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16.02.13 / Wanderer zwischen den Parteien / Der marktliberale Bundesminister Victor-Emanuel Preusker gehörte nacheinander NSDAP, FDP, FVP, DP, CDU und FDP an

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-13 vom 16. Februar 2013

Wanderer zwischen den Parteien
Der marktliberale Bundesminister Victor-Emanuel Preusker gehörte nacheinander NSDAP, FDP, FVP, DP, CDU und FDP an

Der dritte Wohnungsbauminister der Bundesrepublik nach Eberhard Wildermuth und Fritz Neumeyer war ein Mann der Wirtschaft. Der vor 100 Jahren, am 25. Februar 1913, in Berlin geborene Victor-Emanuel Preusker machte nach dem Abitur am Herder-Realgymnasium in Berlin-Charlottenburg eine Banklehre bei der Darmstädter und Nationalbank. Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm. Der Vater war nach seinem Militärdienst, wo er es bis zum Feldwebel der Gardegrenadiere gebrachte hatte, Reichsbankbeamter geworden. Dem Sohn reichten Lehre und Berufsschule jedoch nicht aus. Er nahm ein Studium der Volks-, Betriebs und Staatswissenschaften auf und schloss es 1937 mit dem Diplomkaufmann ab. 1940 promovierte er über „Industriefinanzierung durch Marktkapital“. Da war er jedoch bereits für die Dresdner Bank in Wien tätig.

1940 wurde der Feldwebelsohn zum Wehrdienst eingezogen und machte bei der Luftwaffe eine für einen Wehrdienstleistenden beachtenswerte Karriere. Das zeitweilige SS-, SA- und NSDAP-Mitglied brachte es bis zum Fliegerleit­offzier in der Me-262-Staffel von Major Walter Nowotny.

Wie viele Deutsche wurde Preus­ker durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und die Niederlage des eigenen Landes beruflich zumindest kurzfristig stark zurückgeworfen. Zunächst arbeitete Preusker bei einem Bauern in Thüringen, wechselte dann aber in das US-amerikanisch besetzte Hessen, wo er mit seinem Bruder einen kleinen holzverarbeitenden Betrieb für Spielzeug und Präzisionslehrmittel betrieb. Schließlich fand er in seinen alten Beruf zurück, wurde 1949 Berater des hessischen Bankhauses Hardy & Co.

Politisch landete der Marktwirtschaftler bei der FDP, zu deren Mitbegründern er gehört. Dabei unterschied er sich vom linken Flügel des Liberalismus dadurch, dass er nicht mit der SPD liebäugelte, sondern ein entschiedener Befürworter einer Bürgerblockpolitik war. 1947 bis 1949 war er Generalsekretär der hessischen FDP. Nach der Gründung der Bundesrepublik wechselte er 1949 in den Bundestag.

Als Bundeskanzler Konrad Adenauer 1953 sein zweites Kabinett bildete, wurde Preusker Bundeswohnungsbauminister. In diesem Amt gelang es ihm, sein ohnehin ehrgeiziges Programm von 500000 neuen Wohnungen pro Jahr überzuerfüllen. Dabei stieß er allerdings auf den Widerstand von Christdemokraten, die in Häuslebauern ihre Wählerklientel sahen und in einer Zeit, da viele Bundesbürger froh waren, wenn sie überhaupt ein Dach über dem Kopf hatten, den Familieneigenheimbau stärker gefördert sehen wollten. Preusker hingegen setzte eher auf die Förderung des Wohnungsbaus und wurde nach seiner Ministerzeit denn auch 1958 Präsident des Zentralverbandes Deutscher Haus- und Grundeigentümer, was er bis 1971 blieb.

Als 1956 die FDP in NordrheinWestfalen mit der SPD eine Koalition einging und auf Bundesebene mitten in der Legislaturperiode die Regierungskoalition mit der Union aufkündigte und in die Opposition ging, blieb der dezidierte Befürworter einer Bürgerblockpolitik mit den anderen Mitgliedern des sogenannten Ministerflügels in Adenauers Kabinett und trat aus der FDP aus. Die Abweichler gründeten eine neue Partei mit dem Namen Freie Volkspartei (FVP). Ihr erster Vorsitzender wurde Preusker. Noch vor der nächsten Bundestagswahl fusionierte die FVP am 20. Januar 1953 mit der Deutschen Partei (DP), deren nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender der bisherige FVP-Bundesvorsitzende nun wurde.

Nach der Bürgerschaftswahl vom 15. September 1957 zog die DP mit 17 Abgeordneten in den Bundestag ein, darunter Preusker. Sie stellte in Adenauers drittem Kabinett sogar einen Minister allerdings nicht Preusker, sondern Hans-Christoph Seebohm. Preus­ker erhielt 1958 das eher repräsentative Amt eines Bundestagsvizepräsidenten, das er bis 1960 bekleidete.

In eben jenem Jahr 1960 wechselte Preusker zur CDU aus Protest gegen den Zusammenschluss der DP mit dem Gesamtdeutschen Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) zur Gesamtdeutschen Partei (GDP). 1970 schließlich trat Preusker wieder in die FDP ein, womit er seine Rundreise durch den bürgerlichen Teil der bundesdeutschen Parteienlandschaft beendet hatte.

Aus der großen Parteipolitik hatte Preusker sich da schon lange verabschiedet. Bereits 1961 war der Banker aus dem Bundestag ausgeschieden, um sich wieder verstärkt seinem erlernten Beruf zuzuwenden. Noch als Bundestagsvizepräsident war er 1958 geschäftsführender Gesellschafter von Hardy & Co. geworden, dem er ab 1949 als Berater zur Seite gestanden hatte. 1963 gründete er mit anderen das Bonner Bankhaus Preusker und Thelen, dessen Mitinhaber er bis 1970 blieb.

Einen Schatten wirft auf Preuskers Renommee, dass er sich nach dem Abschluss seiner politischen Laufbahn zur Mitarbeit in dem Skandalunternehmen Investors Overseas Services (IOS) gewinnen ließ. Von 1968 bis zur weltweites Aufsehen erregenden Insolvenz des Offshore-Finanzkonzerns, der mit Aktienfonds, Immobilien und Versicherungen handelte, Anfang der 70er Jahre zeichnete Preusker als Geschäftsführer für den deutschen IOS-Fonds „Investor Fonds“ verantwortlich. Danach wurde es ruhiger um den gebürtigen Berliner. Am 13. Mai 1991 starb Victor-Emanuel Preusker in Bonn. Manuel Ruoff


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