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30.03.13 / Kein Schiff in Sicht / »Jade-Weser-Port« erweist sich als Fehlinvestition

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-13 vom 30. März 2013

Kein Schiff in Sicht
»Jade-Weser-Port« erweist sich als Fehlinvestition

Der für eine Milliarde Euro gebaute Wilhelmshavener „Jade-Weser-Port“ sollte Niedersachsens „neues Tor zur Welt“ werden und als einziger deutscher Tiefwasserhafen mit Europas größtem Containerhafen Rotterdam konkurrieren. Die Bilanz des Vorzeigeprojekts ist bislang ernüchternd. Den Hafen laufen derzeit nur zwei Schiffe pro Woche an. Der Betriebsrat und der Hafenbetreiber Eurogate einigten sich deshalb auf die Einführung von Kurzarbeit, die rück-wirkend ab dem 18. März gelten soll.

Als der Hafen vor mehr als zehn Jahren geplant wurde, gab es steigende Frachtmengen mit Wachstumsraten von zehn und mehr Prozent. Die Containerterminals in Bremerhaven und Hamburg waren ausgebucht. Zwar hat sich die Schifffahrt nach einem Einbruch 2009 wieder erholt, Hamburg und Bremerhaven weisen aber noch freie Kapazitäten auf. 2012 wurden in Hamburg insgesamt 8,9 Millionen 20-Fuß-Standardcontainer gegenüber 9,9 Millionen 2008 umgeschlagen. Die Reeder bleiben somit bei ihren bewährten Häfen und vermeiden den Aufwand, zum „Jade-Weser-Port“ zu wechseln, der nur als Ergänzung zu den anderen Häfen gedacht ist.

Große Hoffnung setzt man in Wilhelmshaven auf die weltweit größte Containerreederei Maersk, die dem „Jade-Weser-Port“ eine Mindestumschlagmenge von 500000 Standardcontainern bringen soll, aber bislang nicht erreicht hat. Vor der Eröffnung des „Jade-Weser-Port“ im September 2012 hatte Maersk zwei Liniendienste pro Woche angekündigt, von denen aber derzeit nur der sogenannte AE1-Dienst zwischen Asien und Europa stattfindet. Der Mittelamerikadienst CRX wurde im Herbst 2012 wieder eingestellt.

Für die Probleme in Wilhelmshaven werden vor allem zwei Gründe angeführt. Als Hindernis gelten die vom Land festgesetzten hohen Hafengebühren, gegen die Eurogate zu Beginn 2013 Klage beim Landgericht Oldenburg einreichte. Dabei stellen die Gebühren nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten dar, scheinen aber für viele Beteiligte Symbolwert zu besitzen.

Und nicht nur die geringen Frachtmengen nach Wilhelmshaven bereiten Probleme, es wird zu wenig vom „Jade-Weser-Port“ aus verschifft, so wie sich auch im Umfeld des Hafens kaum Unternehmen niederlassen. Eurogate kündigte im Januar an, dass den Reedern kostengünstig ein Pendelzug für Fracht zwischen Hamburg und Wilhelmshaven sowie zum Rhein-Hafen Duisburg angeboten werden soll.

Die jetzt von der niedersächsischen Hafenwirtschaft gegründete Arbeitsgemeinschaft fordert staatliche Investitionen in die Infrastruktur, wie der geplanten Küstenautobahn A20 oder auch die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Oldenburg nach Wilhelmshaven, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Nach Angaben des Wirtschaftsministers Olaf Lies (SPD) will das Land von 2014 an 40 Millionen Euro pro Jahr in den Ausbau der niedersächsischen Häfen investieren. Beim „Jade-Weser-Port“ ist weiterhin Geduld erforderlich, um langfristig Erfolge zu sehen. U. Blode


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