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03.11.12 / Die Vorfreude hilft über den Schmerz hinweg / Jugendbegegnung in Ostpreußen zwischen Deutschen und Russen aus dem Rayon Lasdehnen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 44-12 vom 03. November 2012

Die Vorfreude hilft über den Schmerz hinweg
Jugendbegegnung in Ostpreußen zwischen Deutschen und Russen aus dem Rayon Lasdehnen

Sieben Jugendliche aus Bonn, Bielefeld, Rendsburg und Otterndor, Kreis Cuxhaven machten sich in Begleitung ihres Betreuers Erwin Brindöpke auf den Weg nach Ostpreußen, um dort gemeinsam mit russischen Jugendlichen aus dem Rayon Lasdehnen [Krasnoznamensk] Kultur und Spaß zu erleben. Organisiert wurde die Fahrt durch die Kreisgemeinschaften Schloßberg und Ebenrode, den an Hamburg angrenzenden niedersächsischen Landkreis Harburg sowie die russische Administration von Lasdehnen. Für einige der Acht war es ein Wiedersehen, denn dieser Jugendbegegnung waren in der Vergangenheit einige vorausgegangen. Es waren aber auch neue Gesichter dabei, mit denen ganz schnell Freundschaften geknüpft wurden. Es war eine Fahrt, in der man Geschichte erleben und sogar anfassen konnte und zugleich eine andere Kultur kennenlernte. Die russischen Jugendlichen lernten deutsche Bräuche und die deutschen Jugendlichen russische Bräuche kennen. Möglich war eine Kommunikation mit Händen und Füßen. Und wo nicht, halfen die beiden mitgereisten Mädchen aus Otterndorf, die perfekt russisch sprechen, und die deutsch sprechende russische Betreuerin Margarita, Sprachschwierigkeiten zu überwinden.

Auf dem Dorffest in Schloßberg [Dobrowolsk] lernten die Acht schon am ersten Tag russische Küche und Kultur sowie den russischen Alltag kennen. Auf dem Fest gab es Unterhaltung und Geschichte bei Speis und Trank. Der Besuch des Soldatenfriedhofes in Schloßberg, auf dem deutsche und russische Soldaten des Ersten Weltkrieges sowie deutsche Soldaten und Zivilopfer des Zweiten Weltkrieges ruhen, ließ die jungen Teilnehmer Anteil nehmen an dem Schick­sal unzähliger Soldaten beider Nationen.

Geschichte zum Anfassen wurde in den vielen kleinen Museen in Lasdehnen, Schloßberg, Breitenstein und Trappen geboten. Sie zeigen Exponate aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, den Kriegsjahren und der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart.

Die Nachfahren des berühmten Trakehner Zuchtpferdes Pythagoras konnten die Jugendlichen im Pferdegestüt Georgenburg bestaunen, das heute noch internationale Turniere veranstaltet. Aber auch die nun zerfallenden Gebäude des ehemaligen Trakehnergestüts in Trakehnen bekamen sie zu sehen. Eine wahrhafte Zeitreise machten sie dank einer wirklich tollen Stadtführung in Tilsit und Gumbinnen. Ein Höhepunkt waren sicherlich die große Elchstatue und die Königin-Luise-Brücke. In Tilsit besuchten sie auch das moderne Sportzentrum, in dem sie bowlten und sich anschließend im Schwimmbad abkühlten.

Das Schönste an der Fahrt war jedoch die Gruppendynamik. Gleich von Anfang an war klar, dass sich die Jugendlichen schnell zusammenfinden und enge Freundschaften knüpfen würden. Ausgelassen wurde an den gemütlichen Abenden plachandert, getanzt und gelacht. Besondere Hervorhebung verdient in diesem Zusammenhang ein Nachmittag, den die Jugendlichen bei strahlendem Sonnenschein in der Natur verlebte. Man grillte gemeinsam und verspeiste russische Spezialitäten. Die russischen Jungs brachten den deutschen das Angeln bei. Und alle hatten miteinander viel Spaß. Doch alles Schöne hat ja bekanntlich ein Ende.

Der letzte Tag begann mit einem Besuch des schönen Badeorts Rauschen und dessen Besichtigung. Leider regnete es, doch der ein oder andere wagte dann doch den Sprung in die Ostsee. Von dort aus ging es dann nach Königsberg. Dort hieß es dann Abschied nehmen. Mit Tränen in den Augen wurden noch schnell E-Mail-Adressen ausgetauscht, damit man in Kontakt bleiben kann, und man versprach sich gegenseitig, sich nächstes Jahr in der Bundesrepublik Deutschland wiederzusehen. Dann hieß es: „Auf Wiedersehen – do swidanja – goodbye and see you next year.“

„Schade, dass es nur eine Woche war. Dann geht es doch erst richtig los“, klagte eine der Acht. Doch die Hoffnung und Freude, die russischen Freunde im nächsten Jahr wiederzusehen, ist riesig groß. Karsten Stehr


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