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30.03.13 / Plötzlich war es totenstill / Vor 50 Jahren sank das Atom-U-Boot »USS Thresher« vor Cape Cod

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-13 vom 30. März 2013

Plötzlich war es totenstill
Vor 50 Jahren sank das Atom-U-Boot »USS Thresher« vor Cape Cod

Nach längerer Werftliegezeit in Portsmouth lief das damals erst drei Jahre alte US-amerikanische Jagd-Atom-U-Boot „USS Thresher“ (SSN-593) am 9. April 1963 für Tauchtests aus. Insgesamt befanden sich 129 Personen an Bord, neben der Stammbesatzung auch weitere Militär-Angehörige, welche die Tauchtests beobachten sollten, außerdem noch Angestellte der Reparaturwerft und von Zulieferern. Begleitet wurde die „USS Thresher“ von dem U-Boot-Rettungsschiff „USS Skylark“, das mit dem Unterwassertelefon „Gertrude“ ausgerüstet war, um Kontakt zu halten. Die ersten Tauchtests in flachen Gewässern verliefen problemlos. Das U-Boot fuhr weiter auf das Meer hinaus, um 220 Seemeilen östlich von Cape Cod Tauchtests in tiefem Gewässer durchzuführen.

Die „USS Thresher“ begann am 10. April 1963 um kurz vor 8 Uhr mit einer Tauchfahrt, die bis zu ihrer maximalen Tauchtiefe von 400 Metern führen sollte. Währenddessen sollte die Besatzung auf Leckagen und andere Probleme achten. Weder bei 125 noch bei 200 Metern gab es Schwierigkeiten. Kurz vor der maximalen Tauchtiefe von 400 Metern empfing die „USS Skylark“ über „Gertrude“ eine Nachricht, dass man wegen kleinerer Probleme den Auftrieb erhöhen und aufsteigen wolle. Die letzte Nachricht danach war unverständlich, es folgten Geräusche, die für kriegsgediente Besatzungsmitglieder wie das Zusammenbrechen von Schotten unter Wasserdruck klangen. Die „USS Thresher“ tauchte nicht wieder auf. Es gab auch keinen weiteren Kontakt mehr.

Sofort begann die „USS Skylark“ mit der Suche, allerdings war eine Rettung nur bis zu einer Wassertiefe von 250 Metern möglich. Es kamen Seeaufklärer, Zerstörer und Kreuzer zur Hilfe, die „USS Thresher“ blieb jedoch in dem Seegebiet, in dem die Wassertiefe 2500 Meter betrug, verschollen. Am nächsten Tag wurde von der US-Navy offiziell der Verlust erklärt. Die „USS Thresher“ war das erste gesunkene Atom-U-Boot. Deshalb wurden an der Untergangsstelle auch Messungen der Radioaktivität vorgenommen, die Werte waren jedoch unauffällig.

Die Ursache für den Untergang konnte nie aufgeklärt werden. Ein heimlicher Angriff wurde ausgeschlossen, da die „USS Skylark“ ja über „Gertrude“ Ohrenzeuge des Untergangs war und die Explosion eines Torpedos gehört hätte. Die „USS Thresher“ hatte auf dieser Testfahrt keine Nuklearwaffen an Bord, so dass auch ein Unfall damit ausgeschlossen werden konnte. Möglich wäre der Bruch einer Rohrleitung, die für Kühlung des Reaktors sorgte und nach damaligem Werft-Standard nur gelötet war. Als Lehre aus dem Untergang wurden die Rohrleitungen bei den weiteren Bauten dann zur besseren Stabilität verschweißt. Auch das eingeleitete Anblasen für den Auftrieb an die Wasseroberfläche ist in dieser Wassertiefe kritisch, da es zu Vereisungen kommen kann, die zu Verstopfungen in den Rohrleitungen führen.

Nach dem Untergang wurden von der US-Navy die Sicherheitsstandards beim Bau von Atom-U-Booten gründlich überarbeitet. Es wurden Teile des Wracks kurz nach dem Untergang geortet, die Reaktorkammer schien trotz des Wasserdrucks intakt geblieben zu sein, weil es zu keiner erhöhten Radioaktivität kam. Britta Heitmann


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