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30.03.13 / Befreiung von Napoleon / Haus Schlesien beleuchtet Rezeptionen der historischen Ereignisse

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-13 vom 30. März 2013

Befreiung von Napoleon
Haus Schlesien beleuchtet Rezeptionen der historischen Ereignisse

Der Beginn der Befreiungskriege jährt sich dieser Tage zum 200. Mal. Im März 1813 bildeten die Kriegserklärung Preußens an Frankreich und der Aufruf Friedrich Wilhelms III. „An mein Volk“ den Anfang der Volkserhebung gegen die Fremdherrschaft Napoleons. Dem historischen Ereignis gingen die Konvention von Tauroggen und der Bündnisschluss mit dem russischen Zaren voraus.

Haus Schlesien von Königswinter-Heisterbacherrott zeigt unter dem Titel „Revolution, Reform oder Restauration. Die Befreiungskriege und ihre Rolle in der deutschen Geschichtsschreibung“ eine Sonderausstellung, die das ernste und kontroverse Thema der politischen und militärischen Auseinandersetzungen facettenhaft beleuchtet.

Die zahlreichen Exponate sowie die ausführlichen Text- und Bildtafeln dokumentieren zum einen die Zusammenhänge, die zu den Ereignissen der Jahre 1813 bis 1815 geführt haben, zum anderen heben sie Aspekte der Erinnerung und der Rezeption in den vergangenen 200 Jahren hervor. Berücksichtigt werden dabei sowohl Sieges- und Gedenkjubiläen − darunter die Jahrhundertfeier in Breslau − wie auch die Behandlung des Themas in der Literatur und Kunst.

Für die Gäste der Vernissage im Eichendorffsaal von Haus Schlesien gab es musikalische Darbietungen des Tambourcorps Thomasberg sowie den Auftritt von zwei Vertretern der „lebendigen Geschichtsdarstellung“. Die Musiker trugen ihre Gardeuniform, die den Uniformen des preußischen Regiments von Vittringhoff Frankenstein nachempfunden ist.

In historischen Kostümen und entsprechender Ausrüstung boten Klaus D. Hinner − als schlesischer Landwehrmann − und Ingrid Leonhard − als schlesischer freiwilliger Jäger − Einblicke in das Soldatenleben von Anno dazumal.

Die Ausstellungskuratorin Silke Findeisen stellte anhand eines Bild-Vortrages die Höhepunkte der Präsentation vor und verwies auf einige herausragende Exponate.

Auch wenn die Befreiungskriege als Schlüsselereignis für die deutsche Nationalgeschichte gelten, war und sind sie Gegenstand heftiger Debatten. Geschichtswissenschaftler streiten auch heute noch über die Frage, ob – wie Heinrich Clauren schrieb – „der König rief und alle, alle kamen“ oder kam der König erst, als alle riefen? Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist der Rolle des Volkes gewidmet. Zu sehen ist unter anderem der Appell des preußischen Königs Fried-rich Wilhelm III. „An mein Volk“, der in der „Schlesischen privilegirte Zeitung No. 34“ (Sonnabend 20. März 1813) veröffentlicht wurde. Der Aufruf löste eine große nationale Begeisterungswelle aus, die preußische Heerstärke wuchs um ein Vielfaches an.

Schlesien spielte übrigens in der Geschichte der Befreiungskriege eine bedeutende Rolle. Der preußische König zog sich zu Beginn des Jahres 1813 aus Sicherheitsgründen in das neutrale Breslau zurück. Hier stiftete er das Eiserne Kreuz als militärische Auszeichnung für verdiente Soldaten, hier erfolgte die Kriegserklärung an Frankreich und ebenfalls hier erließ er den bekannten Aufruf „An mein Volk“. Auch die schlesische Armee unter der Führung des Generalfeldmarschalls Blücher hat sich verdient gemacht. Nach der siegreichen Schlacht an der Katzbach vereinigte sich das Heer mit den anderen Koalitionsheeren und schlug Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig. Mehrere Dokumente, Gemälde und Postkarten zeigen im Dokumentations- und Informationszentrum für schlesische Landeskunde Haus Schlesien in Königswinter Aspekte der Kämpfe, so ein Ölfarbdruck nach Wilhelm Camphausen (1818−1885), der Blüchers Rheinübergang bei Kaub zum Thema hat. Mit der Niederlage Napoleons im Jahre 1815 in der Schlacht bei Waterloo befreite sich Europa von der französischen Besatzung.

Wie in der Ausstellung ersichtlich, hat das historische Ereignis der Befreiungskriege je nach der politisch-weltanschaulichen Position im Laufe der Jahre unterschiedliche Rezeptionen erlebt. So standen einerseits der konventionelle Krieg und der Sieg der Koalitionsmächte im Vordergrund, andererseits die Rolle des Volkes oder das Engagement der bürgerlichen Bildungsschicht. Unmittelbar nach der Schlacht bei Leipzig im Oktober 1813 fanden in ganz Preußen Dank- und Siegesfeiern statt. Zum ersten Jahrestag der Schlacht wurde auf Initiative von Ernst Moritz Arndt und einiger seiner Gesinnungsgenossen ein Nationalfest initiiert. Im Zuge der politischen Restauration ebbte das Interesse an den Feierlichkeiten ab, obwohl der 50. Jahrestag und insbesondere das 100. Jubiläum im Jahre 1913 in Breslau große Aufmerksamkeit erhielten. Auch in der Ausstellung finden sich diese Festlichkeiten anhand von Gemälden, Büchern, Archivfotografien und verschiedenen Erinnerungsstücken wieder.

Die Ausstellung zu den Befreiungskriegen im Haus Schlesien von Königswinter-Heisterbacherrott ist bis zum 30. Juni 2013 zu besichtigen. Dieter Göllner


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