28.01.2022

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09.02.13 / Russland hat seine Archive geöffnet

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-13 vom 09. Februar 2013

Russland hat seine Archive geöffnet

Lange Zeit waren sowjetische Archive verschlossen. Erst nach dem Zerfall der Sowjet-union konnte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) eine Freigabe von Daten aus dem zentralen Sonderarchiv vereinbaren. 1992 wurden die Daten von rund 330000 deutschen Kriegsgefangenen, die in sowjetischen Lagern umgekommen und dort beerdigt worden waren, übergeben. In der Folge konnten über den Suchdienst des DRK Hunderte von Schicksalen aufgeklärt werden. Ab Mitte der 90er Jahre erklärten sich russische Behörden zur Zusammenarbeit mit deutschen Suchdiensten bereit. Die umfangreichen Archivunterlagen des KGB wurden einzelnen Forschern geöffnet. Dort waren die persönlichen Lebensdaten und Dokumente der Internierten erfasst. Einziges Problem: Namen wurden nach Gehör in die kyrillische Schrift umgesetzt, wodurch sich bei der Rückübertragung Fehler ergaben.

1995 sorgte der Verein „Liga für Russisch-Deutsche Freundschaft e.V.“ für die Aufklärung deutscher Schicksale. Die „Aktion Versöhnung“ wurde anfänglich noch behindert. Dennoch machten es sich erfahrene Archivare zur Aufgabe, die Schicksale der im Zweiten Weltkrieg vermissten deutschen Soldaten und internierten Zivilpersonen im Bereich der ehemaligen Sowjetunion aufzuklären, persönliche Papiere wie Soldbücher, Briefe, Fotos, Vernehmungsprotokolle und Bescheinigungen aus den Archiven herauszubekommen, um sie den Familienangehörigen in Deutschland zu übergeben. Auch die Zusammenarbeit mit russischen Behörden und Veteranenverbänden hat sich zu einem freundschaftlichen Miteinander entwickelt. Über das DRK ist es auch heute noch möglich, Suchanfragen an die entsprechenden russischen Stellen zu richten.           MRK

 

Zeitzeugen

Theodor Heuss – Von den 2,5 Millionen Fällen, die auf seinen „Aufruf zur Registrierung der Kriegsgefangenen und Vermissten“ hin gemeldeten wurden, konnten rund 1,2 Millionen geklärt werden. Der erste Bundespräsident amtierte von 1949 bis 1959 und starb 1963, wo er 1884 geboren worden war: in seinem geliebten Schwaben.

Kurt Wagner – Der 1911 im Landkreis Döbeln geborene Mathematiker hatte wie sein Landsmann Helmut Schelsky an der Ostfront gekämpft, bevor die beiden den DRK-Suchdienst gründeten. Gemeinsam entwickelten die beiden das sogenannte Parteibegegnungsverfahren. Im DRK stieg der Mann, dem heute vor allem seine vorausgegangene NSDAP-Karriere vorgeworfen wird, bis zum Stellvertretenden Generalsekretär auf. 2006 ist er verstorben.

Helmut Schelsky – Der 1912 in Chemnitz geborene Sachse hatte an der Ostfront gekämpft, bevor er als Verwundeter gegen Kriegsende nach Flensburg kam. Nach der Mitarbeit beim Aufbau des DRK-Suchdienstes knüpfte er in Hamburg an seine bereits vor dem Krieg begonnene wissenschaftliche Karriere an. Er wurde Professor, erst 1949 an der dortigen Akademie für Gemeinwirtschaft und dann 1953 an der dortigen Universität. 1960 wechselte er nach Münster, wo er 1984 starb.

Paul Ruegger – Dem 1897 geborenen Schweizer Juristen und Diplomaten lag das humanitäre Völkerrecht stets besonders am Herzen. Im Februar 1948 wurde er zum Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) gewählt. Als Bundeskanzler Konrad Adenauer ihn 1955 darum bat, dass das IKRK die Leitung des Internationalen Suchdienstes übernehmen solle, stimmte Ruegger sofort zu.

Konrad Adenauer – Das Schick­sal der Verschollenen und im Osten Inhaftierten bewegte den greisen Bundeskanzler zutiefst. Damit die Arbeit des Internationalen Suchdienstes nicht weiter durch politische Animositäten behindert wird, sorgte er dafür, dass das Internationale Rote Kreuz dessen Leitung übernahm. Außerdem setzte er sich in Moskau für die Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen ein. Die „Heimkehr der Zehntausend“ gilt vielen als seine größte Leistung.


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