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09.03.13 / Pionier des Genossenschaftswesens / Preußens Bürgermeister Friedrich Wilhelm Raiffeisen setzte auf gesellschaftliche Selbsthilfe

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-13 vom 09. März 2013

Pionier des Genossenschaftswesens
Preußens Bürgermeister Friedrich Wilhelm Raiffeisen setzte auf gesellschaftliche Selbsthilfe

Friedrich Wilhelm Raiffeisen erlangte die größte Bekanntheit als Namensgeber der Raiffeisen-Bankengruppe. Diese basiert auf einer Idee der Selbsthilfe, die Raiffeisen gegen die Verarmung der Bauern einsetzte. Im März dieses Jahres gibt es gleich zwei Tage, an denen man Friedrich Wilhelm Raiffeisen gedenkt. Am 11. März ist sein 125. Todestag, am 30. März sein 195. Geburtstag. Doch auch wenn der Tag seines Todes kommenden Montag bereits eineinviertel Jahrhunderte zurückliegt, ist sein Werk bis heute unvergessen.

Im Jahre 1818 wurde Raiffeisen in Hamm an der Sieg, Kreis Altenkirchen, Regierungsbezirk Coblenz als siebtes von neun Kindern des Landesbürgermeisters Gottfried Friedrich Raiffeisen und seiner Ehefrau Amalie Lanzendörfer geboren. Nach einer Offizierslaufbahn in der preußischen Armee, die er nach acht Jahren wegen eines Augenleidens beenden musste, wurde Raiffeisen erst Kreissekretär in Mayen und 1845 Bürgermeister von Weyerbusch.

Im Winter 1846/47, der nach Missernten eine Hungersnot mit sich zog, gründete Raiffeisen den „Verein für Selbstbeschaffung von Brot und Früchten“, kurz „Brotverein“, und schuf somit die Idee der Genossenschaften. Arme und wohlhabende Bürger wurden gleichermaßen aufgefordert, der Verbindung zur gemeinschaftlichen Selbsthilfe beizutreten. Doch sorgte Raiffeisen, der ab 1848 Bürgermeister von Flammersfeld mit seinen 33 Ortschaften war, nicht nur für die Deckung der Grundbedürfnisse des Volkes, sondern setzte sich auch für den Bau einer großen Verbindungsstraße ein, die heute Teil der B 256 ist. Außerdem sorgte er für die Errichtung von Bildungsstätten. Da Raiffeisen durch seine Werke als Wohltäter bekannt war, erfreute er sich einer breiten Beliebtheit.

Mit der Gründung des „Flammersfelder Hülfsvereins zur Unterstützung unbemittelter Landwirte“ und des „Heddesdorfer Darlehnskassen-Vereins“ ging er einen Schritt weiter im Ausbau der Genossenschaften. Nun wurde den Landwirten nicht nur mit Nahrungsmittelkrediten, sondern auch mit günstig verliehenem Geld und der Errichtung von Sparkonten ausgeholfen.

Da sich sein Augenleiden mit den Jahren verschlimmerte, wurde Raiffeisen mit 47 Jahren pensioniert. Im Ruhestand plante er noch den Aufbau einer Versicherung nach seinem Genossenschaftsprinzip, dessen Erfolg er jedoch nicht mehr erleben sollte.

Sein Buch „die Darlehnskassenvereine“ enthält Gedanken, Erfahrungen und Konzepte zum Aufbau von Genossenschaften, auf denen heutige Genossenschaften basieren. In Gedenken an den Erfinder der organisierten gemeinschaftlichen Selbsthilfe ist Friedrich Wilhelm Raiffeisen der Namensgeber des Bankstellennetzes „Raiffeisen-Bankengruppe“. Nicht nur der Name, sondern vor allen Dingen die Idee der Selbstverwaltung und des Gemeinwohls wurden übernommen, indem die Kunden gleichzeitig die Mitunternehmer der Raiffeisen-Bankengruppe sind. Melinda Heitmann


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