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10.11.12 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45-12 vom 10. November 2012

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Lachen und knistern / Was deutsche Medien witzig finden, wie sich der Staat um die »Zwickauer« gekümmert hat, und warum Obama einfach besser ist

Sackhüpfen, komische Hüte aufsetzen und einen Mann namens „Atze“ im rosa Samt-Overall bestaunen. So geht Humor beim ZDF. US-Schauspieler Tom Hanks, der eigentlich nur die Deutschland-Premiere seines neuen Films bewerben sollte, war bei „Wetten, dass ...?“ mitten hineingeraten ins Inferno öffentlich-rechtlicher Lustigkeit. Leider konnte der Ami über den Zinnober überhaupt nicht lachen und beschwerte sich anschließend bitterlich.

Es ist schon eine Plage mit dem deutschen Medienhumor. Dort lacht man über Sachen, die der Rest der Welt nur peinlich findet. Dafür kringelt sich die Welt über Zoten, welche man in den deutschen Medien todernst nimmt.

Zum Beispiel das hier: Treffen sich ein paar jugendliche Extremisten und beschließen, den Inlandsgeheimdienst eines 80-Millionen-Staates zu unterwandern und zu ihrem Instrument zu machen.

Darüber würde sich Tom Hanks vermutlich kaputtlachen. Und mit ihm die ganze restliche Welt. So ein Quatsch: Die paar Blödel wollen einen Geheimdienst mit Tausenden professionellen Mitarbeitern und Sicherheitskontrollen und was nicht allem hochnehmen! Was für ein Kalauer!

Nicht für die deutschen Medien. Die sind tatsächlich überzeugt davon, dass es einem Häuflein mehr oder minder begabter Neonazis gelungen ist, den „Verfassungsschutz zu unterwandern“ und ihn „auf dem rechten Auge blind“ zu machen.

Allerdings, ob die das wirklich glauben? Oder lügen die uns etwa an? Ist doch ganz egal: Wenn man sich seine eigenen Lügen nur oft genug selbst erzählt, fängt man an, sie irgendwann selber zu glauben.

Das Wichtigste an einer Lüge ist ihr Gebrauchswert. Lügen ist anstrengend und die Mühen wollen belohnt sein. Hier geht es um den Kampf gegen Rechts. Wo käme der denn hin, wenn alle erkennten, dass Neonazis und Gegen-Rechts-Kämpfer zwei Abteilungen von ein und derselben staatlichen Schauspieltruppe sind? Die Kämpfer werden jährlich mit Millionen für Aktionen, „Forschungsaufträge“ und ein Heer von Planstellen staatlich bezuschusst. Damit die Deutschen ihr Geld dort gut angelegt finden, schickt ihnen der Verfassungsschutz die eigenen Agenten entgegen, die den Nazi machen. Um das „Zwickauer Trio“ hat es nach Informationen des neuesten „Spiegel“ nur so gewimmelt von Staats-Nazis.

Neben der Arbeitsbeschaffung in der Antifa-Industrie und beim Verfassungsschutz erfüllen die Nazis noch einen weiteren wichtigen Zweck: Mit dem braunen Menetekel an der Wand können die Regierenden allerhand Dinge durchsetzen, gegen die sich sonst Widerstand regen könnte. So wird derzeit das Fernmeldegeheimnis massiv eingeschränkt, damit der Staat jederzeit unbemerkten Zugriff auf alle Daten von Internet-Nutzern bekommt. Anbieter von Netzverbindungen (Provider) mit mehr als 100000 Kunden sollen den Geheimdiensten, der Bundespolizei, dem Zoll etc. eine „Schnittstelle“ einrichten, von der aus alles und jeder unerkannt überwacht werden kann.

Parallel dazu entwickelt die Bundesregierung zusammen mit europäischen Partnern ein Filtersystem, mit dem „gewalttätige oder befürwortende Formen des Terrorismus und Extremismus“ im Netz gesperrt werden können. Das Gesetz zum System ist laut Kritikern so dehnbar, damit die „Dienste“ nach Gusto zensieren könnten.

Und wozu benötigen wir dabei die „Nazis“? Ganz einfach: Wer gegen die Massenüberwachung protestiert, der muss sich fragen lassen, ob er die „braune Terrorgefahr verharmlosen“ wolle oder „auf dem rechten Auge blind“ sei. Nach den geltenden Regeln ist man schon verdächtig, wenn einem diese Frage nur gestellt wird. Denn darin lauert bereits die Unterstellung: Sie sympathisieren heimlich mit den Schurken.

