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30.03.13 / Erinnerung zentral sichtbar machen / Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft fordert Mahnmal in Berlin

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-13 vom 30. März 2013

Erinnerung zentral sichtbar machen
Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft fordert Mahnmal in Berlin

Berlin gilt als „Hauptstadt der Erinnerung“, doch die Opfer des Kommunismus bemängeln eine Lücke in der Erinnerungskultur. Sie fordern ein eigenes zentrales Mahnmal. Die Reaktion ist eher verhalten.

Denkmale sind sichtbar gemachte Erinnerung und Mahnung. In Berlin gibt es bereits so viele davon, dass Kritiker von einem „Mahnwahn“ sprechen. Es gibt Gedenkstätten an Orten der Gewalt, es gibt Tafeln, die auf bestimmte Ereignisse oder Personen hinweisen und es gibt Mahnmale für bestimmte Opfergruppen. Was es jedoch nicht gibt, ist ein zentrales Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft. Dabei hinterlässt gerade diese menschenverachtende Ideologie eine breite Blutspur in der Geschichte. Wie viele Menschen ihr zum Opfer fielen, lässt sich nicht genau beziffern. Der französische Historiker Stéphane Courtois spricht in seinem Vorwort zu dem 1997 von ihm herausgegebenen „Schwarzbuch des Kommunismus“ von 100 Millionen Opfern als „einem Faktum“ – eine unglaubliche Zahl, die selbst von seinen Kritikern nicht infrage gestellt wird.

Auch viele Deutsche verloren unter dem Kommunismus ihr Leben oder hatten auf andere Weise zu leiden. Dazu gehören die Mauertoten ebenso wie die Deportierten, die in der Kriegsgefangenschaft Zugrundegegangenen, die in die Sowjetunion verschleppten Zwangsarbeiter, die in der SBZ/DDR Hingerichteten, Eingesperrten, Gefolterten, Umgesiedelten, Enteigneten, Benachteiligten und die auf andere Weise Drangsalierten und Verfolgten. Doch einen zentralen Ort, an dem ihrer gedacht und an die zerstörerische Macht des kommunistischen Gesellschaftssystems erinnert wird, sucht man bislang vergebens.

Die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) will das ändern. Ihre Mitglieder fühlen sich nicht genügend beachtet und als Diktaturopfer zweiter Klasse. Sie fordern daher ein „Mahnmal zum Gedenken an alle Opfer des Kommunismus in Deutschland von 1945 bis 1989“ und zwar „an einer zentralen Stelle in Berlin, in unmittelbarer Nähe zu den politischen Entscheidungsträgern und den Touristenströmen aus aller Welt“. Das Mahnmal soll etwas sein, „was man nicht so ohne weiteres wegschieben kann, an dem die Politiker vorbeigehen müssen und was in 100 Jahren noch an die Gefahren des kommunistischen Totalitarismus erinnert“, beschreibt der UOKG-Vorsitzende Rainer Wagner sein Anliegen. Es solle nicht nur Raum für das individuelle und kollektive Erinnern und Gedenken bieten, sondern auch über Entstehung und Auswirkung des Kommunismus informieren, um die Menschen „zu ermutigen, sich gegen Unrecht und Gewalt in jeder Form zur Wehr zu setzen“. Was die UOKG nicht will, ist ein Ort bedrückender Atmosphäre. Der positive Akzent, nämlich die gelungene Überwindung der Diktatur, solle im Vordergrund stehen.

Ihren Sitz hat die UOKG in der Berliner Ruschestraße 103, der ehemaligen Stasi-Zentrale und heutigen Gedenkstätte. Ihr Projekt sieht sie weder hierzu noch zu den anderen Gedenkorten in der ehemaligen DDR in Konkurrenz. Andernorts werde, so die UOKG, „ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil zur Aufarbeitung“ beigetragen, allerdings überwiegend in Bezug auf spezielle Ereignisse und Opfergruppen. Im Gegensatz dazu soll das geplante Mahnmal alle von der OUKG vertretenen Opfergruppen repräsentieren. Dazu zählen auch die Vertriebenen. Der Bund der Vertriebenen ist der größte Einzelverband unter den über 30 Mitgliedern der UOKG. Die Vertreibung aus dem sowjetischen Herrschaftsbereich sei, so Wagner, „die größte ethnische Säuberung des vergangenen Jahrhunderts“. Allerdings wolle die UOKG „kein Vertriebenenmahnmal am Reichstag“.

Die Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), Hubertus Knabe, Direktor der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, und der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, unterstützen das Vorhaben. Allerdings gibt es auch skeptische Stimmen, die sich vor allem an der geplanten Zentralisierung der Erinnerung und einer möglichen thematischen Überfrachtung des Mahnmals stören. Der Historiker Bernd Faulenbach von der Bundesstiftung Aufarbeitung wiederum findet es problematisch, wenn der Eindruck geweckt würde, das Leid der NS-Opfer konkurriere mit dem der Kommunismus-Opfer. Wagner betont, dass man „keine pietätlose Konkurrenz zu den NS-Opfern“ wolle, hält aber dagegen, dass es „keinen Alleinvertretungsanspruch der Opfer der ersten deutschen Diktatur“ geben könne. Die Frage der „Opferkonkurrenz“ dürfte bei der Standortwahl ein entscheidendes Kriterium sein. Die UOKG favorisiert das Marx-Engels-Forum in Berlin-Mitte. Hier würde das Mahnmal den beiden umstrittenen Gedenkbronzen der Schöpfer des Kommunismus sozusagen als Kontrapunkt gegenüberstehen.

Bis die UOKG ihr Ziel, einen Bundestagsbeschluss zur Errichtung des Mahnmals, erreicht hat, ist es noch ein weiter Weg durch die Gesellschaft und die Institutionen. Deshalb wendet sie sich in einem Aufruf an die Öffentlichkeit, ihre Initiative in der gesellschaftlichen Diskussion sowie politisch zu unterstützen. Dazu sammelt sie bundesweit Unterschriften. Wer mitmachen will, kann sich bei der UOKG-Geschäftsstelle unter der Telefonnummer (030) 55779352 melden. Jan Heitmann


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