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09.02.13 / Er wollte bessere Autos bauen als Ferrari / Der Technikfreund, Perfektionist und Genießer Ferruccio Lamborghini machte Steckenpferde zu seinen Berufen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-13 vom 09. Februar 2013

Er wollte bessere Autos bauen als Ferrari
Der Technikfreund, Perfektionist und Genießer Ferruccio Lamborghini machte Steckenpferde zu seinen Berufen

Zu den eher den Sportwagenfreunden bekannten Marken des Volkswagenkonzerns gehört Lamborghini. Sie ist benannt nach ihrem Gründer und ersten Besitzer: Ferruccio Lamborghini. Schon der kleine Italiener begeisterte sich für Technik und technisches Gerät. Der am 28. April 1916 zwischen Bologna und Ferrara in Renazzo di Cento geborene Bauernsohn hatte das Glück, seinem Interesse folgen und ein Ingenieurstudium aufnehmen zu können. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er Soldat und entsprechend seiner Ausbildung von der Luftwaffe bei der Reparatur von Militärfahrzeugen auf der griechischen Insel Rhodos eingesetzt.

Nach der Entlassung aus der britischen Kriegsgefangenschaft verdiente er gutes Geld, indem er nicht mehr benötigte Militärfahrzeuge günstig aufkaufte und sie zu treckerähnlichen Fahrzeugen für die untermotorisierte italienische Landwirtschaft umbaute. Einer der vielen Legenden nach, die sich um den Tausendsassa ranken, kam ihm die Idee zu diesem lukrativen Erwerbszweig ausgerechnet auf seiner Hochzeitsreise.

Dem Umbau von Militärfahrzeugen folgte der Neubau von Traktoren. 1949 gründete er die „Lamborghini Trattori“. Die eingekauften Traktorenmotoren genügten jedoch nicht den Ansprüchen des Perfektionisten und so entwickelte er für seine Fahrzeuge selber Zwei-, Drei- und Vierzylinderdieselmotoren. 1954 brachte er als erster Traktoren auf den Markt, deren Motoren Direkteinspritzung statt Vergaser und Luft- statt Wasserkühlung hatten. Nicht zuletzt aufgrund derartiger Innovationen stieg Lamborghini bis zu den 60er Jahren in den Olymp der führenden Traktorenhersteller Italiens auf.

Längerfristig genügten dem vielseitig interessierten und umtriebigen Ingenieur alleine die Entwick­lung und der Bau von Traktoren nicht. Nach einem Besuch in den Vereinigten Staaten nahm er mit seiner neugegründeten Firma „Lamborghini Bruciatori“ die Herstellung von Heizungen und Klimaanlagen auf. Sein Traum, auch Hubschrauber zu produzieren, scheiterte an seiner Regierung, die ihm die dafür nötigen Lizenzen verweigerte.

Der Italiener verzagte jedoch nicht. Er wurde trotzdem reich und genoss das Leben. Dazu gehörte, dass er sich Sportwagen leistete, darunter auch einen Ferrari 250 GT. Mit diesem war der Perfektionist jedoch nicht zufrieden. Sozusagen unter Kollegen, von Fahrzeughersteller zu Fahrzeughersteller, machte er Enzo Ferrari Verbesserungsvorschläge. Der Sportwagenhersteller glaubte jedoch nicht, von einem Traktorenhersteller etwas über Sportwagenbau lernen zu können – und ließ dieses seinen Landsmann spüren.

Das spornte Lamborghini dazu an, es Ferrari zu zeigen und einen Sportwagen herzustellen, der den Produkten seines Landsmannes in Leistung und Verarbeitung überlegen war. Zu diesem Zwecke gründete er 1963 die „Automobili Lamborghini Holding S.p.A.“. Für das erste Modell gewann er Giotto Bizzarrini, der für den Ferrari 250 GTO verantwortlich gezeichnet hatte, für die Entwicklung des Motors und Nuccio Bertone für die Karosserieentwicklung. 1964 kam der erste Lamborghini-Sportwagen unter der Bezeichnung 350 GT auf den Markt. Aus dreieinhalb Litern Hubraum schöpfte der Zwölfzylinder 280 PS. Lamborghinis Erstlingswerk war nicht nur mit einer Höchstgeschwindigkeit von um die 280 Kilometer pro Stunde schneller als die damaligen Ferraris, sondern er verfügte auch im Gegensatz zu diesen über ein voll synchronisiertes Getriebe ohne Zwischengas. Zwei Jahre später legte Lamborghini mit dem „Miura“ nach, der mit bis zu 295 Kilometern pro Stunde der 300er-Marke sehr nahe kam. 275 Exemplare wurden von dem nicht nur schnellen, sondern auch schönen Auto gebaut.

„Miura“ ist eigentlich der Name eines Stierzüchters. Lamborghini nutzte gerne Bezeichnungen aus der Welt des Stierkampfes für seine Fahrzeugtypen. So wählte der im Sternzeichen des Stiers geborene Sportwagenhersteller auch statt eines Pferdes wie Ferrari einen kampfbereiten Stier als Markenlogo. Kraftvoll wie ein Stier sollten seine Sportwagen sein.

Dem „Miura“ folgten 1968 der „Espada“ und der „Islero“ sowie 1970 der „Jarama“. Die Vorstellung des „Countach“ 1971 fiel zwar noch in seine Verantwortung, aber als 1974 die Serienfertigung anlief, war Lamborghini schon nicht mehr Herr im Haus. Seine Sportwagen verkauften sich gut, aber als das von Unruhen geplagte Bolivien 1971 einen Großauftrag über 5000 Traktoren stornierte, sah Lamborghini sich aus finanziellen Gründen gezwungen, die Traktorensparte seines kleinen Firmenimperiums zu verkaufen. Da sein Sohn Tonino sich am Automobilbau uninteressiert zeigte und zudem 1973 auch noch eine Öl- und Wirtschaftskrise einsetzte, verkaufte Lamborghini die Sportwagensparte ebenfalls.

Lamborghini wäre jedoch nicht Lamborghini gewesen, wenn er sich nun in den Ruhestand abgemeldet hätte. Vielmehr machte der Genießer abermals ein Hobby zu seinem Beruf. Das Weingut, das er eigentlich nur zum Zeitvertreib erworben hatte und auf das er sich nun zurückzog, baute er zu einem florierenden Betrieb aus. Auch hier bewies Lamborghini wieder Kreativität. Er begnügte sich nicht damit, Wein aus den vor Ort üblichen Rebsorten herzustellen. Vielmehr baute er auch aus Frankreich importierte Sorten an, komponierte, kreierte aus den Ernten etwas Neues. Sein Verschnitt gilt zwar als solcher formal als minderwertig, erzielt aber nichtsdestoweniger auf dem Markt hohe Preise.

Am 20. Februar 1993 starb Ferruccio Lamborghini in Perugia. Wenn es dem umtriebigen Italiener auch versagt blieb, in seinem Sohn Tonino einen Nachfolger als Automobilbauer zu finden, so hat er doch als Winzer in seiner Tochter Patrizia eine Nachfolgerin gefunden. Sie betreibt das Weingut noch heute.    Manuel Ruoff


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