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30.03.13 / Angriffe auf Volkswagen / Vor allem in Frankreich und China beäugt man den Erfolg des deutschen Autobauers mit Argwohn

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-13 vom 30. März 2013

Angriffe auf Volkswagen
Vor allem in Frankreich und China beäugt man den Erfolg des deutschen Autobauers mit Argwohn

Bis 2018 will VW zum weltgrößten Automobilhersteller aufsteigen. Der Erfolg des deutschen Autobauers ruft nicht nur in Paris die Neider auf den Plan.

Ein Rekordgewinn von fast 22 Milliarden Euro und erstmals mehr als neun Millionen verkaufter Autos – selbst für den erfolgsverwöhnten Autobauer VW war das Jahresergebnis 2012 außergewöhnlich. Fast zeitgleich mit den Erfolgsmeldungen aus Wolfsburg mehren sich allerdings die Zeichen, dass VW gleich von mehreren Seiten in die Zange genommen wird. Die EU-Kommission, der bereits seit über zehn Jahren die Beteiligung Niedersachsens an Volkswagen ein Dorn im Auge ist, zog erneut gegen das VW-Gesetz vor Gericht. Der Vorwurf Brüssels: Die Sperrminorität des Landes Niedersachsen verschrecke potenzielle Investoren. Bisher wird auf den Aktionärshauptversammlungen von VW eine Mehrheit von über 80 Prozent Ja-Stimmen – fünf Prozentpunkte mehr als im Aktiengesetz vorgesehen – benötigt. Da das Land Niedersachsen über 20,2 Prozent der VW-Anteile verfügt, hat es eine Sperrminorität. Niedersachsen kann im Notfall Entscheidungen über Produktionsverlagerungen ins Ausland ebenso verhindern, wie es feindliche Übernahmen erschweren kann.

Falls der EuGH der EU-Kommission Recht gibt, muss Deutschland eine Strafe von rund 50 Millionen Euro zahlen. Zudem droht bis zur Umsetzung des Urteils ein Zwangsgeld von rund 280000 Euro täglich. Selbst wenn die von Brüssel geforderte Änderung kommen sollte, besteht für den Konzern allerdings keine unmittelbare Gefahr unerwünschter Änderungen, denn das Land Niedersachsen sowie die Familien Porsche und Piëch haben zusammen etwas mehr als 70 Prozent der Stimmrechte. Lediglich zehn Prozent der stimmberechtigten Aktien sind im Streubesitz.

Nicht ganz auszuschließen ist allerdings, dass der vierte Großaktionär bei VW eines Tages für eine Überraschung sorgt. Das Emirat Katar ist bei VW mit 17 Prozent beteiligt. Bisher wird das Emirat zwar als verlässlicher Ankerinvestor geschätzt, allerdings scheint Katar den Schwerpunkt seiner wirtschaftlichen und politischen Aktivitäten zunehmend in Frankreich setzen zu wollen. Mit seinen Ölmilliarden hat sich die „Qatar Investment Authority“ vor allem bei großen französischen Konzernen wie Vivendi, Veolia oder Lagardère eingekauft. Für Projekte in den muslimisch geprägten französischen Vorstädten sind aus Katar sogar 50 Millionen Euro angekündigt, der katarische Fernsehsender „Al-Dschasira“ soll ab 2014 einen französisch-sprachigen Kanal erhalten.

Durch das starke Engagement des Emirats in Frankreich könnte eines Tages eine Entwicklung in Gang kommen, die heute in Wolfsburg noch undenkbar erscheint: dass Katar seinen VW-Anteil – noch aufgestockt aus dem Aktienstreubesitz – als Verhandlungsmasse gegenüber Frankreich gebraucht oder aber sogar seinen Anteil in französische Hände abgibt. Treffen Meldungen vom Anfang des Jahres zu, dann steht das Thema VW im Élysée-Palast ohnehin längst auf der Tagesordnung. Wie die Zeitung „Le Monde“ berichtet, soll die französische Führung den Autobauer PSA (Peugeot und Citroen) dazu ermutigt haben, dem Kooperationspartner GM dessen deutsches Tochterunternehmen Opel abzukaufen. Das Ziel ist es, eine Allianz zu schmieden, die VW in Europa Paroli bieten kann. Mit von der Partie sein könnte der italienische Autobauer Fiat, der in der Vergangenheit selbst eigene Pläne in diese Richtung hatte.

Sollte das von Paris gewünschte Anti-VW-Bündnis zustande kommen, wären dessen Aktivitäten zunächst einmal weitgehend auf Europa beschränkt. Sowohl PSA als auch Fiat haben es versäumt, rechtzeitig den Sprung nach China zu wagen. VW ist in China – dem mittlerweile größten Automarkt der Welt – ein Erfolg gelungen, der selbst Peking mittlerweile ein Dorn im Auge zu sein scheint. Mit einem Anteil von 14 Prozent im Jahr 2012 ist VW Marktführer im Reich der Mitte.

Inzwischen gibt es Anzeichen dafür, dass es dem erfolgsverwöhnten deutschen Autobauer in China allerdings künftig etwas schwerer gemacht werden soll. Spektakulär hat die Behörde für Produktqualität (AQSIQ) VW dazu aufgefordert, Fahrzeuge mit Direktschaltgetriebe wegen „Sicherheitsproblemen“ zurück-zurufen. Für den Fall, dass der Autobauer seinen „rechtlichen Verpflichtungen“ nicht nachkommt, ist von der Behörde eine zwangsweise Rückrufaktion angedroht. Betroffen wären immerhin 500000 Fahrzeuge.

Zusätzlich alarmierend für die Wolfsburger ist, dass sich der staatliche Fernsehsender CCTV ausführlich mit dem Thema „Qualitätsprobleme“ bei VW beschäftigt hat. Beobachter halten es kaum für möglich, dass die öffentlichkeitswirksame Kritik an VW ohne Rückendeckung von allerhöchsten Stellen erfolgt ist. Die wahrscheinliche Erklärung: Die Führung will den Deutschen in Erinnerung rufen, wer in China das Sagen hat. In Peking dürfte nicht nur für Verärgerung gesorgt haben, dass VW in China zur Nr. 1 aufgestiegen ist, sondern auch, dass es den chinesischen Autobauern bisher nicht gelungen ist, in Europa nennenswert Fuß zu fassen.

Bei VW selbst scheint man den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden zu haben. Ebenfalls im Fernsehen versicherte ein VW-Sprecher eilfertig, dass man „keine Mühen scheuen wird, um in Zukunft Verbesserungen vorzunehmen“. Vor Augen haben könnte man bei VW, was schon so manches westliche Unternehmen in China erfahren musste: Nachdem über erzwungene Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Partnern die westliche Technologie abgeschöpft worden war, folgte der Rauswurf aus China. Norman Hanert


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