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30.03.13 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel / Viel zu heiß / Wie wir uns gegen die Wahrheit immun machen, warum man nur Deutsche verprügelt, und wieso politische Mythen so wertvoll sind

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-13 vom 30. März 2013

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Viel zu heiß / Wie wir uns gegen die Wahrheit immun machen, warum man nur Deutsche verprügelt, und wieso politische Mythen so wertvoll sind

Was wohl passieren würde, wenn auf einmal alles ans Licht käme? Stellen Sie sich vor, es macht „Plopp!“ und alle Mythen und Legenden, sämtliche Wahlkampflügen und Politiker-Märchen fliegen auf und jeder kann mit eigenen Augen sehen, was wirklich los ist. Generationen von selbsternannten Wahrheitsverbreitern und Lügenentlarvern haben sich daran abgearbeitet, den Schleier der Verblendung zu zerreißen und den Menschen die verklebten Augen zu öffnen, vergeblich. Für diese armen Leute wäre das der Tag aller Tage.

Eine ungeheuer reizvolle Vorstellung. Indes, auch eine beunruhigende: Nicht bloß, dass die Mythenenthüller über Nacht ihre Bestimmung verloren hätten und in ein tiefes Loch der Sinnlosigkeit fielen. Auch ist ja kaum absehbar, ob die eben noch ahnungslosen Zeitgenossen die Lawine an Einsichten überhaupt verkraften.

Zum Glück ist das alles bloße Phantasie, wir Menschen wissen nämlich um den Wert der Legenden und haben ein intaktes Immunsystem gegen die Wahrheit entwickelt, das sogar großer Kälte standhält und das selbst dann noch, wenn uns die Wahrheit buchstäblich um die Ohren weht.

Kostprobe gefällig? Gern: Vergangenen Sonnabend war wieder „Earth Hour Day“. Zur „Stunde der Erde“ machen seit 2007 klimabewusste Menschen für eine Stunde demonstrativ das Licht aus, um etwas zu tun gegen die Erderwärmung. In Hamburg haben besonders Engagierte den Schriftzug „Earth Day“ mit kleinen Windlichtern auf dem Rathausmarkt gebildet, um ein Zeichen zu setzen gegen den vom Menschen verursachten Hitzetod unseres Planeten.

Dass ihnen beim Anzünden der Lichtlein im eiskalten Ostwind beinahe die Finger abgefroren wären, hat sie nicht im Mindesten daran zweifeln lassen, dass es immer heißer wird auf der Erde. Auch dass die Messdaten nachweisen, dass die globale Durchschnittstemperatur seit 15 Jahren nicht mehr steigt, obwohl die CO2-Ausstöße weiter zugelegt haben, erschüttert ihre Überzeugung keinen Deut. Wir sehen also: Vor der Wahrheit brauchen wir uns nicht zu fürchten. Selbst wenn Messdaten und sogar das ganz persönliche Erleben das Gegenteil belegen – solange die Tagesschau, Greenpeace und Aiman Abdallah von „Galileo“ sagen, dass es wärmer wird, dann wird es eben wärmer, auch wenn ich seit einer Viertelestunde meine Füße nicht mehr spüre.

„Galileo“ kennen Sie, das ist dieses beliebte „Wissensmagazin“ auf Pro7, das uns jeden Tag ein bisschen schlauer macht. Die können sogar in die Zukunft gucken. Neulich haben sie uns erleben lassen, was passiert, wenn die D-Mark wiederkommt. Was wir geahnt haben – es wird entsetzlich: Dann verlieren wir alle unsere Arbeit, die Grenzen gehen zu, Elend, Angst und vor allem: Hass auf Deutschland erfassen ganz Europa. So haben wir’s bei „Galileo“ mit eigenen Augen sehen können, „ganz wie in echt“.

Oder anders gesagt: Das fiktive Filmchen war ein Meisterwerk der politischen Legendenproduktion. Wir können nicht mehr verreisen, wenn wir keinen Euro mehr haben, weil wir uns dann allen unseren Nachbarn entfremdet hätten, wird uns da eingeredet. Aha? Unsere Nachbarn Dänemark, Polen, Tschechien und die Schweiz haben die Einheitswährung gar nicht. Warum sollten die uns böse sein, wenn wir sie auch nicht mehr haben? Das erklärt „Galileo“ nicht. Man lässt auch ganz geschickt unter den Tisch fallen, dass die Pass-lose Reise mit dem Euro rein gar nichts zu tun hat, sondern mit dem Schengener Abkommen, das es schon lange vor dem Euro gab und dem auch Nicht-Euro-Länder wie die vier genannten beigetreten sind, von denen eines, die Schweiz, nicht einmal in der EU ist.

