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09.03.13 / Dubiose Quellen und Fehlinterpretationen / Britischer Autor auf den Spuren des Islam – Nicht Frieden, sondern Einfluss war das Ziel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-13 vom 09. März 2013

Dubiose Quellen und Fehlinterpretationen
Britischer Autor auf den Spuren des Islam – Nicht Frieden, sondern Einfluss war das Ziel

Die Geschichte des frühen Islam liegt fast völlig im Dunkeln. Fest steht nur, dass für die angeblichen „Quellen“ über das Leben des Propheten Mohammed und die Entstehung des Korans das Diktum des hellsichtigen britischen Historikers Edward Gibbon zutrifft: „Das einzige, was an diesen erbaulichen Texten stört, ist das Fehlen von Wahrheit und gesundem Menschenverstand.“ Dennoch aber machen die Traditionalisten unter den Islamwissenschaftlern den Fehler, sichtlich „zurechtgebogene“ oder gar konstruierte Überlieferungen als glaubwürdige Zeugnisse zu behandeln. Dahingegen stützen sich die sogenannten Revisionisten eher auf archäologische, numismatische und sprachwissenschaftliche Befunde. Daraus ziehen sie den Schluss, dass Mohammed eine nachträglich erfundene Figur sei – geschaffen, um den Koran als genuin arabische Schöpfung hinzustellen. Dabei handele es sich bei dieser Schrift jedoch um keine Gründungsurkunde einer neuen Religion, sondern um das Bekenntnis einer „ketzerischen“ christlichen Bewegung, in dem sich Aussagen des Alten und Neuen Testaments, der Apokryphen, der orthodoxen ostsyrischen Theologie sowie altpersische und buddhistische Glaubenssplitter miteinander vermischen.

Ganz so weit will der britische Erfolgsautor Tom Holland, der hierzulande vor allem durch seine beiden meisterlichen Werke „Persisches Feuer“ und „Millennium“ von sich reden machte, allerdings nicht gehen: Er meldet keine Zweifel an der Historizität Mohammeds an, gibt aber ansonsten ebenfalls keinen Pfifferling auf die dubiosen und fehlinterpretierten „Quellen“ aus der Anfangsphase des Islam. Deshalb muss der sogenannte „Steven Spielberg unter den Historikern“ die Entstehung und den Siegeszug der muslimischen Religion aus den geistigen und politischen Verhältnissen der Spätantike heraus erklären, was wiederum einen schier endlosen Anlauf erfordert und viele Textseiten beansprucht. Doch auch unter diesen Umständen gerieten die Ausführungen über Mohammed und die Herausbildung des arabischen Weltreichs „unverschämt provisorisch“, wie Holland selbst ganz offen zugibt.

Das heißt aber nicht, dass seine Ausführungen an Deutlichkeit zu wünschen übrigließen, wenn es um einen entscheidenden Wesenszug des Islam geht, der in der derzeitigen Diskussion kaum noch beachtet wird: Die Anhänger der angeblichen „Religion des Friedens“ griffen beileibe nicht erst zur Gewalt, als sie mit den Gegenangriffen des Westens in Form der Reconquista und der Kreuzzüge konfrontiert wurden! Zum einen en-deten bereits ihre allerersten und völlig unprovozierten Vorstöße in das Byzantinische beziehungsweise Persische Reich mit vielerlei Gemetzeln, wie zum Beispiel dem Massaker an der Bevölkerung der heiligen persischen Stadt Veh-Ardashir – damals wurden um die 40000 Menschen ermordet. Zum anderen gingen sich die Muslime auch schon bald gegenseitig an die Kehle. Bereits der zweite Kalif Uthman ibn Affan wurde 656 in Medina von seinen eigenen Glaubensbrüdern wegen eines angeblichen Wortbruchs gelyncht. Und vier Jahre später kam es zur ersten Fitna, das heißt zum arabisch-islamischen Bürgerkrieg und zur nachfolgenden Glaubensspaltung zwischen Sunniten und Schiiten, als die Anhänger Uthmans einen Nachfolger wählten, der sich gegen den neuen Kalifen Ali ibn Abi Talib stellte. Drei weitere Fitnas im 7. und 8. Jahrhundert folgten, begleitet von teilweise abscheulichen Gräueltaten gegenüber Konkurrenten und „Abweichlern“. Daraus kann man unschwer ersehen, dass es sehr viel weniger um Frieden als um Macht und Einfluss ging, wobei der Griff danach häufig von einem lustvollen Sadismus begleitet wurde. So bezeichnet Holland es als überaus typisch, dass der Begründer der Abbasiden-Dynastie sein erstes Bankett auf Teppichen veranstaltete, unter denen die sterbenden Anhänger des gestürzten alten Kalifen langsam und qualvoll verröchelten. Wolfgang Kaufmann

Tom Holland: „Im Schatten des Schwertes. Mohammed und die Entstehung des arabischen Weltreichs“, Klett-Cotta, Stuttgart 2012, geb., 532 Seiten, gebunden, 29,95 Euro

 

Weitere Titel

Reinhard Barth: „Das Mittelalter. Kirche, Krone und Kreuzzüge“, Komet, Köln 2012, gebunden, 415 Seiten, 14,99 Euro

Hubert Bjarsch: „Deutschland – meine Liebe, meine Katastrophe. Vergangenheit trifft Zukunft“, Frieling, Berlin 2012, broschiert, 187 Seiten, 9,90 Euro

Werner Bräuninger: „Feldherren Halle. Triumph und Untergang 1935 bis 1945“, Regin, Preetz 2012, gebunden, 430 Seiten, 24,95 Euro

Sigurd Göttlicher: „Das Geheimnis von Bethlehem oder Die Sandelholzkiste. Ein Kirchenkrimi auf geschichtlicher Basis“, Erich Weiß Verlag, Bamberg 2012, gebunden, 275 Seiten, 18,50 Euro

Dietrich A. H. Kirchner: „Kein Meer zu weit – kein Grund zu tief“, Projekte Verlag, Halle 2012, gebunden, 291 Seiten, 17,50 Euro


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