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30.03.13 / Schöner, größer − maroder? / Vor der Eröffnung der Cranzer Seebrücke gibt es Zweifel an der Qualität der Bauausführung

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-13 vom 30. März 2013

Schöner, größer − maroder?
Vor der Eröffnung der Cranzer Seebrücke gibt es Zweifel an der Qualität der Bauausführung

Die Bauarbeiten im Ostseebad Cranz stehen kurz vor ihrer Vollendung. Da in Kürze die Badesaison beginnt, drängen Behörden die beauftragten Baufirmen zur Eile. Gouverneur Nikolaj Zukanow, der mit dem Baufortschritt unzufrieden ist, griff selbst ein.

Nachdem für den Kurort im vergangenen Jahr die Badesaison quasi ins Wasser fiel, weil die Promenade und weite Teile des Strandes wegen Bauarbeiten gesperrt waren, soll Cranz in diesem Jahr zu neuer Schönheit erwachen.

Eine gepflegte Promenade ist für jeden Kurort am Meer sein Aushängeschild. Dabei ist es von Vorteil, wenn diese lang, genügend breit und komfortabel ist. Gibt es dann noch ausreichend Bänke oder Cafés mit Blick aufs Meer, werden Gäste gerne ihre Freizeit dort verbringen.

Die Promenade in Cranz ist bedeutend länger als die von Rauschen. Sie wurde in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erbaut und bis in jüngste Zeit wurde nichts daran verändert, so dass die Promenade wie auch der gesamte Ort immer mehr verfielen. 2009 wurden deshalb in dem Kurort umfangreiche Restaurationsarbeiten an der Uferpromenade begonnen, ein neuer Belag, moderne Geländer, eine erneuerte Uferbefestigung und Stützen wurden gebaut, die jedoch durch den Druck der Meereswellen und durch Unterspülungen bereits wieder zerstört worden sind.

In den vergangenen Jahren begann sich das Bild des Strandes zu verändern. Auf dem kurzen Abschnitt aus Richtung Kurischer Nehrung wurden auf der Promenade Bänke aufgestellt, anstelle der durchgehenden Betonbrüstung wurden moderne Metallgeländer angebracht und die Abstiege zum Meer restauriert. Inzwischen ist auch die Ruine des einstigen Prestigerestaurants „Priboj“ verschwunden, das 30 Jahre lang die Silhouette von Cranz zierte. Das einst sehr populäre und größte Ostsee-Restaurant wurde 1990 geschlossen und das Gebäude verfiel seitdem zusehends. Die größte Veränderung in Cranz ist eine Seebrücke, die es bislang dort nicht gegeben hatte. Eigentlich hätte sie planmäßig schon im vergangenen Jahr fertiggestellt sein sollen, doch wie so oft im Leben, kam es anders. Dass Gouverneur Nikolaj Zukanow mehrfach gedroht hatte, den Vertrag mit der beauftragten Baufirma zu stornieren, hatte das Bautempo nicht wesentlich erhöht. Eine Kommission der Gebietsregierung hat auf Anweisung Zukanows deshalb vor Kurzem eine Ortsbesichtigung vorgenommen, um sich ein Bild von der Situation hinsichtlich der Uferrekonstruktion und der Bauarbeiten an der Seebrücke zu machen. Die Beamten konstatierten einen schlechten Zustand der Bauprojekte. An der Seebrücke arbeiteten nur einige Arbeiter. Sie wiesen auf das schlechte Wetter hin, das ihnen nicht erlaube, mit vollem Einsatz zu arbeiten. Die Kontrollorgane fanden auch Anlass zu Beanstandungen.

Die Gebietsregierung geht dennoch davon aus, dass die Seebrücke im April in Betrieb genommen werden kann. Bis dahin ist noch einiges zu tun: Der zum Pier führende Teil der Promenade muss noch fertiggestellt werden, die hölzerne Abdeckung entfernt, die Metallzäune aufgestellt und die Beleuchtung angeschlossen werden.

Darüber hinaus gibt es Zweifel bezüglich der Dimensionierung der Seebrücke, ob sie nicht für eine größere Menschenmenge zu eng sei. Die Auftraggeber berufen sich jedoch auf ähnliche Seebrücken in bundesdeutschen Seebädern.

Auf jeden Fall wird erwartet, dass die Cranzer Seebrücke zum Touristenmagneten wird. Bald schon können sich die ersten Urlauber ein Bild von ihrer Schönheit oder auch ihren Mängeln machen. Jurij Tschernyschew


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