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16.02.13 / Deutschunterricht im Europaparlament / AGMO-Delegation diskutierte in Straßburg mit EU-Abgeordneten über das Menschenrecht auf Muttersprache in der Republik Polen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-13 vom 16. Februar 2013

Deutschunterricht im Europaparlament
AGMO-Delegation diskutierte in Straßburg mit EU-Abgeordneten über das Menschenrecht auf Muttersprache in der Republik Polen

Auf Einladung des ungarischen Sozialdemokraten Csaba Sándor Tabajdi und François Alfonsis von der Partei der korsischen Nation (PNC) ist eine Delegation der AGMO e.V. – Gesellschaft zur Unterstützung der Deutschen in Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Ost- und Westpreußen zu Gast im Europaparlament in Straßburg gewesen. Dort hatten der AGMO-Vorsitzende, Tobias Norbert Körfer, und sein Stellvertreter, Tilman Fischer, die Möglichkeit, vor Fachpolitikern unterschiedlicher Fraktionen einen Vortrag über die Sprach- und Identitätskrise der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen und das Menschenrecht auf Muttersprache zu halten. Anschließend wurde mit den anwesenden Parlamentariern über Lösungsmöglichkeiten wie die von der AGMO seit jeher geforderte flächendeckende Einrichtung deutscher Vor- und Grundschulen in den Siedlungsgebieten der deutschen Volksgruppe diskutiert. Den Rahmen hierzu bot die monatliche Sitzung der Interfraktionellen Arbeitsgruppe für traditionelle Minderheiten, Nationale Gemeinschaften und Sprachen, der auch der Europaabgeordnete und Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe Bernd Posselt angehört. Von den jeweils zehn Europaabgeordneten aus der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen, die Mitglieder dieser Gruppe sind, hat keiner an dem Treffen teilgenommen.

Einleitend erörterte der AGMO-Vorsitzende die Genese der heutigen muttersprachlichen Situation der Deutschen in der Republik Polen. Er kritisierte dabei die strukturelle Benachteiligung der Deutschen in der Republik Polen, die aus dem vollständigen Fehlen deutscher Vor- und Grundschulen herrühre. Vor dem Hintergrund der sprachsoziologischen Ent­wick­lungen versuchte er anschließend, die Bedeutung herauszuarbeiten, die eine konsequente Umsetzung der rechtlich-theoretisch vorhandenen Möglichkeiten muttersprachlicher Bildung hat. Anschließend schlug Fischer die Brücke zwischen den Mängeln des Bildungsangebotes für Angehörige der deutschen Volksgruppe und deren Stellung als sozialer Gruppe innerhalb der Gesellschaft der Republik Polen. In diesem Zusammenhang wiederholte er, nochmals die Kritik seiner Organisation am jüngst erschienenen dritten Bericht der Republik Polen zur Anwendung des „Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten“.

Dem Vortrag schloss sich eine rege Diskussion an, in deren Verlauf besonders litauische, ungarische und rumänische Europaabgeordnete großes Interesse an der Lage der Deutschen in der Republik Polen zeigten. Alfonsi, der die Sitzung leitete, dankte für die Darlegung der Sprach- und Identitätsfrage der Deutschen in der Republik Polen und sah vor allem psychologische Momente auf beiden Seiten, sowohl bei der polnischen Mehrheitsgesellschaft als auch bei der deutschen Volksgruppe, als ursächlich für die aktuelle Lage an. Der Südtiroler Abgeordnete Dorfmann betonte, dass ohne eigene Vor- und Grundschulen mit Unterricht in der Muttersprache keine Volksgruppe die Möglichkeit zu einem gesicherten Fortbestand hätte. Auf viel Verständnis und Empathie stießen die Gäste von der AGMO auch bei ungarischen Abgeordneten, die viel über die Lage ihrer Landsleute in der Slowakei und in Rumänien zu berichten wussten. Dabei zeigten sich frappierende Ähnlichkeiten der muttersprachlichen Lage der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen mit jener der ungarischen Volksgruppe in Rumänien und der Slowakischen Republik. Einer der ungarischen Parlamentarier lud die AGMO-Vertreter sogar ein, sich selber in Rumänien ein Bild von der Lage seiner dort lebenden Landsleute zu machen.

Jenseits der offiziellen Sitzung ergab sich die Möglichkeit persönlicher Gespräche zwischen den Gastgebern und ihren Gästen. Als ein Ergebnis des Besuchs in Straßburg nehmen die AGMO-Vertreter den Eindruck mit nach Hause, dass die europäische Politik nicht nur die Republik Polen und die Bundesregierung als Hauptansprechpartner der deutschen Volksgruppe in der Pflicht sieht, sich kreativ und konstruktiv einzubringen, sondern auch ein engagiertes Eintreten der offiziellen Volksgruppenvertreter für ihre Interessen und Rechte erwartet wird. EB


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