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16.02.13 / Demontage

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-13 vom 16. Februar 2013

Jan Heitmann:
Demontage

Es ist noch keine zwei Jahre her, dass sich Annette Schavan „nicht nur heimlich“ für ihren Kabinettskollegen Karl-Theodor zu Guttenberg zu schämen vorgab. Heute müssen wir uns für sie schämen. Doch bei aller ebenso verständlichen wie nicht nur heimlichen Schadenfreude stellt sich die Frage, wer den enormen Aufwand, den die sorgfältige Überprüfung einer Doktorarbeit erfordert, eigentlich finanziert. Es sind keine

anonymen Internetaktivisten mehr, sondern die Plagiatsjagd ist längst professionalisiert. Martin Heidingsfelder, der vor zwei Jahren aus wohl durchaus lauteren Motiven das „VroniPlag Wiki“ mitbegründete und sich dann mit „SchavanPlag Wiki“ quasi selbstständig machte, hat die Demontage von Politikern zu einem auskömmlichen Geschäftsmodell weiterentwickelt. Er lässt sich dafür bezahlen, die Doktorarbeiten von Politikern auf Plagiate hin zu untersuchen. Seine Aufträge bekommt er über seine Internetseite „PolitPlag“ von Privatpersonen, Medienhäusern und aus dem „politischen Umfeld“.

Heidingsfelder ist ehemaliges SPD-Mitglied, glückloser Kommunalpolitiker und mittlerweile in der Piratenpartei aktiv. Da muss es einen nicht mehr wundern, dass es bisher fast ausschließlich Politiker von Union und FDP waren, die als Plagiatoren entlarvt wurden. Der Verdacht liegt nahe, dass hier missliebige Leute von interessierter Seite mit seiner Hilfe demontiert wurden. So traurig es ist: Auch wenn niedere Beweggründe im Spiel sind, wird dadurch letztlich Betrug in der Wissenschaft aufgedeckt. So hat die professionelle Plagiatsjagd irgendwie auch etwas Positives. Allerdings mit einem sehr bitteren Beigeschmack.


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