26.01.2022

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09.02.13 / Chance für die FDP

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-13 vom 09. Februar 2013

Chance für die FDP
von Hans Heckel

Ist Rainer Brüderle das Opfer einer Kampagne der „internationalen Hochfinanz“? Jener Kreise also, die sich auf „Bilderberg“-Konferenzen oder in machtvollen, global agierenden Elite-Zirkeln wie der „Trilateralen Kommission“ oder dem „Council of Foreign Relations“ und angehängten Kreisen treffen und die Weltlage erörtern, Ziele koordinieren und gewiss auch die eine oder andere Karriere schieben (siehe Seite 5)?

Zeitgenossen, die viel auf ihre nüchterne Betrachtungsweise halten, sind leicht geneigt, derlei lächelnd als wüste Verschwörungstheorie wegzuwischen. Allerdings: Was ist überhaupt eine „Verschwörung“? Im Grunde bedeutet das Wort nur, dass einige Leute etwas vereinbart haben, wovon sie der interessierten Öffentlichkeit nichts erzählen. Mit anderen Worten: Was wir dunkel raunend als „Verschwörung“ bezeichnen, ist Alltag in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, sie geschieht täglich und überall. Nun ist es aber ein Unterschied, ob sich die Nachbarn einer Laubenpiperkolonie „verschwören“, oder ob dies in einem globalen Netzwerk höchstrangiger Politiker und Finanzkapitäne geschieht, deren Arm die Geschicke der Welt fundamental beeinflussen kann. Sich über deren mögliche Vereinbarungen eine „Theorie“ zu bilden, ist nicht verwerflich. Es ist sogar die unerlässliche Aufgabe eines jeden Erdenbürgers, der sich ein realistisches Bild von seiner Epoche machen will.

Für viele war es eine Überraschung, in welch deutlichem, offenen Wort ausgerechnet der liberale Fraktionschef Brüderle hinwies auf die Existenz und mögliche Zielrichtung jener mächtigen internationalen Netzwerke. Gilt in den Augen der Mehrheit doch gerade seine FDP als „Partei des großen Geldes“. War es vielleicht bloß eine billige Retourkutsche auf diesen Vorwurf gegen die „Bilderberger“ Steinbrück und Trittin – „Sieh her, die sind auch nicht sauber“?

Oder hat, was die „Verschwörungstheorie“ nahelegen will, Brüderle aus Überzeugung gesprochen und dabei einen Rubicon überschritten, wofür er nun bestraft wird?

Sollte Letzteres zutreffen, wäre es für viele enttäuschte FDP-Wähler eine erfreuliche Überraschung. Zu sehr haben sich die Parteiliberalen in den Augen einst treuer Anhänger von ihrem Auftrag als Beschützer der Mittelschicht, der Sparer, Steuerzahler und Leistungsträger entfernt, indem sie dem Aberwitz einer milliardenschweren „Umverteilung von Fleißig zu Reich“ im Rahmen der Euro-Politik ihren Segen gaben. Zu weit haben sie ihre Kernmarke als Speerspitze von Rechtsstaat und Demokratie geopfert zugunsten eines eurokratischen Zentralismus, dessen ausgreifende Macht Rechte und Regeln niederwalzt.

Doch zunächst müssen Brüderle und seine FDP noch beweisen, dass die Aussagen des Spitzenkandidaten nicht nur Ausdruck eines lichten Moments waren, nachdem sie in tumbe Gefolgsamkeit zurückfallen. Die reale Politik der Freidemokraten stimmt da leider pessimistisch. Dröhnende Europa-Bekenntnisse und – von wenigen Ausnahmen abgesehen – stures Abnicken im Bundestag bestimmen hier nach wie vor die Richtung.

So findet sich Brüderle am Ende zwischen allen Stühlen wieder. Die einen jagen ihn, weil er sich mit der „Hochfinanz“ angelegt hat. Die anderen glauben ihm seine erfrischende Aufsässigkeit nicht, weil sie sich in der FDP-Politik nicht wiederfindet. Die Liberalen sollten sich endlich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen wollen.


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