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03.11.12 / Mit preußischer Perfektion / Wie Friedrich der Große es in Theorie und Praxis mit der Spionage hielt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 44-12 vom 03. November 2012

Mit preußischer Perfektion
Wie Friedrich der Große es in Theorie und Praxis mit der Spionage hielt

In seiner auf persönlichen Erfahrungen beruhenden, geheimen militärischen Schrift „Die Generalprinzipien des Krieges und ihre Anwendung auf die Taktik und Disziplin der preußischen Truppen“ aus dem Jahre 1748 widmet Friedrich der Große ein ganzes Kapitel dem Thema „Spione und ihre Anwendung und wie man sich Nachrichten vom Feinde verschafft“. Der Preußenkönig hielt gemäß dieser seinen Generalen zur Belehrung dienenden Schrift nicht viel von den Angaben von Zivilisten und feindlichen Überläufern. Die ersten seien zu aufgeregt und besäßen zu wenig militärisches Augenmaß, um als Spione durch Beobachtung feindlicher Truppenbewegungen Nutzen zu bringen, während die Informationen von Überläufern über Nachrichten auf Kompanie- beziehungsweise Regimentsebene kaum hinausgingen. Nützlicher sei es daher, erkannte feindliche Spione vor Ort nicht etwa zu verhaften, sondern ihnen falsche Nachrichten unterzuschieben.

So habe man einen Italiener, der im schlesischen Schmiedeberg als österreichischer Spion gesessen habe, genarrt. Man habe ihm während des Zweiten Schlesischen Krieges weißgemacht, dass die Preußen sich beim Antritt der Österreicher auf Breslau zurück-ziehen würden, und er habe diese Falschinformation brav an die Österreicher übermittelt.

Auch könne man im äußersten Notfalle einen örtlichen wohlhabenden Bürger durch Geiselnahme seiner Angehörigen bewegen, unter irgendeinem Vorwand das feindliche Feldlager aufzusuchen. Diesem Bürger gebe man dann als dessen Kutscher einen zuverlässigen eigenen Soldaten als Beobachter bei. Für dessen Sicherheit hafte der betreffende Bürger mit dem Leben seiner als Geiseln zurückgelassenen Angehörigen. Zwar sei dies hart und grausam, doch habe es der König im Lager von Chlum selbst erfolgreich so gehalten.

Noch besser sei es freilich, einen erprobten eigenen Soldaten als angeblichen Überläufer ins feindliche Lager zu schicken, der sich dort genau umsehen und bei günstiger Gelegenheit zurückkehren solle. Besitze man jedoch bereits Spione im feindlichen Lager, so möge man sie freigiebig, ja verschwenderisch bezahlen, denn „Ein Mensch, der den Strick wagt, um Euch zu dienen, verdient schon, dafür belohnt zu werden.“

Einen glücklichen Quellenfund zum politischen Nachrichtendienst des preußischen Königs in den Monaten März/April 1747 machte Ende 1924 Johannes Richter, als er auf Schloss Prebberede nahe Rostock den dort im Verborgenen lagernden Briefwechsel Friedrichs mit seinem persönlichen Vertrauten und Kämmerer Michael Gabriel Fredersdorf (1708–1758) wissenschaftlich auswerten durfte. Fredersdorf genoss nicht nur das ungeteilte persönliche Vertrauen des Königs und verwaltete dessen private Finanzen, er organisierte auch im Auftrag Friedrichs die Spionage.

Aus den Briefen ging hervor, dass es Fredersdorf seinerzeit gelungen war, einen Beamten der österreichischen Gesandtschaft in Berlin als Spion zu gewinnen. Dieser verschaffte Preußen gegen eine gute Entlohnung in Höhe von 3000 Talern die persönliche Chiffre des österreichischen Gesandten General Graf Bernes. Den mitgelesenen Briefen konnte man nun wertvolle politische Nachrichten vom Wiener und Dresdener Hof, aber auch über eine zwischen Russland und Dänemark abzuschließende Allianz entnehmen.

Nicht unwichtig war für König Friedrich natürlich auch zu wissen, dass die wichtigste Informationsquelle der österreichischen Gesandtschaft der dänische Legationssekretär Schneider war. Keiner der preußischen Beamten in Berlin ließ sich nämlich zum Kummer der österreichischen Gesandtschaft als Spion gewinnen. Es ist also völlig verständlich, wenn

Friedrich der Große am 30. April 1747 seinem Kämmerer Fredersdorf die Weisung erteilte: „Es ist mir viel daran gelegen, daß wihr unseren Menschen Conservieren.“ Trotz der bekannten preußischen Sparsamkeit bezahlte er seine Informanten stets sehr gut und hielt strengste Diskretion bezüglich deren Person.

Leider vermittelt der Briefwechsel nur für kurze zwei Monate einen Blick hinter die Kulissen des preußischen Spionagewesens. Doch blieb Friedrich auch zukünftig über die politischen Vorgänge bei seinen Nachbarn und Feinden wohlinformiert. Erinnert sei hier an den von seinem Gesandten in Dresden mit hohen Summen bestochenen sächsischen Hofkanzlisten Friedrich Wilhelm Menzel (1726–1796), durch den der König ab Juni 1756 umfassend sowohl Warnungen wie auch die Abschriften der gegen Preußen gerichteten Verträge zwischen Österreich, Russland, Frankreich und Sachsen erhielt. Wenige Monate später, am 29. August kam der so Gewarnte seinen Gegnern mit einem Präventivschlag zuvor. Dies war der Beginn des Dritten und letzten Schlesischen Krieges. Jürgen W. Schmidt


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