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23.03.13 / Befremden über Pfusch am Bau / Drastische Mängel bei Rekonstruktionsarbeiten sind an der Tagesordnung − Politik drückt beide Augen zu

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-13 vom 23. März 2013

Befremden über Pfusch am Bau
Drastische Mängel bei Rekonstruktionsarbeiten sind an der Tagesordnung − Politik drückt beide Augen zu

Die restaurierten Schlossteich­kas­kaden in Königsberg sind zu einem beliebten Anziehungspunkt der Stadt geworden. Doch durch Pfusch der Baufirma musste das Bauwerk nun für Besucher geschlossen werden. Dass die Stadt eine für mangelhafte Arbeit bekannte Firma mit der Restaurierung beauftragt hat und die Arbeiten offensichtlich ohne Kontrollen abnahm, löst bei der Bevölkerung Befremden aus.

Die „Schlossteichkaskaden“ stehen heute unter dem Schutz der Stadt und sie wurden erst im September 2012 in neuem Glanz für Spaziergänger zur Nutzung freigegeben. Zuvor war das 1930 erbaute wassertechnische Bauwerk jahrelang in einem bedauernswerten Zustand gewesen. Die Schlossteichkaskaden sind sofort zu einem beliebten Ort für Ausflügler geworden.

Doch als der Herbst mit Regen und der Winter mit Schnee über Land zogen, bekam der Glanz Risse. Zunächst stieg der Wasserspiegel im See, was zu einer starken Strömung führte. Bei näherem Hinsehen konnte man beobachten, dass aus den Außenwänden der nahe gelegenen Branntweinfabrik mehrere Wasserströme auf dem Fußweg über die Stufen der Springbrunnenanlage in den See flossen. Sie hatten bereits die Stufen und die Wände der Kas­kade beschädigt. Die Stadtverwaltung ließ nach der Ursache suchen und ist zu dem Schluss gekommen, dass ein in der Mauer liegendes Rohr, das den Oberteich mit dem Schlossteich verbindet, nicht richtig funktioniert, so dass die Wassermassen, die aufgrund der Regen- und Schneemenge größer geworden waren, sich einen Weg durch die Wand gesucht hatten.

Seit diesem Monat sind die Schloss­teichkaskaden wieder geschlossen. Bauarbeiter sind bereits mit der Mängelbeseitigung beschäftigt, doch durch den erneuten Kälteeinbruch ist nicht absehbar, wann die Reparaturarbeiten beendet sein werden.

Die Rekonstruktionsarbeiten an den Schlossteichkaskaden wurden von derselben Baufirma durchgeführt, die mit der Rekonstruktion des Oberteichufers beauftragt war. Ihre Arbeit war auch dort schon so mangelhaft, dass sie in Regress genommen wurde.

Fälle von Baupfusch sind in der letzten Zeit an der Tagesordnung. Ein Großteil der Reparatur-, Modernisierungs- und Wiederherstellungsarbeiten stellt sich als mangelhaft heraus. Die restaurierten Robbenskulpturen am Oberteich setzten unmittelbar nach ihrer Fertigstellung Schimmel an und bekamen Risse. Die Pflastersteine der Uferpromenade haben sich angehoben. Deshalb müssen sie städnig neu verlegt werden. Auf der Herzog-Albrecht-Allee (Thälmann-Straße) beim Oberteich wurde das Kopfsteinpflaster neu verlegt, jedoch mit zu großem Abstand, so dass der Regen den Füllsand wegspülte. Die eingesetzten Bauarbeiter kamen fast alle aus Mittelasien. Sie besaßen weder die erforderliche Qualifikation noch die Technologie, die deutsche Spezialisten bei der Anlage des Kopfsteinpflasters damals in Königsberg hatten.

Bürgermeister Alexander Jaroschuk kam nun zu dem Schluss, dass der Versuch, das historische Erbe zu erhalten, missglückt sei, da Kopfsteinpflaster nicht geeignet sei, großer Belastung standzuhalten. Dort, wo viel Verkehr fließt, will die Stadtverwaltung nun die Straßen asphaltieren. Es wird daher erwartet, dass die Herzog-Albrecht-Allee bald geteert wird. Das Oberteichufer und die Burowstraße dagegen dürfen ihr Kopfsteinpflaster behalten.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass es bei Restaurierungsarbeiten im Stadtzentrum lediglich um die Aneignung von Haushaltsmitteln geht. Diese werden dann in buchstäblichem Sinne in den Sand gesetzt, indem eine bereits durchgeführte Arbeit wegen Schlamperei wiederholt werden muss. Es ist eine bequeme Art und Weise, Haushaltsmittel in schwer zu kontrollierenden Bereichen auszugeben, deshalb wiederholen sich solche Vorfälle regelmäßig.

Jedoch ruft der Fall von Bau­pfusch bei den Schlossteichkas­kaden, bei denen ein Unternehmen beauftragt worden ist, das bekanntermaßen schlechte Arbeit abliefert, allgemeines Befremden hervor. Jurij Tschernyschew


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