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23.03.13 / Die Schwester des »Imperator« wurde zur »Leviathan« / Kein jemals in Deutschland fertig gebautes und unter deutscher Flagge fahrendes Passagierschiff war größer als die »Vaterland«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-13 vom 23. März 2013

Die Schwester des »Imperator« wurde zur »Leviathan«
Kein jemals in Deutschland fertig gebautes und unter deutscher Flagge fahrendes Passagierschiff war größer als die »Vaterland«

Mit dem Bau der drei Riesendampfer „Imperator“, „Vaterland“ und „Bismarck“, vermessen mit über 50000 Bruttoregistertonnen, setzte die Hamburger Reederei Hapag kurz vor dem Ersten Weltkrieg neue Maßstäbe im internationalen Transatlantikverkehr, denn nie zuvor hatte es größere Schiffe gegeben. Am 3. April 1913 feierten die Hamburger den Stapellauf des zweiten Schiffes „Vaterland“, gebaut von der Hamburger Traditionswerft Blohm & Voss und getauft von Kronprinz Rupprecht von Bayern. Damit war die „Vaterland“ nach dem „Imperator“ bereits das zweite Schiff, das entgegen der üblichen Schifffahrtstradition, von Männern getauft wurde. Für beide Schiffe war ursprünglich der Name „Europa“ vorgesehen. Der „Imperator“ wurde dann gewählt, um dessen Taufpaten Kaiser Wilhelm II. zu huldigen. Auch der Name „Vaterland“ war politisch motiviert. Man wollte das bayerische Königshaus durch die Ehre der Taufe des größten Dampfers der Welt näher an das Reich binden.

Beim Bau hatte man aus den Erfahrungen mit dem „Imperator“ lernen können. So bekam die „Vaterland“ mittschiffs „Frahmsche Schlingertanks“ eingebaut, die für eine besonders ruhige Fahrt sorgten und vielen Passagieren die unangenehmen Folgen der Seekrankheit ersparten. Auch die Sicherheitseinrichtungen wurden als Folgen des „Titanic“-Untergangs überarbeitet. So wurde die Anzahl der Rettungsboote erhöht und ein starker Scheinwerfer unterhalb des Krähennestes angebaut, um Eisberge besser sichten zu können. Durch eine neuartige Bauweise, in der die Kesselschächte zu den Schornsteinen im Bauch des Schiffes geteilt und erst auf dem höchsten Deck wieder zusammengeführt wurden, war es möglich, gigantische Gesellschaftsräume über die komplette Schiffsbreite zu erschaffen, die in dem damals zeitgenössisch beliebten Prunk ausgestattet waren.

Im krassen Gegensatz dazu standen die Arbeitsbedingungen der Heizer im Schiffsbauch, die nach harten Taktvorgaben unter unmenschlichen Bedingungen für die Geschwindigkeit sorgen mussten. Egon Erwin Kisch hat sie als Pressevertreter beobachtet und später mit der Reportage „Bei den Heizern des Riesendampfers“ veröffentlicht.

Die 289,5 Meter lange und 30,5 Meter breite „Vaterland“ war das größte jemals in Deutschland fertig gebaute und unter deutscher Flagge fahrende Passagierschiff. Denn der letzte und größte der drei geplanten Riesendampfer, die „Bismarck“, wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg unter US-amerikanischer Regie fertiggestellt.

Durch ständige Innovationen war die Lebensdauer der Luxusdampfer als „cash cows“, was man frei mit Gelddruckmaschinen übersetzen könnte, für die Reedereien nur kurz. So transportierte 1913 der 16 Jahre zuvor erbaute Luxusdampfer „Kaiser Wilhelm der Große“ nur noch Passagiere der dritten Klasse.

Die „Vaterland“ stach am 14. Mai 1914 nach New York zu ihrer Jungfernfahrt in See. Insgesamt erfolgten lediglich drei Rundreisen nach New York. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die „Vaterland“ dort im August 1914 erst interniert und nach dem Eintritt der USA in den Krieg im April 1917 beschlagnahmt und zum Truppentransporter „U.S.S. Vaterland“ umgebaut. Die ganze bewegliche luxuriöse Einrichtung wurde entfernt. Die Einlagerung wurde nicht gründlich überwacht, so dass in den nächsten Jahren an verschiedenen Orten entlang der Ostküste immer wieder Gegenstände von Bord auftauchten. Kurz vor der ersten Überfahrt wurde das Schiff in „Leviathan“ umbenannt, nach einem gewaltigen biblischen Seeungeheuer, welches das Meer regiert.

Nach einer kurzen militärischen Karriere wurde die „Leviathan“ wieder zum Passagierschiff rückgebaut und neu vermessen, um auch weiterhin den Titel als größtes Schiff der Welt tragen zu können. Darüber war nämlich bei verschiedenen Reedereien durch die Verwendung unterschiedlicher Kriterien Streit ausgebrochen. Das Schiff brachte der United States Line kein Glück, war reparaturanfällig und musste durch Überkapazitäten mehrfach aufgelegt werden. So endete die „Leviathan“ 1938 unspektakulär auf einer schottischen Abwrackwerft.

Gleichzeitig hatte die Hapag in Hamburg bereits bei Blohm & Voss einen neuen Luxusdampfer „Vaterland“ in Auftrag gegeben. Dieses Schiff wurde wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs allerdings nie fertiggestellt. Britta Heitmann


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