25.01.2022

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Suchen und finden
09.02.13 / Hoffnung von Millionen / Nach 70 Jahren hat der Internationale Suchdienst seine Mission erfüllt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-13 vom 09. Februar 2013

Hoffnung von Millionen
Nach 70 Jahren hat der Internationale Suchdienst seine Mission erfüllt

„Ein Kontinent auf Wanderschaft.“ So beschrieb der Schriftsteller Otto Zierer das Europa der Kriegs- und frühen Nachkriegszeit. Millionen waren als Flüchtlinge, Vertriebene, Deportierte, Internierte, Arbeitssklaven, repatriierte Fremd- und Zwangsarbeiter, als Kriegsgefangene und entlassene Kriegsgefangene in alle Richtungen unterwegs. Ihre Hoffnung, jemals wieder zu ihren Angehörigen und Freunden zu finden, ruhte auf den Suchdiensten, deren Vorläufer vor 70 Jahren ins Leben gerufen wurde.

Schon 1943 ging man im Alliierten Hauptquartier davon aus, dass rund elf Millionen Menschen als Flüchtlinge und „Displaced Persons“ entwurzelt worden waren. Diese über den gesamten deutschen Machtbereich verstreuten Massen zu repatriieren und die zwangsgetrennten Menschen wieder zusammenzuführen, sahen die Westalliierten als eine ihrer wichtigsten administrativen Aufgaben für die Zeit nach dem von ihnen sicher erwarteten Sieg an. Zu diesem Zweck richteten sie in London ein Suchbüro ein, das alle verfügbaren Informationen über nichtdeutsche Personen sammeln sollte, die im Verlauf des Krieges verschleppt worden waren oder aus anderen Gründen vermisst wurden. Die Suche nach Kriegsgefangenen gehörte dagegen nicht zu seinen Aufgaben. Dafür war die Zentralstelle für Kriegsgefangene des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IRK) in Genf zuständig.

Nach Kriegsende wurde der Suchdienst der United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA, Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen) übertragen. Diese sicherte zunächst alle verfügbaren deutschen Akten über nichtdeutsche Häftlinge und Verschleppte und brachte sie ins hessische Bad Arolsen, nahe dem Schnittpunkt der britischen, amerikanischen und französischen Besatzungszonen. Zur gleichen Zeit mussten im Zuge von Flucht und Vertreibung wieder Millionen ihr Zuhause verlassen. Mit der Bewältigung dieser zusätzlichen, ungeheuren Aufgabe war der UNRAA-Suchdienst überfordert. Deshalb erhielt das Deutsche Rote Kreuz den Auftrag, für Nachforschungen nach deutschen Staatsbürgern, sofern sie nicht als Opfer des Nationalsozialismus galten, einen eigenen Suchdienst einzurichten (siehe Bericht unten). Zunächst beteiligte sich auch die Sowjetunion an der Erfassung und Repatriierung der von den Deutschen in alle Himmelsrichtungen verschleppten Ausländer. Doch diese Zusammenarbeit endete 1947 in Folge des Kalten Krieges. Dadurch versiegte der Dokumenten- und Informationsaustausch zwischen Ost und West, was die Arbeit beider Suchdienste erheblich erschwerte. 1947 ging die Leitung des International Tracing Service (ITS, Internationaler Suchdient) an die UN-Flüchtlingskommission über, 1951 an die Alliierte Hochkommission. Ab 1955 war der ITS beim Internationalen Roten Kreuz angesiedelt. Seine Hauptaufgabe war nun die Sammlung und Auswertung von Unterlagen über zivile Opfer des Nationalsozialismus, deren Schicksal und Verbleib ungeklärt ist.

Seit der Gründung des Internationalen Suchdienstes sind sieben Jahrzehnte vergangen. Seine Mission ist erfüllt. Wen er bis heute nicht gefunden hat, der wird wohl verschollen bleiben. Demzufolge können seine Akten nur noch der Forschung dienen. Das IRK hat dem Rechnung getragen und die Verwaltung der Bestände in Bad Arolsen zum Jahreswechsel dem deutschen Bundesarchiv übertragen. Unter der Leitung der US-amerikanischen Geschichtsprofessorin Rebecca Boehling erfolgt nun die Umwandlung der traditionsreichen Einrichtung von einem der Aufklärung von Schicksalen verpflichteten Suchdienst zu einem Dokumentationszentrum.           Jan Heitmann


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