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08.12.12 / Mit Vollgas zurück / Preisgekrönte Filmreise nach Ostpreußen erreicht die Herzen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-12 vom 08. Dezember 2012

Mit Vollgas zurück
Preisgekrönte Filmreise nach Ostpreußen erreicht die Herzen

B ald werden die ersten Tannenbäume geschmückt. Und unter dem Weih­nachtsbaum einer Berliner Familie beginnt auch der Film „Wintertochter“, der in diesem Jahr mit dem Deutschen Filmpreis in der Sparte Kinderfilm ausgezeichnet wurde. Völlig zu Recht: Denn der Film verfügt über einen Tiefgang, wie man ihn selten findet. Zugleich gelingt es ihm aber, eine anspruchsvolle Geschichte lo­cker-leicht zu erzählen.

So erfährt die zwölfjährige Katharina, genannt Kattaka, dass der unbekannte Anrufer, der ihrer Mutter gerade frohe Weihnachten wünscht, ihr wahrer Vater ist. Verstört verkriecht sich das Kind in sein Zimmer und kann nicht fassen, dass seine Eltern es all die Jahre belogen hat. Die Beteuerung des Mannes ihrer schwangeren Mutter, den Kattaka zuvor für ihren Vater gehalten hatte, dass er sie doch wie seine echte Tochter lieben würde, überhört das Mädchen in seinem Schmerz. Kattaka will den Russen treffen, der ihr Vater ist und der durch Zufall gerade mit einem Contai­nerschiff in Stettin angelegt hat.

Nach langen Debatten fährt Kattaka mit Nachbarin Lene Graumann und Kattakas Freund Knäcke als blinder Passagier nach Stettin. Von da an beginnt ein Roadmovie mit einer Reise in die Vergangenheit. Da der Blinker des alten Busses, den Lene Graumann fährt, defekt ist, wird sie von der Polizei angehalten, und der Zuschauer erfährt, dass sie laut Ausweis in „Olsztyn“ geboren wurde. Die Verwirrung der unwissenden Kinder ist perfekt, als die 75-jährige Lene offenbart, dass sie deswegen noch lange keine Polin sei, denn hinter „Olsztyn“ verbirgt sich nichts anderes als Allenstein.

Als der kleine Trupp in Stettin angekommen ist, muss er erfahren, dass das Schiff bereits weiter nach Danzig ist. Nur widerwillig erklärt sich Lene bereit, die Kinder auch dorthin zu fahren. Ursula Werner, die die Lene spielt, gelingt es dabei hervorragend, den Zuschauer neugierig auf Lenes Vergangenheit zu machen: Man ahnt bereits ein trauriges Geheimnis. Die Schauspielerin war in der DDR festes Ensemblemitglied des Maxim-Gorki-Theaters. Aber auch die Berlinerin Nina Monka spielt die trotzig-verletzte Kattaka sehr überzeugend. Ihre erste Begegnung mit dem leiblichen Vater in Danzig verschreckt das Mädchen, das sich nun darauf konzentriert, das Rätsel ihrer Nachbarin zu lösen.

Also geht es weiter nach Masuren. Mit dabei nun auch ein polnischer Junge, der in dem Gasthaus in Danzig arbeitete, in dem die Deutschen nächtigten.

Bevor sich allerdings Lenes Schick­sal offenbart, hat Regisseur Johannes Schmid eine Episode eingebaut, die irgendwie so wirkt, als wollte man, bevor man das Leid einer Deutschen schildert, erst das Leid erwähnen, das Deutsche früher den Polen zugefügt haben. Nach einer Autopanne kommen die Reisenden auf einen Bauernhof, wo ein sehr altes Paar ihnen Hilfe anbietet. Die alte Frau hat an einer Hand keine Finger mehr: Sie hat sie als Zwangsarbeiterin in der Zeit des Nationalsozialismus bei einem Unfall in einer Maschine verloren.

Doch dann wird endlich Lenes Geheimnis gelüftet. Auf einem Baum in einem Vogelhaus findet sie ein kleines Schmuckkästchen, in dem sich auch ein Foto ihrer Mutter befindet, die Lene als kleines Kind auf der Flucht vor der Roten Armee verlor. Die Szene, in der Lene Kattaka ihre Geschichte en detail erzählt, ist einfühlsam und voller Wärme, obwohl sie draußen in der Kälte bei minus zehn Grad spielt. Und Kattaka begreift, dass sie einen zweiten Versuch wagen muss, ihren Vater kennenzulernen.

Am Ende wird dem Zuschauer von dem pünktlich zu Weihnachten auf DVD erhältlichen Film ein zumindest für Kattaka versöhnliches Ende geboten, das aber nicht zu dick aufträgt und stets glaubwürdig ist. Rebecca Bellano


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