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30.03.13 / Opfer verheimlicht / Russland: Journalist fordert Aufklärung ein

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-13 vom 30. März 2013

Opfer verheimlicht
Russland: Journalist fordert Aufklärung ein

Seit 300 oder mehr Jahren ist „prisyw“ (Einberufung zur Armee) für Russen ein Synonym für Hunger, Quälerei, Tod. Dagegen agiert seit 1989 die „Union der Soldatenmütter Russlands“, auch können seit 1991, als die UdSSR zerbrach, Betroffene in der russischen Diaspora außerhalb Russlands untertauchen, was pro Jahr 15000 junge Russen tun: Lieber Fahnenflucht als „nichtkämpferischer Soldatentod“, so ihr Motiv. Genauer: Mord, oft als Selbstmord getarnt, und andere Gewaltakte im Vollzug der „Dedowschtshina“ (Großvaterart), des kollektiven Sadismus älterer gegen jüngere Soldaten, was seit 150 Jahren das Erbübel russischer Armeen ist.

„Die Armee Russlands ist ein typisches Straflager hinter Stacheldraht“, rügte Anna Politkowskaja, prominenteste Enthüllungsjournalistin Russlands, die im Oktober 2006 ermordet wurde. Ihr Nachfolger bei der mutigen „Nowaja gaseta“ („Neue Zeitung“) ist Wjatscheslaw Ismajlow, ehemaliger Major und „Veteran“ aus Afghanistan und Tschetschenien, der misstrauisch Zahlenspiele der Armee zu ihren Todesfällen verfolgt: 2005 waren es 662, 2006 554, 2007 442, 2008 471 tote Wehrpflichtige. Ebenfalls 2008 wurde der Wehrdienst auf zwei Jahre verkürzt, was Todesraten unter Soldaten wieder ansteigen ließ, wie Sergej Fridinskij, oberster Staatsanwalt der Armee, belegte: 2009 470 Tote, 2010 478. Seit 2011 schweigen sich Verteidigungsministerium und Armee aus, wogegen Ismajlow und seine „Nowaja gaseta“ seit Januar 2013 wütend revoltieren.

Ihre heimlichen Verbündeten sind Offiziere aus dem Ministerium, die nicht genannt werden wollen, aber verrieten, dass Todesraten Staatsgeheimnis sind. Da geriet Ismajlow, legendärer Kameradenretter in Tschetschenien, vollends in Harnisch, da die Geheimniskrämerei der Bürokraten in Uniform gegen Russlands Pressegesetz verstößt. Nun will er das Ministerium verklagen, denn „wenn die Todesraten wirklich geheim sind, werden unsere Leser erkennen, wie gefährlich es ist, dieser Armee ihre Söhne zu überlassen“. W. Oschlies


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