27.01.2022

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02.02.13 / Kitschig, aber schön / Ostpreußen als Kulisse

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-13 vom 02. Februar 2013

Kitschig, aber schön
Ostpreußen als Kulisse

Nach dem Roman „Solange es Träume gibt“ entführt die Autorin Maja Schulze-Lackner den Leser in ihrem neuen Roman „Himmel über Ostpreußen, Schick-salsjahre einer Familie“ erneut ins Ostpreußen des 19. Jahrhunderts. Sehr anschaulich beschreibt die Autorin das Leben der Gutsherren, die Jagdgesellschaften und den Gesellschaftsklatsch. Auch das Leben der Bediensteten wird angerissen. Da Maja Schulze-

Lackner diese im Buch mit dem entsprechenden Dialekt ausgestattet hat, erscheinen sofort die Mamsell und der Butler vor dem inneren Auge. Während die Diener an einem Tisch im Angestelltentrakt über die Aufgabenverteilung sprechen, tratschen im Nebenzimmer die Hausmädchen und Küchenhilfen über das Leben der Herrschaften. Fast fühlt man sich etwas an die britische TV-Serie „Downton Abbey“ erinnert.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen hier jedoch zunächst die Cousinen Aglaia und Tanya, die gemeinsam und unbeschwert auf dem Landgut Wallerstein aufwachsen. Tanya, die eine Vollwaise ist, wird vom Grafen Wallerstein wie eine zweite Tochter behandelt. Und lediglich die korpulente Gräfin Wilhelmine, die sich ihren ausgeprägten Standesdünkel stets bewahrt, behandelt das Mädchen mit Herablassung. Als Tanya einen fatalen Fehler begeht, spielt dieses der boshaften Gräfin in die Karten und sie verbannt die junge Frau kurzerhand in ein Kloster fernab des Gutes. Nur so glaubt die herzlose Frau einen gesellschaftlichen Skandal verhindern und den Schein einer makellos glücklichen Familie wahren zu können. Eine Entscheidung, die weder ihre Tochter Aglaia noch ihr Mann ihr je verzeihen werden.

Maja Schulze-Lackner schildert in „Himmel über Ostpreußen“ hauptsächlich die schönen Seiten des Lebens der damaligen feinen Herrschaft. Die Autorin bedient sich vieler Klischees und spart nicht an Schwarz-Weiß-Malerei. Wer auf einen historischen Kontext und wahre Geschichten hofft, der wird das Buch enttäuscht beiseitelegen. Dennoch verschafft Maja Schulze-Lackner dem Leser mit ihrem flüssigen Schreibstil sowie Sinn fürs Schöne und Anmutige einen Ausflug in die feinste Gutsherrenromantik.

„Es war ein strahlender Wintermorgen, als Josef sie zur Bahn nach Insterburg fuhr. Eingehüllt in Felldecken, Pelzmützen auf dem Kopf und die Hände in den Muffs, genossen sie die Fahrt. Nur das Klingeln der Glöckchen und hin und wieder ein Schnauben der Pferde unterbrachen die lautlose Stille. Das ganze Land schien zu schlafen unter einer dicken weißen Decke. Die Dächer der Häuser am Wegesrand sahen aus wie kleine weiße Hügel, und die Äste der kahlen Bäume waren von Raureif überzogen. Die beiden Frauen schwiegen. Noch am Vorabend hatte Aglaia geschwankt, ob sie mit Elvira mitfahren sollte … “

Locker und leicht berichtet die Autorin von opulenten Abendessen in feinster Gesellschaft, dem Likörchen und Zigarre im eleganten Salon folgten. Die in der Region bekannten bitterkalten und nicht enden wollenden Winter werden von den Hauptfiguren vor knisternden Kaminfeuern bei duftenden Waffeln und heißem Kakao zugebracht. Dem Leser also, dem der Sinn nach Romantik und schönen Bildern steht, der wird von Maja Schulze-Lackners Roman „Himmel über Ostpreußen“ bestimmt nicht enttäuscht werden. Auch wenn alles wenig mit dem wirklichen Ostpreußen von früher zu tun hat. Vanessa Ney

Maja Schulze-Lackner: „Himmel über Ostpreußen. Schicksalsjahre einer Familie“, Bastei Lübbe, Köln 2012, broschiert, 368 Seiten, 9,99 Euro


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