21.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
03.11.12 / Westalliierte eröffnen die zweite Front / Mit der Landung in Französisch-Nordafrika erfolgte vor 70 Jahren die von Josef Stalin geforderte Entlastung

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 44-12 vom 03. November 2012

Westalliierte eröffnen die zweite Front
Mit der Landung in Französisch-Nordafrika erfolgte vor 70 Jahren die von Josef Stalin geforderte Entlastung

Vor 70 Jahren besetzten britische und US-amerikanische Truppen Marokko und Algerien und eröffneten kurz darauf eine zweite Front im Rücken der deutsch-italienischen Panzerarmee. Ebenso drangen gaullistischen Truppen von Süden her in Libyen ein, wodurch die Einkreisung der Streitkräfte der Achsenmächte in Nordafrika vollendet wurde.

Am 21. Juni 1942 landete Mussolini in Tripolis – im Gepäck das Schwert des Islam und einen Schimmel, um für den triumphalen Einzug in Kairo gerüstet zu sein, denn es galt als sicher, dass die deutsch-italienische Panzerarmee unter Generalfeldmarschall Erwin Rommel die ägyptische Hauptstadt zum Monatsende erreichen würde. Doch vier Monate später stand die Panzerarmee Afrika immer noch bei El Alamein, 100 Kilometer westlich von Alexandria. Zudem starteten die Briten am 23. Ok­tober eine Gegenoffensive, die „Operation Lightfoot“, welche die Lage in Nordafrika dramatisch veränderte: Bis zum Abend des 7. November musste Rommel seine Truppen um 1000 Kilometer zurück­nehmen, wobei der Bestand an einsatzbereiten Kampfwagen auf 38 fiel. Ursache für dieses Fiasko war zum einen die italienische Unfähigkeit, im vereinbarten Maße Nachschub heranzuführen, zum anderen kannte der britische Geheimdienst alle Schachzüge des „Wüstenfuchses“ im Voraus, weil er den Enigma-Code ge­knackt hatte.

Am 8. November 1942 um vier Uhr morgens erfolgte der nächste Schlag: Auf das Signal „Play ball“ hin begann die britisch-US-amerikanische Landung in Marokko und Algerien, die „Operation Torch“. Unter dem Oberbefehl des Dreisternegenerals und späteren US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower brachten die Alliierten insgesamt 106000 Mann an Land, wobei 327 Schiffe zum Einsatz kamen. Die Western Task Force, die von Generalmajor George S. Patton kommandiert wurde, marschierte auf Casablanca zu, während die Center Task Force unter Generalmajor Lloyd Fredendall die Einnahme Orans anstrebte. Im Raum Algier wiederum operierte die Eastern Task Force von Generalleutnant Kenneth Anderson.

Da Französisch-Nordafrika zum neutralen Französischen Staat, besser bekannt als Vichy-Frankreich, gehörte, protestierte dessen Staatschef Marschall Henri Philippe Pétain gegen das Landungsunternehmen und gab den Befehl zur Gegenwehr. Ernsthaften Widerstand leistete aber nur die französische Marine. Eingedenk der britischen „Operation Catapult“, in deren Verlauf im Juli 1940 die französische Mittelmeerflotte in Mers-el-Kébir ohne vorhergehende Kriegserklärung zusammengeschossen worden war, damit sie nicht in deutsche Hände geriet, organisierten die Vizeadmirale André Rioult und François Michelier in Oran beziehungsweise Casablanca durchaus effektive Schläge gegen die Okkupationstruppen, die 479 Tote und 720 Verwundete auf Seiten der Alliierten forderten, während die Widerstand leistenden Franzosen 803 Tote und etwa 1000 Verwundete zu verzeichnen hatten. Zwei Tage später freilich stimmte der französische Oberkommandierende, Admiral François Darlan, nach Erhalt eines Geheimtelegramms von Pétain und angesichts eines Putsches der örtlichen Résistance einem allgemeinen Waffenstillstand zu, wonach er sich mit Einverständnis Churchills und Roosevelts zum „Hochkommissar des Französischen Nordafrika“ ausrufen durfte. Als solcher fungierte er jedoch nur bis zum 24. Dezember 1942, dann töteten ihn die Kugeln des den Gaullisten nahestehenden Attentäters Fernand Bonnier de la Chapelle.

Aber zurück zum Beginn der „Operation Torch“. Um Rommel den Rücken zu decken, war es dringend notwendig, in Tunesien einen deutschen Brückenkopf zu errichten. Deshalb setzte nachfolgend ein regelrechter „Wettlauf nach Tunis“ ein. Und diesen gewann die deutsche Seite. Während die US-Amerikaner zunächst noch in Bougie und Bône im Osten Algeriens landeten, besetzten deutsche Fallschirmjäger bereits am 9. November die Flugplätze von Tunis und Bizerta, wonach weitere Truppen eingeflogen werden konnten. Erleichtert wurde dieses Unterfangen durch die abwartende Haltung der 25000 Mann umfassenden Streitkräfte des Französischen Staates in Tunesien unter General Georges Barré.

Nahezu zeitgleich mit diesen Ereignissen, aber weitgehend unbemerkt, eröffneten weitere französische Einheiten, die nicht Darlan, sondern dem Chef der Freien Französischen Streitkräfte, Charles de Gaulle, unterstanden, eine dritte Front im Herzen der Sahara. De Gaulle, der von Roosevelt und Churchill trotz bestehender Kooperationsverträge von der „Operation Torch“ ausgeschlossen worden war, gab zwei im Tschad stehenden Einheiten sowie der Fliegergruppe „Bretagne“ den Befehl zum Einfall in Libyen. Und tatsächlich konnte Brigadegeneral Jacques-Philippe Leclerc über das Tibesti-Gebirge nach Norden vorstoßen und nachfolgend das gesamte italienische Stützpunktnetz bis zum Mittelmeer hinauf aufrollen, was de Gaulle die Möglichkeit gab, ebenfalls in Nordafrika Fuß zu fassen. Wolfgang Kaufmann


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabobestellen Registrieren