krieg garantierte – nicht zuletzt eben durch den Einsatz des Tauschobjektes Sachsen. Wolfgang Kaufmann


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