Aber das macht alles nichts, nach dem „Galileo“-Filmchen werden wir nicht mehr daran zweifeln, dass wir ohne Euro mit einem Bein im Dritten Weltkrieg stehen, und nur darum ging es den Machern. Sie wissen wie die Klimaerwärmer: Man muss seinen Kram nur oft und eindringlich genug wiederholen. Irgendwann glauben einem die Leute mehr, als sie sich selbst vertrauen.

Kein politisch wohlerzogener Deutscher wird beispielsweise bestreiten, dass die Behauptung, es gebe hierzulande „Rassismus gegen Deutsche“, eine böse rechte Lüge ist, auch wenn er schon x-mal als „Sch... Deutscher“ beschimpft wurde. Wenn Ausländer Deutsche verprügeln, hat das immer nur soziale Gründe, nie hat das was damit zu tun, dass sie über Deutsche herfallen wollen.

Wie in Garbsen bei Hannover: Dort haben vier „Südländer“ einen Jugendlichen furchtbar vermöbelt. Nach 14 Monaten U-Haft zeigte sich der Haupttäter wahrhaft reumütig. Er hat sich sogar beim Opfer entschuldigt. Es sei ein tragischer Irrtum gewesen, denn: „Ich dachte, du wärst Deutscher!“ Soll heißen: Wenn er gewusst hätte, dass sein Opfer nichtdeutscher Herkunft ist, hätte er den jungen Mann nicht verprügelt. Die Richterin war von so viel Einsicht überzeugt; sie entließ den Prügler unter Bewährungsauflagen in die Freiheit.

Man stelle sich vor, die Sache wäre umgekehrt gelaufen. Ein deutscher Täter hätte sich bei seinem (deutschen) Opfer mit den Worten „Ich dachte, du wärst Ausländer“ entschuldigt, und die Richterin hätte ihn trotzdem auf freien Fuß gesetzt! Über die Frau wäre ein Sturm der Entrüstung hereingebrochen.

Da sind wir nämlich sehr sensibel, selbst wenn der Auslöser unserer Empörung nur ein paar Zentimeter groß ist wie in diesem Fall: Beim Verfassungsschutz gibt es schon wieder einen Skandal, vor dem Deutschland den Atem anhält. Wie dieser Tage bundesweit bekannt wurde, hatte ein Mitarbeiter einen Spielzeug-Kreuzritter auf seinem Schreibtisch stehen, dessen Schwert auf eine klitzekleine Moschee weist.

Kreuzritter, Sie wissen doch: Das waren diese Leute, die ab Ende des 12. Jahrhunderts das Heilige Land erobern wollten. Indes: Eigentlich müsste es heißen, „zurück“-erobern wollten, denn die Heere Mohameds waren im Jahre 636 ebenfalls gewaltsam in das Gebiet eingefallen, das bis dahin zum christlichen Byzanz gehört hatte. Das wollten die Kreuzritter sozusagen rückabwickeln. Doch diesen Aspekt der Geschichte lassen wir lieber weg, weil er die Gefühle mancher Migranten verletzen könnte.

Eigene Gefühle, die jemand verletzen könnte, haben wir nicht (zu haben). Daher finden wir es natürlich völlig in Ordnung, dass die Muslime die Eroberer ihrer Frühzeit noch heute als große Helden feiern, nach denen sie gern prächtige Moscheen benennen. Unerträglich hingegen ist es, wenn ein deutscher Beamter einen christlichen Ritter des Mittelalters in Plastik auf dem Schreibtisch stehen hat. Kenan Kolat, der Vorsitzende der „Türkischen Gemeinde in Deutschland“, schnaubt, das mit der Kreuzritterfigur sei „institutioneller Rassismus“. Wir sind beschämt.

Die Verantwortlichen beim Inlandsgeheimdienst versuchen nun alles, um den Imageschaden so klein wie möglich zu halten. Doch Kolat besänftigt das nicht. Der Verfassungsschutz erscheine ihm „als rein deutsche Institution“, empört er sich. Wenn wir das gewusst hätten: Im deutschen Inlandsgeheimdienst wimmelt es nur so von Deutschen! Man stelle sich vor, der türkische Inlandsgeheimdienst sei eine „rein türkische Institution“!

Wieso? Sehr wahrscheinlich ist er das sogar. Ja – sicher, aber das mit einander zu vergleichen ist ja schon an sich rassistisch.

Ach, warum denn?

Sehen Sie: Genau aus diesem Grunde sind politische Mythen und Legenden so wertvoll. Nicht nur, dass sie uns das politisch gewünschte Weltbild einimpfen. Sie trainieren uns – und das ist das Wichtigste – auch darin, unseren Verstand unterzupflügen. Der Verstand bringt uns nämlich unablässig auf gefährliche Gedanken, die wir mit Argumenten kaum noch aus dem Kopf bekommen. Daher sagen Sie es sich jeden Morgen mindestens zehnmal auf: Es ist heiß draußen, viel zu heiß!


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