Ogottogott, den Schuh will sich natürlich niemand anziehen, also schweigen wir lieber stille zu den finsteren neuen Überwachungsinstrumenten. Auf diese Weise leisten die Staats-Nazis einen wichtigen konstruktiven Beitrag zur Festigung der Wehrhaftigkeit unseres Staates.

Außerdem funktionieren die braunen Jungs wie eine Art Evergreen, den man immer dann auflegt, wenn es gilt, andere Geräusche zu übertönen. Etwa das Knistern der im Euro-Debakel verbrennenden Steuermilliarden. Wer will noch über Geld reden, wenn die „braune Pest“ schon wieder zugeschlagen hat! Dann stehen wir auf der Straße, zeigen unsere Wut und sind auf einmal wieder ganz einig mit unseren Politikern im Kampf gegen Rechts. Knistern? Welches Knistern?

Beim Fernmeldegesetz half überdies der Himmel mit beim Ablenken. Die Meldung rutschte ganz leise durch, als uns allen gerade die Ohren dröhnten von „Sandy“, dem US-Wahlkampfsturm, den natürlich keiner der Kontrahenten für Wahlkampfzwecke ausgenutzt hat.

Wenn es nach den Deutschen gegangen wäre, hätten sich die Amis den aufreibenden und teuren Kampf ums Weiße Haus ohnehin sparen können. Nach einer Umfrage waren hierzulande mehr als 90 Prozent für Obama und nur kaum messbare drei Prozent für Romney. Warum Obama? Das wussten die Allermeisten nicht zu sagen, „nur so ein Gefühl“.

Und woher kommt das? Nun, alles, was die Deutschen über die beiden US-Politiker und ihre Parteien „wissen“, haben sie von den großen deutschen Medien serviert bekommen. So also sähe die Meinungsbildung in Deutschland aus, wenn wir ohne eigene Anschauung der Wirklichkeit nur nach dem gehen müssten, was uns aus Sendern und Blättern so entgegen flattert.

Das Ulkige war, dass auch die allermeisten deutschen „Bericht­erstatter“ kaum gravierende inhaltliche Gegensätze zwischen Obama und Romney herausarbeiten konnten oder wollten. Aber Obama war halt „irgendwas mit links“ und Romney „irgendwas mit rechts“ und das reichte, um zu wissen, wer gut und wer böse ist. Daher konnten wir von den deutschen Korrespondenten hören, wie „Obama seine Anhänger mitreißt“, während Romney bei den Seinen „Emotionen schürt“. Sachlich haben beide das Gleiche gemacht, Wahlkampf eben. Nur „mitreißen“ klingt eben unwiderstehlich sympathisch, während „Emotionen schüren“ nach Aufhetzen riecht. Schon ist es fertig, das gewünschte „Gefühl“.

Nächstes Jahr sind wir endlich selber dran mit Wählen. Nur dass wir das hier viel billiger hinkriegen. Etliche Milliarden Dollar hat er beide Seiten gekostet, der US-Wahlmarathon. Wer will sich da noch über die popeligen zwei Milliönchen aufregen, die Peer Steinbrück bei seinem Rede-Zirkus eingesackt hat.

Na ja, in Bochum, einer der ärmsten Städte Deutschlands, wo jede Schlaglochpiste und jeder Wasserfleck an der Decke des Klassenzimmers mit der „angespannten Haushaltslage der öffentlichen Kassen“ entschuldigt wird, reibt man sich schon die Augen, welch pompöse Honorare die Stadtwerke für Plauderstündchen ausgeben.

Nicht nur Steinbrück, auch Joschka Fischer und Joachim Gauck (vor seiner Präsidentschaft) haben je 25000 Euro erhalten für ein wenig Gelaber. Fischer schwadronierte unter dem Motto „Mensch sein“ über dies und das aus Privatleben und Politik. Ob das wohl auch jene Bochumer interessiert hat, die von dem Honorarsatz von 25000 Euro zweieinhalb Jahre leben müssen?

Die Bayern interessieren sich jedenfalls brennend für solche Geschichten wie die aus Bochum. Sie finanzieren über den Finanzausgleich Ländern, auch NRW, ohnehin schon den kostenlosen Kindergartenbesuch oder das Umsonst-Studieren und sind an Investitionsruinen wie am Nürburgring ebenso beteiligt wie am Management-Desaster Berliner Flughafen. Das Rednerfüllhorn im bettelarmen Bochum dürfte am Fuß der Alpen weitere „Emotionen schüren“. Dafür braucht’s gar keinen Romney.


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