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08.12.12 / Ruhmsüchtiger König? / Studie deutet Friedrich den Großen einseitig als Egomanen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-12 vom 08. Dezember 2012

Ruhmsüchtiger König?
Studie deutet Friedrich den Großen einseitig als Egomanen

Es gibt Themen, über die vielleicht noch nicht alles, aber doch schon recht viel gesagt worden ist. Dazu gehört zweifelsfrei Friedrich der Große. Auch wenn nicht genug Neues zu präsentieren ist, so bietet die Fülle der bekannten Quellen über den Preußenkönig genügend Möglichkeiten, um durch Interpretationsvarianten der umfangreichen Literatur ein weiteres Bild des bekanntesten Hohenzollernkönigs hinzuzufügen.

Dies unternimmt der bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten tätige Historiker Jürgen Luh mit „Der Große. Fried­rich II. von Preußen“. Es handelt sich nicht um eine Biografie, sondern um eine Studie, in welcher der Autor bemüht ist zu zeigen, dass es für den König zeitlebens nur eine Antriebskraft gegeben habe: das Erlangen von Ruhm. Luh ordnet auf dieser Linie so ziemlich alles ein, was über Friedrich bekannt ist. Demnach sei etwa der missglückte Fluchtversuch des Kronprinzen von 1730 vor allem geplant gewesen, um Aufsehen zu erregen und Achtung zu gewinnen. Friedrich habe sogar berechnet, dass ein Scheitern des Vorhabens diesem Ziel viel besser dienen würde. Die Beschäftigung mit Dichtung und Philosophie, welche er gar nicht recht durchdrungen habe, hat für ihn nur eine Rolle gespielt, um sein Ansehen zu steigern. Die Meinung, dass die Kriege nur hinsichtlich des Nachruhms geführt worden seien, wird vehement vertreten. Friedrich habe sich selbst stilisiert, an der Zuschreibung des Attributs „der Große“ sei er nicht unbeteiligt gewesen. Im Siebenjährigen Krieg habe er das leidende Ausharren, die Märtyrerrolle als Element entdeckt, welches ihm zu hohem Respekt verholfen habe. Die Berliner Akademie sei für ihn an sich wenig interessant gewesen, außer im Hinblick auf den guten Ruf. Voltaire sei ihm vor allem als „Herold“ für sein Ansehen wichtig gewesen.

Im Gegensatz zu anderen Autoren betont Luh die biografische Aussagekraft der Dichtungen Fried­richs, etwa der 1734 verfassten Ode „Sur la Gloire“. Äußerungen, in denen er sich in Bescheidenheit übte, werden als Mittel gedeutet, um Komplimente zu provozieren. In Zusammenhang mit der Ruhmsucht haben, folgt man Jürgen Luh, Hartnäckigkeit und Eigensinn gestanden. Letzteres verdeutlicht er an den unvernünftigen Essgewohnheiten des Königs und deren unappetitlichen Folgen am Lebensende.

Dass Friedrich bestrebt war, ein positives Bild von sich zu vermitteln, dass er sich zu Höherem berufen fühlte, dürfte wenig neu sein. Auch die Neigung, eigene Fehler anderen anzulasten, ist bekannt. Erinnert sei an August Wilhelm, den Bruder des Königs, dem er die Verantwortung für die missliche Lage nach der verlorenen Schlacht bei Kolin zuschob. Über die natürlich sehr subjektiv gefärbte Geschichtsschreibung des Königs stellt Jürgen Luh fest: „Friedrich war also kein Historiker im heutigen Sinne, sondern ein politischer Schriftsteller.“

Auch wenn der Blick auf die Nachwelt ein starkes Motiv war, dem der König wenig rücksichtsvoll vieles unterordnete – die unbedingte Fokussierung auf diese eine Dimension, um den Preußenkönig zu verstehen, macht Luhs These selbst angreifbar. Erik Lommatzsch

Jürgen Luh: „Der Große. Friedrich II. von Preußen“, Siedler-Verlag, München 2011, gebunden, 288 Seiten, 19,99 Euro


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