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23.03.13 / Unrecht der Vertreibung benennen / Politische Prominenz bei BdV-Jahresauftakt – Merkel fordert mehr Tempo beim Museumsbau

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-13 vom 23. März 2013

Unrecht der Vertreibung benennen
Politische Prominenz bei BdV-Jahresauftakt – Merkel fordert mehr Tempo beim Museumsbau

Viel Prominenz konnte der Bund der Vertriebenen (BdV) wieder auf seinem Jahresempfang begrüßen. Wie in den Vorjahren gab die Bundeskanzlerin Angela Merkel sich die Ehre, außerdem Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, dazu waren Staatssekretäre, Vertreter ostmitteleuropäischer Botschaften und viele Abgeordnete in die Bayerische Landesvertretung gekommen. BdV-Präsidentin Erika Steinbach würdigte erneut die Versöhnungsbereitschaft Ungarns und wies Kritik an den dortigen aktuellen Verfassungsänderungen zurück. Sie hatte bereits am Vortag, den 11. März, im ungarischen Parlament zum neu geschaffenen nationalen Gedenktag für die Vertreibung der Ungarndeutschen reden können. Nun erinnerte sie an die Merkwürdigkeit, dass Ungarn einen solchen Gedenktag hat, nicht aber Deutschland selbst.

Dem Historiker Horst Möller verlieh Steinbach die höchste Auszeichnung des BdV, die Ehrenplakette, für seine Verdienste um die Menschenrechte und seine objektive Bearbeitung des Themas Vertreibung. Der noch in Breslau Geborene war bis 2011 fast 20 Jahre lang Leiter des Instituts für Zeitgeschichte in München. In seiner Dankesrede betonte er, die Bedeutung des Holocaust für das Selbstverständnis der Bundesrepublik sei unbestritten. Dies müsse niemanden daran hindern, die Vertreibung als das zu bezeichnen, was sie nun einmal war – „ein Unrecht von riesigem Ausmaß“, erklärte Möller unter dem Applaus der etwa 200 Anwesenden, darunter die Vorsitzenden der meisten Landsmannschaften. Die Ostpreußen waren durch ihren Sprecher Stephan Grigat, Altsprecher Wilhelm v. Gottberg und Bundesvorstand Hans-Jörg Froese vertreten.

Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich in ihrer Rede gut informiert über die Lage im Bereich der Landsmannschaften. Sie würdigte die Fortschritte im Verhältnis zwischen Tschechen und Sudetendeutschen mit der Rede von Ministerpräsident Petr Necas unlängst im Bayerischen Landtag. Gemeinsam mit Bayern fördere der Bund mit erheblichen Summen das geplante zentrale sudetendeutsche Museum in München. Was das „Zentrum gegen Vertreibungen“ in Berlin angeht, das heute offiziell „sichtbares Zeichen“ der „Stiftung Flucht, Vertreibung Versöhnung“ heißt, ließ die Kanzlerin Ungeduld erkennen: Die Baumaßnahmen könnten bald beginnen, es gebe breite Akzeptanz. „Und wir wollen jetzt einfach auch sehen, dass etwas passiert.“

Bei den informellen Gesprächen wurde viel diskutiert, ob die Bundesregierung – wie von den Koalitionsfraktionen einst gefordert – bis zur Wahl wohl noch einen nationalen Gedenktag für Flucht und Vertreibung schaffen und ob die ebenfalls immer wieder befürworteten Entschädigung für deutsche Zwangsarbeiter Fortschritte machen würde. Viel Beachtung fand die mutige Wiedergutmachungspolitik Serbiens gegenüber den Donau-schwaben (siehe PAZ Nr. 11). Der BdV-Führung ist sie seit Längerem bekannt. K.B.


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