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23.03.13 / Messerscharf kombiniert / Fall gelöst: Nick Knatterton findet in Hannover zu seinem Schöpfer

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-13 vom 23. März 2013

Messerscharf kombiniert
Fall gelöst: Nick Knatterton findet in Hannover zu seinem Schöpfer

Die berühmteste Figur aus dem Repertoire des Zeichners Manfred Schmidt ist zweifellos dessen Detektiv Nick Knatterton. Doch anders als bei seinem Freund und Kollegen Loriot, alias Vicco von Bülow, gelang es Schmidt nicht, als eigenständige Künstlerpersönlichkeit anerkannt zu werden.

„Kombiniere …“, lautete das geflügelte Wort des Pfeife rauchenden Meisterdetektivs, der mit karierter Mütze von 1950 bis 1959 in der Zeitschrift „Quick“ auf Verbrecherjagd ging. Als Parodie amerikanischer Superhelden-Comics und auf Sherlock Holmes fanden die zum Teil hanebüchenen Abenteuer vor allem bei Erwachsenen großen Anklang. Nick Knatterton lieferte sich mit zwielichtigen Gestalten Verfolgungsjagden und traf mit seiner unkonventionellen Denkweise nicht auf die Begeisterung der Polizei.

Der Mann hinter diesem Tausendsassa war Manfred Schmidt, dem das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover im Jahr seines hundertsten Geburtstags eine Retrospektive widmet. Geboren im April 1913 in Bad Harzburg, wuchs Schmidt in Bremen auf. Bereits als Schüler zeichnete er Karikaturen für Zeitungen. Vor allem die Leser, die das Wirtschaftswunder der 50er Jahre und die Adenauer-Ära erlebten, dürften seinen hintergründigen Humor und die Seitenhiebe auf Politik und Gesellschaft bei Knatterton verstehen. Denn Schmidt sprach sich in seinen Geschichten gegen die Wiederbewaffnung aus und spottete über die Bundeswehr, das Finanzamt und kritisierte das Spießbürgertum. Zielscheiben waren unter anderem Konrad Adenauer, den Schmidt als Indianer verkleidet auftreten ließ, und Franz Josef Strauß, der übrigens mit Comics überhaupt nichts anzufangen wusste. Als Vorsitzender des Ausschusses für Fragen der Jugendfürsorge strebte Strauß seit 1949 ein Gesetz an, um gegen diesen „Schund und Schmutz“ vorgehen zu können.

Als Schmidt seine Figur 1956 endlich heiraten ließ, wollte er die Serie damit beenden. Doch die Leser ließen keine Ruhe, so dass er Knatterton bis 1959 fortsetzte. In dem Jahr kam auch eine Verfilmung mit Karl Lieffen in der Hauptrolle in die Kinos. Eine Zeichentrickserie folgte in den 1970er Jahren aus Manfred Schmidts eigenem Studio.

Das Wilhelm-Busch-Museum, in dessen Sammlung sich ein großer Teil der Nick-Knatterton-Seiten befindet, zeigt knapp 200 Zeichnungen und andere Stücke aus dem Schaffen Manfred Schmidts, dessen Figur Nick Knatterton weitaus bekannter wurde als er selbst. Mit dabei sind vier Episoden, die seit der Erstveröffentlichung 1957 nicht mehr nachgedruckt wurden, auch nicht in der zuletzt im Lappan Verlag erschienen „Gesamtausgabe“. Die Ausstellung ist aber nicht nur für Knatterton-Fans von Interesse. Schmidt schuf weitere Comicserien, produzierte Trickfilme für den italienischen Cartoonisten Mordillo und verfasste mehrere Reisebücher. Ulrich Blode


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