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03.11.12 / »... so läuft die ganze Reichsarmee ...« / Bei Roßbach demoralisierten die Preußen die deutschen und französischen Verbündeten Maria Theresias

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 44-12 vom 03. November 2012

»... so läuft die ganze Reichsarmee ...«
Bei Roßbach demoralisierten die Preußen die deutschen und französischen Verbündeten Maria Theresias

Der Sieg der von Friedrich dem Großen geführten Preußen über die Franzosen und die Reichsarmee vor 255 Jahren in der Schlacht von Roßbach hatte größere politische als militärische Folgen. Während der Nimbus des Königs an Strahlkraft gewann, wurden die französischen und deutschen Verbündeten Österreichs und Russlands derart demoralisiert, dass sich Friedrich im weiteren Verlauf des Siebenjährigen Krieges weitgehend auf die Bekämpfung der beiden Ostmächte konzentrieren konnte.

Die Niederlage der Franzosen erweckte – zumindest im protestantischeren Norden − Keime eines Nationalbewusstseins, das sich nicht auf die deutschen Lande beschränkte. Bald kursierte der Spottvers: „Und kommt der große Friederich und klopft nur auf die Hosen, so läuft die ganze Reichsarmee noch mehr als die Franzosen.“ Auch in England und Nordamerika wuchs das Ansehen Friedrichs sprunghaft. In Paris äußerten die Intellektuellen ihre Sympathien für Fried-rich, wobei sich besonders Voltaire mit der Abfassung von Lobgedichten hervortat. Einige Persönlichkeiten traten sogar für die Beendigung des Krieges ein. Auch in anderen Teilen Europas huldigte man dem Preußenkönig. Aber noch war der Feldzug nicht entschieden, denn Österreich und Russland hatten auch ohne kriegsentscheidende Unterstützung aus Frankreich und dem Reich noch das Potenzial, Preußens existenziell zu bedrohen.

In der Schlacht bei Roßbach in der Nähe von Reichardtswerben im Kurfürstentum Sachsen standen sich am 5. November 1757 rund 22000 von ihrem König selber geführten Preußen etwa 42000 Franzosen und Angehörige der Reichsarmee gegenüber. Noch am Vortag hatten Friedrichs Gegner ob dieser zahlenmäßigen Übermacht die Zuversicht, an jenem 5. November, die Preußen von Süden her umfassen zu können. Doch der König deutete die Absicht des Gegners richtig und marschierte kurz nach Mittag nach Osten ab. Dieser Abmarsch wurde durch zwei Hügel, die zwischen beiden Armeen lagen, verschleiert, so dass der Befehlshaber der von den Franzosen verstärkten Reichsarmee, der österreichische Feldmarschall Prinz Josef von Sachsen-Hildburghausen, glaubte, die Preußen hätten den Rückzug angetreten. Doch Friedrich ließ inzwischen eine Batterie mit 16 schweren Geschützen auf einem dieser Hügel auffahren, und als die Reichsarmee gegen 15 Uhr schwerfällig heranmarschierte, eröffneten die Geschütze ein vernichtendes Feuer. Hildburghausen entsandte 33 Schwadronen seiner deutschen Kavallerie, um den Hügel zu umgehen und den vermeintlichen Rückzug der preußischen Armee von Süden her zu stören, während seine Infanterie in vier Kolonnen langsam nachrückte. Er plante, den Gegner nach einem Nordostschwenk anzugreifen.

Hildburghausen hatte es jedoch verabsäumt, Späher zu entsenden, um Gewissheit über die Bewegung der preußischen Armee zu erlangen. So wusste er nicht, dass der König seine Truppen bereits hinter dem Höhenrücken in Schlachtordnung aufgestellt hatte. Als sich die Kavallerie der Reichsarmee dem östlich gelegenen Hügel näherte, wurde sie von 38 Schwadronen unter Generalmajor Friedrich Wilhelm von Seydlitz, die aus der Deckung des Hügels heransprengten, angegriffen und zurückgeschlagen. Noch bevor sich der Gegner von der Überraschung erholt hatte, marschierte die preußische Infanterie auf einer Breite von 2000 Metern heran und schwenkte genau in die Marschrichtung der Verbündeten ein.

Die zurückflutende Reiterei der Reichsarmee richtete Verwirrung in den eigenen Reihen an. Einige Bataillone wandten sich zur Flucht, während andere Truppenteile versuchten, die Gefechtsordnung herzustellen. Nur sechs französische Regimenter konnten in Linie aufmarschieren und zum Bajonett­angriff antreten, der jedoch bald im Artillerie- und Infanteriefeuer zusammenbrach.

Inzwischen hatte Seydlitz seine 5000 Kürassiere und Dragoner neu geordnet und setzte zum Stoß in die rechte Flanke der Verbündeten an. Er führte persönlich die Attacke, die den Gegner überrannte und die Schlacht entschied. Die Masse der Franzosen und Reichstruppen wurde von Panik erfasst. Die Preußen hieben ohne Rücksicht auf die Fliehenden ein, die ziemlich schwere Verluste erlitten. Der Rückzugsweg war von weggeworfenen Waffen und Ausrüstungsstücken übersät. Während die Preußen nur 550 Mann verloren, büßte der Gegner über 10000 Mann ein, von denen der größere Teil auf die Franzosen entfiel. Unter ihnen befanden sich 5000 Gefangene. Seydlitz wurde zum Generalleutnant befördert und galt fortan als bester Reiterführer im preußischen Lager. Heinz Magenheimer


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