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08.12.12 / Wie geht es weiter? / Vier Jahrzehnte nach dem letzten bemannten Mondflug

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-12 vom 08. Dezember 2012

Wie geht es weiter?
Vier Jahrzehnte nach dem letzten bemannten Mondflug

Vor 40 Jahren fand mit Apollo 17 der elfte bemannte Flug des Apollo-Programms statt. Die Apollo-17-Mission vom 7. bis zum 11. Dezember 1972 war nicht nur der bislang letzte bemannte Mondflug, sondern auch der der erste mit einem Wissenschaftsastronauten an Bord. Mit dem Ende der Apolloflüge war die bemannte Raumfahrt nicht am Ende. Aber die immensen Kosten, rund 500 Millionen US-Dollar pro Flug, hatten gezeigt, wo die Grenzen lagen. Fortan konzentrierten sich die Aktivitäten auf den erdnahen Weltraum.

Der Verlierer des Wettlaufs nach dem Mond und Gegner der USA im Kalten Krieg, die zweite Supermacht Sowjetunion, hatte zwar auch ein Mondprogramm verfolgt und sogar eine Landefähre im All erprobt. Aber der unerwartete Tod Sergej Koroljows, des maßgeblichen Kopfs der sowjetischen Raumfahrt, und der Fehlschlag der von ihm entwickelten Mondrakete N-1 hatte die Sowjets ins Hintertreffen gebracht. Also folgten die Verantwortlichen dem US-amerikanischen Beispiel. Beide Supermächte kooperierten bei gemeinsamen Missionen und schickten bemannte Raumstationen hinauf.

Seit Anfang dieses Jahrhunderts haben die USA, Russland, China, Europa und auch Japan und Malaysia bemannte Mondflüge angekündigt. 2004 erklärte der damalige US-Präsident George W. Bush, im Rahmen des „Constellation“-Programmes vier Astronauten zum Mond zu schicken. Sie sollten 2018 auf dem Erdtrabanten landen. 2006 folgte dann die Ankündigung einer permanent bemannten Mondstation. Allerdings blieb dieses 104 Milliarden Dollar schwere Programm ebenso Makulatur wie die Marsflüge. Schon die Regierung Bush stellte nie das benötigte Geld bereit, und Präsident Obama legte alles im Februar 2010 endgültig zu den Akten. 2011 ließ er eine Variante wieder aufleben, aber nur mit bemannten Flügen zur ISS und zu erdnahen Asteroiden. Die neue große Trägerrakete soll nun 2017 starten. Ob die USA in der gegenwärtigen Finanzlage wirklich ihre bemannte Raumfahrt wieder aufnehmen werden, bleibt abzuwarten.

Nicht weniger ehrgeizig sind Russlands Pläne, ab 2028 eine ständige bemannte Mondstation zu betreiben. Hinzu kommen eine eigene Raumstation und ein Nachfolger für die Sojus-Schiffe. Sonden und Robotfahrzeuge sollen vor einer erneuten Landung den Mond erkunden.

China hat sich mit der erfolgreichen Landung einer Sonde 2007 bereits in den Kreis der Mondmächte eingereiht. 2024 könnten dann chinesische Taikonauten landen. Japan will mit einem eigenen Mondprogramm und einer Forschungsstation um 2030 gleichziehen, und sogar Malaysia möchte 2020 einen Astronauten zum Mond entsenden.

Europa mag nicht zurückstehen und verfolgt im „Aurora“-Programm das Vorhaben, bis 2024 Astronauten zum Mond zu schicken. Hierzu müsste eine komplette Familie von Raumfahrzeugen, Landefähren und Trägerraketen gebaut werden. Machbar wäre aber auch, die Ariane 5 und den Raumtransporter ATV weiter zu entwickeln. Die Studien sind mittlerweile abgeschlossen, aber eine konkrete Entscheidung zum Programmstart gibt es nicht.

So werden möglicherweise Chinesen oder die Mannschaft eines kommerziellen Schiffs die nächsten sein, die auf dem Mond landen. Den USA fehlt das Geld, die russische Industrie ist veraltet, und die Europäer zuckten, wie früher schon beim Raumgleiter „Hermes“ oder einer eigenen Raumstation, zurück, wenn es darum ging, viel eigenes Geld auszugeben. Wer immer also ein Mondschiff losschickt, kann mit zahlenden Kunden von der ESA rechnen. Friedrich List


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