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16.02.13 / Richard III. entdeckt / Im englischen Leicester wurde das Skelett des Königs entdeckt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-13 vom 16. Februar 2013

Richard III. entdeckt
Im englischen Leicester wurde das Skelett des Königs entdeckt

Wissenschaftler der Universität Leicester haben bei archäologischen Ausgrabungen die relativ gut erhaltenen sterblichen Überreste des eng­lischen Königs Richard III. (1452–1485) aufgefunden. Initiiert wurden diese Ausgrabungen durch die hartnäckige englische Hobbyhistorikerin Philippa Langley, die schon vor drei Jahren fest davon überzeugt war, dass unter dem Parkplatz des Sozialamtes der mittelenglischen Stadt Leicester die Ruhestätte des letzten englischen Königs aus der Dynastie Plantagenet zu finden sein müsse. Nahe der Stadt war der damals 32 Jahre alte König am 22. August 1485 in der Schlacht von Bosworth gefallen. Mit seinem Pferd auf der Flucht in einem Sumpf steckengeblieben, hatten ihn gegnerische Kämpfer erschlagen. Diese dramatische Szene schildert William Shakespeare, der Richard III. in seinem gleichnamigen Historiendrama hat ausrufen lassen: „Ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd!“ Lange Zeit mussten Langley und ihre Mitstreiter darum kämpfen, dass sich professionelle Archäologen ihren Argumenten beugten. Offiziell galten die anschließend vorgenommenen Ausgrabungen in Leicester denn auch nur den Überresten des Franziskanerklosters Grey Friars, das sich einst an der Stelle des heutigen Parkplatzes befunden hat. Laut chronikalischer Überlieferung war der Leichnam des Königs, nachdem man die Leiche zur Dokumentation seines Todes in einem Wirtshaus kurzzeitig nackt zur Schau gestellt hatte, von den Siegern ohne weitere Formalitäten in eben jenem Franziskanerkloster verscharrt worden.

Bei den Ausgrabungen in den Überresten des Klosters wurde das Skelett eines jüngeren Mannes gefunden, das laut Altersanalyse aus dem 15. Jahrhundert stammt und zudem, wie König Richard III., markante krankhafte Veränderungen an der Wirbelsäule aufweist. Ohne die Verkrümmung seiner Wirbelsäule wäre der Mann wohl 1,72 Meter groß gewesen, doch so wirkt er klein. Zudem steht bei ihm die rechte Schulter viel höher als die linke. Obwohl sklerotisch verwachsen, weist das Skelett jedoch nicht den von Shakespeare beschriebenen Buckel auf. Auf die Todesursache deuten zwei große Verletzungen am Schädelknochen, die von einem Schwert und einer Hellebarde herrühren, was für einen Tod im Kampf spricht. Weitere, wahrscheinlich von Dolchstichen herrührende Schädelverletzungen wurden ihm wohl erst nach dem Tod zugefügt, um den toten König zu demütigen.

Deutet also manches Indiz darauf hin, dass man es hier mit den sterblichen Überresten des Königs zu tun hat, so fehlte doch der Beweis. Das Franziskanerkloster Grey Friars ist bereits um 1538 zerstört worden und der Begräbnisort folglich darüber nicht mehr hinlänglich exakt zu bestimmen. Zudem sollen Bewohner von Leicester gemäß örtlicher Legenden die Überreste Richards III. später in einen nahen Fluss geworfen haben. Nunmehr half eine DNA-Analyse der Rippenknochen des Skeletts, Licht in das Dunkel zu bringen. Es gelang den Archäologen, zwei lebende Abkömmlinge in der 16. Generation der Anne von York, einer Schwester König Richards III., aufzutreiben. Der vorgenommene DNA-Vergleich bewies zur großen Freude der Forscher Übereinstimmung, so dass der Tote zweifelsfrei als König Richard III. identifiziert werden konnte – der übrigens keinesfalls das von Shakespeare beschriebene körperlich entstellte, psychisch abnormale Monster war. Vielmehr zeigte eine plastische Rekonstruktion des Gesichts des Toten zur Verwunderung seiner Landsleute, dass dieser zu Lebzeiten ein ansehnlicher, schmucker Mann mit feinen Zügen war.

Am Fundort soll nun nach dem Willen der Stadtväter von Leicester ein Besucherzentrum entstehen. Die sterblichen Überreste des Königs werden dagegen nach Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen Anfang kommenden Jahres in die Kathedrale von Leicester überführt. Jürgen W. Schmidt


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